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Mit dem Museum Frieder Burda setzte der Mäzen sich und der Kunst ein Denkmal.

Baden-Baden

Formen, Farben, Abstraktion: Zum Tode Frieder Burdas

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Die Kunstwelt trauert um einen großen Sammler und Mäzen: Frieder Burda, der eine der bedeutendsten Privatsammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst zusammentrug, starb in Baden-Baden.

Signalisierte der Kauf eines abstrakten Gemäldes von Lucio Fontana im Jahre 1968 so etwas wie die vorsichtige Opposition gegenüber den Eltern? Oder war es eine versteckte Botschaft an das deutsche Bürgertum, das seine Stellung nicht zuletzt dank seiner Gewinne aus der Nazizeit gefestigt hatte? Gedanken wie diese kamen ganz unwillkürlich auf, als der Tod des Verlegers und Kunstsammlers sowie Museumsgründers Frieder Burda am Montag bekannt wurde.

Frieder Burda wurde 1936 im badischen Gengenbach bei Freiburg geboren, wuchs als zweiter Sohn des Verlegerpaars Franz und Aenne Burda aber vor allem in Offenburg auf. Vater Franz hatte schon früh und eng mit den Nazis zusammengearbeitet und seinen Verlag später auch schamlos mit „arisierten“ Betrieben erweitert. Nach dem Krieg wurde seine Karriere trotzdem nur kurz unterbrochen. Zeitschriften wie die „Bunte“ und die von Aenne herausgegebene späteren Burda-Moden hatten prägenden Einfluss auf die westdeutschen Nachkriegsjahre. Schon die Eltern Frieders hatten wie viele wieder reich gewordene Bürgerliche deutsche Expressionisten gesammelt. Mit ihnen konnte man die Distanzierung von der Nazis und zu deren Verachtung der „entarteten Kunst“ ausdrücken.

Frieder Burda übernahm zwar die Begeisterung für starke Formen und Farben. Doch wandte er sich zunächst den Abstrakten zu, dem amerikanischen Informel und der Moderne Frankreichs und Italiens, später seinen Generationsgenossen um die „Jungen Wilden“ der achtziger Jahre. Das 2004 in Baden-Baden eröffnete Museum wurde so zu einem Denkmal eines durchaus eigenständigen, geradezu transatlantischen Geschmacks.

Frieder Burda übernahm übrigens die Baukosten für das vom amerikanischen Architekten Richard Meier entworfene Gebäude und garantierte auch die Betriebskosten. Damit unterschied er sich von so manchem anderen Privatsammler, der die Folgekosten seiner Leihgaben und Stiftungen gerne dem Staat anlastet. Auch darin zeigte sich seine bis heute etwa in den USA überaus lebendige, strikt bürgerliche Einstellung: Das selbst erarbeitete Vermögen muss auch der Gesellschaft dienstbar gemacht werden. Und sei es, um die Fehler der vorangegangenen Generationen nicht noch einmal zu machen.

Am Sonntag ist Frieder Burda im Alter von 83 Jahren im Kreis seiner Familie gestorben.

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