Trainer Hansi Flick vom FC Bayern München
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Nicht einmal Fußballpokal und Fußballkrone in Europa reichten ihm, und deswegen wollte er nicht König sein oder Kaiser oder Lokomotivführer – er deutete an, den Meistertitel schlechthin führen zu wollen: Philosoph!

Times Mager

Filosof Flick

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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Die Philosophie zieht immer größere Kreise. Sie ist aus dem Leben überhaupt nicht mehr wegzudenken.

Selbstverständlich könnte man auf den Gedanken kommen, das, worum es hier geht, sei kompliziert. Doch zunächst: So sagt man es sich ja nicht, während man vor sich hin denkt. So, im Kopf, denkt man nicht, nicht in der indirekten Rede, mit Konjunktiv I. Deshalb sagt man sich ganz direkt: Philosophie, da wird’s kompliziert. Oder sagen Sie es etwa nicht so? Und daraufhin Sie: Sie sagen es. Ich jetzt: Dann sind wir uns also einig.

Man spricht mit sich im Indikativ, jedenfalls in aller Regel, auch wenn man auf größere Herausforderungen, sobald es also kompliziert wird, durchaus mit rhetorischen Fragen reagiert: Darf dass denn wahr sein? Haare raufen, kratzen am Kopf. Weil er in solchen Fällen (Krisensituationen) dafür da ist?

Keine Frage, der Kopf ist nun mal dabei, sobald etwas kompliziert wird. Man sagt es sich nicht nur, man glaubt es auch, weil man denkt, dass es so sei. Führt also das Komplizierte doch unmittelbar zum Konjunktiv? Insofern das Komplizierte nicht nur subjektiv so wahrgenommen wird, sondern objektiv wirklich so ist?

Ein Philosoph fände das übrigens ein treffliches Beispiel für die Differenz von Subjekt und Objekt, und inwieweit ein Subjekt nicht zu denken ist, ohne dass es sich auch zu einem Objekt macht. Ich, ich, ich - nix da, ein Subjekt muss neben sich treten und sich als Objekt wahrnehmen können, um etwas über sich selbst in Erfahrung zu bringen. Das ist so etwas wie eine Standardsituation.

Was das Verhältnis von Subjekt und Objekt angeht, macht es sich die Philosophie nicht einfach, deswegen ist es auffällig, wenn es heute immer mehr Disziplinen der Philosophie gibt, die es uns puppig leicht machen, sich ihrer selbstherrlich zu bedienen, angefangen mit der Firmenphilosophie. Oder ich sage mal: Auch der Frisör muss sich keinen Kopf machen, wenn er dem Kunden seine Philosophie des Haaresschneidens ins Ohr flüstert. Und ich füge gerne hinzu: nicht wie der letzte Schrei – wie Balsam, säuselnd. Ja, das tut gut, ist recht so!

Bei allem nicht zu vergessen die Fußballfilosofie. Mittlerweile eine rhetorische Standardsituation und soeben erst wieder aufgeboten, als der Trainer des FC Bayern München von seiner „Philosophie“ und der seiner Mannschaft sprach. Der Championsleague-Sieger H. Flick wollte auf etwas ganz Besonderes hinaus, auf etwas noch Höheres als den Triumph im Finale. Nicht einmal Fußballpokal und Fußballkrone in Europa reichten ihm, und deswegen wollte er nicht König sein oder Kaiser oder Lokomotivführer – er deutete an, den Meistertitel schlechthin führen zu wollen: Philosoph! Das dürfte aber kompliziert werden, subjektiv und objektiv.

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