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Rapper Samy Deluxel, hier bei einer NDR-Talkshow, kritisiert den Fußball und wird dafür kritisiert.

Rapper Samy Deluxe

Fußball ist für Samy Deluxe Rassismus pur

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Rapper Samy Deluxe bezeichnet Fußball in einem Interview als den "Inbegriff des Rassismus". Das bringt die Twitter-Gemeinde auf die Palme, allen voran Bild-Chef Julian Reichelt.

In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“hat Rapper und Restaurantbesitzer Samy Deluxe das Fußballgeschäft als „Inbegriff des Rassismus“ bezeichnet. Das Spiel sei die „salonfähigste Art, Rassismus in Deutschland zu promoten“.

Samy Sorge, wie der Künstler mit bürgerlichem Namen heißt, begründete seine Kritik mit der inhärenten Logik des Fußballs, nach der man den eigenen Verein überhöht und den gegnerischen abwertet. „Mit derselben Logik könnte man auch meinen, dass die eigene 'Rasse' überlegen ist“, sagte der 41-jährige Rapper der Zeitung.

Außerdem störte sich der Hamburger Hip-Hop Künstler an der in seinen Augen ungleichen Beurteilung von Musik- und Fußballveranstaltungen. Es sei „noch nie ein Verein verboten“ worden, wenn „nach einem Spiel irgendwelche Prügeleien ausbrechen“. Auch der Fußball an sich  würde dafür nie verantwortlich gemacht. Sollten dagegen aber „zum Beispiel bei zwei oder drei Rap-Konzerten in Hamburg Leute abgestochen werden, würde es nie wieder solche Konzerte geben“.

Samy Deluxe gilt als einer der kommerziell erfolgreichsten Rapper Deutschlands und ist seit knapp vier Jahren Inhaber eines Steak-Restaurants in Hamburg. Was genau er mit diesem Vergleich sagen möchte, bleibt wohl sein Geheimnis, denn weder beim Fußball noch auf Rapkonzerten werden bekanntlich mal so eben „zwei bis drei Leute abgestochen“. Unabhängig davon erntete Deluxe, Pseudonym „Samsemilia“, auf Twitter etliche Kritik für seine Kritik.

„Bild“-Chef Julian Reichelt twittert von „Schwachsinn“ 

Allen voran Julian Reichelt. Der Chefredakteur der „Bild“-Zeitung bezeichnete Samys Aussagen per Tweet als „Schwachsinn“ und griff gleichzeitig auch die ARD-Tagesschau an, weil sie das eingangs genannte Zitat von Deluxe verbreitete, ohne es einzuordnen. Es sei „die Idee von Gebühren [...], dass so ein Schwachsinn in den Nachrichten NICHT uneingeordnet weiter verbreitet wird“ twitterte Reichelt, vor lauter Aufregung gleich doppelt verneinent.

Die @tagesschau verbreitet ein Zitat, in dem alle Fußballfans zu Anhängern einer rassistischen Logik gemacht werden. Die Idee von Gebühren ist eigentlich, dass so ein Schwachsinn in den Nachrichten NICHT uneingeordnet weiter verbreitet wird, liebes @DasErste . pic.twitter.com/XSxGfEmKRy

— Julian Reichelt (@jreichelt)

13. Januar 2019

Auch Publizistin Birgit Kelle findet Samys Äußerungen als offensichtlicher Fan von Arminia Bielefeld nicht gut. Der „kleine Samy möchte aus dem Fußballstadion abgeholt werden“ twittert die Welt-Kolumnistin, die dem Muslim nicht die Hand schütteln will, wenn der Frauen verachtet, gleichzeitig aber Frauen das Recht absprechen möchte, einander zu ehelichen und „beim 'Jungen Schwarzen Mann' [sic] dieselben Maßstäbe anlegen“ will wie beim 'Alten Weißen Mann'“.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Samy Sorge, dessen Vater aus dem Sudan stammt und Deutschland verließ als sein Sohn zwei Jahre alt war, mit dem Thema Rassismus beschäftigt.

Gemeinsam mit anderen Alt-Rappern, wie unter anderem Torch und D-Flame, veröffentlichte Samy Anfang der 2000er zwei Alben, in denen explizit der Fremdenhass auf Kinder von Migranten angesprochen wird. Im Jahr 2001 erschien auch Samys wohl größter Hit „Weck mich auf“, in dem er sich bereits „umgeben von Skinheads, die Türken und Afrikanern das Leben nehmen“ wollen sah.

Samy selbst reagiert auf all die Kritik nicht direkt. Sein letzter Tweet stammt vom 31. Dezember 2018. Dort promotete er die Übertragung seines Auftritts bei MTV Unplugged im Fernsehsender 3sat.

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