Vorwurf - Interessenkonflikt

Focus-Chef in der Kritik

Der scheidende Focus-Chefredakteur hat zwei Leidenschaften neben dem Journalismus: Theater und Bayern München. Im Falle des Prozesses gegen Franck Ribéry könnte ihm ein Interessenskonflikt vorgeworfen werden.

Von Helmut Markwort sind zwei Leidenschaften neben dem Journalismus bekannt. Der scheidende Chefredakteur des Magazins Focus liebt zum einen das Theater. Wann immer er Zeit hat, steht er selbst auf der Bühne, gerade erst im „Jedermann“ für das Volkstheater Frankfurt. Zum anderen ist Markwort Fan des FC Bayern München. Bei Heimspielen des FCB sieht man ihn auf der Tribüne sitzen und – im Falle eines Tores für die Münchener – selbstvergessen jubeln. Selber mitspielen kann er hier nicht mehr, immerhin hat er einen Posten Verwaltungsbeirat und Aufsichtsrat der Bayern.

In erster Linie ist Markwort aber immer noch Journalist: Erster Journalist im Hause Burda und bis Oktober Chef des Focus. Redakteure des Magazins haben, so berichtet es das Hamburger Abendblatt, nun einen Beitrag über den Bayern-Spieler Franck Ribéry recherchiert, dafür in Akten der französischen Justiz Einsicht genommen und einen Text dazu geschrieben. Dem Fußballer wird bekanntlich eine Affäre mit einer minderjährigen Prostituierten vorgeworfen. Die französische Justiz ermittelt.

Doch der Artikel durfte nicht erscheinen. Helmut Markwort habe sein Veto dagegen eingelegt, bestätigte Verlagssprecherin Cornelia Tiller. Innerhalb der Chefredaktion, der auch Uli Baur und Wolfram Weimer angehören, obliegt Markwort die Aufsicht über das Sportressort. Liegt hier also ein Interessenkonflikt des bekennenden Bayern-Fans vor?

Über Interna, wie der Frage, nach welchen Kriterien ein Stück ausgewählt werde, wollte die Sprecherin keine Auskunft geben. Auch Focus-Sportchef Marcus Efler wollte sich am Montag nicht zu dem Vorfall äußern.

Dafür meldete sich der Chefredakteur persönlich zu Wort. Der Frankfurter Rundschau sagte Markwort: „Nach den vielen Jahren als Chefredakteur des Focus empfinde ich es als Kränkung, mir so etwas (einen Intersessenkonflikt, die Red.) vorzuwerfen.“ Den Artikel über Franck Ribéry und dessen Affäre habe er „wegen seiner journalistischen Schwächen nicht zum Druck freigegeben“. Seine Mitgliedschaft in den Gremien des FC Bayern München betrachte er als Hobby.

Den Bayern wird es dennoch nicht ganz unrecht sein, wenn um die Eskapaden ihres Starfußballers ein wenig Ruhe herrscht. Besonders jetzt, da er sich offenbar wieder daranmacht, Schlagzeilen auf dem Platz zu produzieren und nicht daneben. ddp/mi./usi

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