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Frauenquote für Filmbranche gefordert

Deutlich mehr Geschlechtergerechtigkeit verlangen Filmschaffende aus der gesamten Branche. Insbesondere ARD und ZDF seien in der Pflicht.

Eine neue Initiative setzt sich für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der gesamten Filmbranche ein. Unter dem Titel „Pro Quote Film“ schlossen sich Filmschaffende verschiedener Bereiche zusammen, um künftig für alle Gewerke der Film- und Fernsehbranche eine 50-Prozent-Frauenquote bei Aufträgen, Fördergeldern und Rollen durchzusetzen. Ein entsprechender Forderungskatalog sei von mehr als 1.200 Beteiligten unterzeichnet worden, teilte die Initiative am Mittwoch in Berlin mit.

Dazu gehören unter anderem Regisseurinnen, Schauspielerinnen, Kamerafrauen, Drehbuchautorinnen, Produzentinnen, Filmkomponistinnen, Tontechnikerinnen, Dramaturginnen, Cutterinnen oder Szenen- und Kostümbildnerinnen. Zugleich wurde bekanntgegeben, dass das bisherige Bündnis „Pro Quote Regie“ durch das neue „Pro Quote Film“ erweitert und abgelöst wird.

Gender Budgeting

Die Aktivistinnen fordern unter anderem, dass bei der Vergabe öffentlicher Aufträge und Fördermittel die Hälfte davon an Frauen gehen soll. Aufsichts-, Beratungs- und Vergabegremien sowie Jurys von öffentlich-rechtlichen Sendern, Filmförderinstitutionen, Filmhochschulen und Festivals sollten paritätisch besetzt werden, betonte Tatjana Turanskyj, Vorstand von „Pro Quote Film“. Zudem müsse insbesondere bei öffentlich-rechtlichen Sendern ein sogenanntes Gender Budgeting eingeführt werden, was unter anderem eine gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit unabhängig vom Geschlecht sowie Geschlechtergerechtigkeit bei der Budgetplanung umfasse.

Die Initiatorinnen verwiesen auf jüngste Studien, die eine deutliche Schieflage bei der Geschlechterverteilung in der Filmbranche offenlegten. So hatte etwa eine vor einem Jahr veröffentlichte Studie von ARD und ZDF nachgewiesen, dass in den Jahren 2011 bis 2015 die Regiestellen zu 83 Prozent mit Männern besetzt waren. Eine von der Stiftung MaLisa in Auftrag gegebene ebenfalls 2017 veröffentlichte Studie zur Repräsentation der Geschlechter im Film zeigte, dass Frauen im Film vor allem als Heldinnen oder Expertinnen stark unterrepräsentiert sind.

Film- und Fernsehproduktionen in Deutschland würden bis auf wenige Ausnahmen durch öffentliche Gelder finanziert, hieß es weiter. Bei der Vergabe von Aufträgen durch ARD und ZDF sowie öffentlichen Fördergeldern würden Frauen allerdings benachteiligt. Dabei sei „die gerechte Verteilung der Ressourcen einer Gesellschaft die Grundforderung der Demokratie“, betonte Regisseurin, Drehbuchautorin und Mitglied der Akademie der Künste, Jutta Brückner.

„die Geliebte von ..., die Ehefrau von ...“

Die Geschäftsführerin von Nordfilm, Kerstin Ramcke, sagte, dass fehlende Parität in der Produktionslandschaft nachhaltige Folgen für die Branche habe. „Wir wollen weg von dieser Mangelwirtschaft und hin zu einer Ausgewogenheit von Geschichten und Geldern“, sagte Ramcke.

Die Schauspielerin Jasmin Tabatabai kritisierte zudem, dass Frauen in Filmen meist „unter 30, hübsch und schlank“ seien. Nur 20 Prozent der weiblichen Filmrollen seien berufstätig, zu 80 Prozent seien weibliche Filmfiguren „die Geliebte von ..., die Ehefrau von ..., die Mutter von ...“. Diese „verzerrte Wirklichkeitsdarstellung“ in der Filmbrache sei „eine von öffentlichen Geldern finanzierte Diskriminierung“, kritisierte Tabatabai. (epd)

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