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FR und Karl-Gerold-Stiftung vergeben Preis für ausgezeichneten Auslandsjournalismus

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Die Preisträgerinnen und Preisträger des 1. Werner Holzer-Preises: Andrea Böhm, Katrin Eigendorf und Christoph Reuter (v.l.n.r.).
Die Preisträgerinnen und Preisträger des 1. Werner Holzer-Preises: Andrea Böhm, Katrin Eigendorf und Christoph Reuter (v.l.n.r.). © Monika Müller

Die Preisträgerin des ersten Werner Holzer-Preises für Auslandsberichterstattung ist die ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf.

Frankfurt – Der erste Werner Holzer-Preis für herausragende Auslandsberichterstattung ist am 9. Dezember im Kaisersaal des Frankfurter Römers in einer feierlichen Preisverleihung vergeben worden. Dr. Richard Meng, Vorsitzender des Kuratoriums der Karl-Gerold-Stiftung, unterstrich in seiner Begrüßungsrede die zentrale Bedeutung für die Zukunft der Demokratie, internationale Entwicklungen kontinuierlich und aus unterschiedlichen Perspektiven zur Kenntnis zu nehmen. Der Preis solle immer wieder daran erinnern, dass unsere Sicht auf die Welt davon lebt, ausführlich, gründlich, kenntnisreich und kritisch über die Entwicklungen in anderen Ländern informiert zu werden.

Werner Holzer Preis

Ausgezeichneten Auslandsjournalismus prämiert die Karl-Gerold-Stiftung zusammen mit der FR. Eine Jury zeichnet einmal im Jahr mindestens eine Persönlichkeit aus.

Zum ersten Mal wurde der Preis im Jahr 2022 im Kaisersaal im Römer vergeben. Neben Katrin Eigendorf (ZDF) wurden Andrea Böhm (Die Zeit) und Chistoph Reuter (Der Spiegel) ausgezeichnet.

In seiner Preisrede würdige Jury-Vorsitzender Michel Friedman die Bedeutung des Auslandsjournalismus: „Auslandsjournalismus, ist unsere Gehirn-Erweiterung. Ist unsere Perspektiven-Erweiterung. Ist unsere Chance zu verstehen, was außerhalb von uns passiert.“

Webseite des Preises: www.werner-holzer-preis.com

Werner Holzer, langjähriger Chefredakteur der Frankfurter Rundschau und Namensgeber des neuen Preises, bereiste als Reporter zehn Jahre lang Afrika, die USA, Vietnam, den Nahen Osten und die Krisengebiete Europas. „Die Wahrheit ist nicht leicht zu finden, hat Werner Holzer der FR mitgegeben“, sagt Thomas Kaspar, Chefredakteur der FR. „Aus diesem Geist heraus haben wir zusammen mit der Familie Holzer den Preis entwickelt. Denn gerade in einer Zeit der schnellen Verbreitung von Informationen über die sozialen Medien, ist es wichtiger denn je sich aus erster Hand informieren zu können.“

Katrin Eigendorf gewinnt ersten Werner Holzer-Preis

Erste Gewinnerin des Werner Holzer-Preises 2022 ist Katrin Eigendorf (ZDF). Der Juryvorsitzende Dr. Dr. Michel Friedman begründete die Juryentscheidung wie folgt: „Auslandskorrespondenten, die aus Kriegsgebieten berichten, sind eine der wenigen Optionen, gegen die Kriegspropaganda aufzuklären. Sie riskieren ihr Leben für den freien Journalismus. Die Preisträgerin schafft es mit professionellem Engagement, die furchtbaren Informationen des Krieges mit Geschichten der angegriffenen Opfer zu verknüpfen. Sie erzählt vom Schicksal dieser Menschen und ordnet diese im politischen Kontext ein. Sie traut sich, der Informationspflicht emotionale Momente hinzuzufügen. Glaubwürdig. Das macht sie so besonders.“

Katrin Eigendorf ist Reporterin im Reporterpool der ZDF-Hauptredaktion Aktuelles mit Berichterstattungsschwerpunkten in Afghanistan, der Ukraine, Russland, Libanon, Irak und der Türkei. 2021 berichtete sie aus Afghanistan über die Rückkehr der Taliban, seit Ende Februar 2022 informiert sie die ZDF-Zuschauenden über den Krieg in der Ukraine. Katrin Eigendorf ist vielfach ausgezeichnet worden – zuletzt erhielt sie den Grimme-Preis 2022 für „besondere journalistische Leistung“.

Werner Holzer-Preis für Andrea Böhm

Für die 2. Preisträgerin Andrea Böhm (Die Zeit) fand Laudatorin Özlem Topçu (Die Zeit) wertschätzende Worte: „Andrea Böhm ist buchstäblich eine Weltreporterin – es gibt kaum eine Region, von der aus sie nicht berichtet hat. Über die sie nichts zu schreiben oder zu sagen hätte. Und mit jedem Text hat man das Gefühl: Da eröffnet eine einem die Welt, bricht die herkömmlichen

Vorstellungen von Ländern und Menschen und legt dem Weltbild immer neue Mosaiksteine hinzu.“ Andrea Böhm blickt auf eine langjährige Erfahrung als Auslandskorrespondentin in zahlreichen Ländern ihres Berichtsgebiets zurück. Sie war von 1992 bis 1997 und von 2000 bis 2005 als Korrespondentin und Reporterin in den USA tätig. Seit 2006 ist sie im Politik-Ressort der ZEIT und viel in Sub-Sahara-Afrika unterwegs. Von 2013 bis 2018 war sie Nahost-Korrespondentin mit Sitz in Beirut, wo sie sich in eigenen Worten „auf den geballten Wahnsinn dieser Zeiten“ eingelassen hatte und viel zu häufig von Krisen und Kriegen erzählen musste.

Christoph Reuter erhält Werner Holzer-Preis

Laudatorin Antje Maren Pieper (ZDF) würdigte den zweiten Zweitplatzierten Christoph Reuter (Der Spiegel): „Es gibt wohl kaum einen Auslandsreporter, der sich derart tief mit einer Region beschäftigt hat wie Christoph Reuter. Er blieb, als viele schon weg waren aus Syrien und oder Afghanistan. Und kam immer wieder. Nicht nur reportierend, auch mit der scharfen Analyse der politischen Entwicklung, wo viele andere längst den Überblick verloren hatten. Auch in den Ländern, über die er berichtet, genießt er größten Respekt und wird für seine Kenntnis über die jeweiligen Kulturen sehr geschätzt.“

Seit Jahrzehnten berichtet Christoph Reuter für das Nachrichtenmagazin SPIEGEL aus den Krisenregionen der islamischen Welt. Seit 2011 liefert er vor allem Informationen aus und über Syrien, aber auch aus dem Irak und Afghanistan – und zuletzt aus der Ukraine. Christoph Reuter ist studierter Islamwissenschaftler und spricht fließend Arabisch.

Der nächste Werner Holzer-Preis wird Ende des Jahres 2023 verliehen. (FR)

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