Berlin

Festhalten an alten Vorhaben

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Die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung präsentiert ein neues Konzept für eine künftige Dauerausstellung.

D as Völkerrecht und die Menschenrechte werden auf eine Insel ausgelagert. Die sogenannten „Themeninseln“ gehören zu den museumsdidaktischen Attraktionen des am Dienstag von der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung veröffentlichten Konzeptes (siehe auf: sfvv.de) für eine künftige Dauerausstellung im Deutschlandhaus in Berlin-Kreuzberg. Das präsentiert sich seit geraumer Zeit als eine von grauen Stellwänden abgeschirmte Baustelle, hinter denen sich eines der umstrittensten kulturpolitischen Vorhaben der letzten Jahre verbirgt. Ein sichtbares Zeichen sollte es werden, so hatte es die Koalition aus CDU/CSU und SPD 2005 vage in ihren Koalitionsvertrag geschrieben, nachdem sich zuvor insbesondere der Bund der Vertriebenen (BdV) dafür stark gemacht hatte, dass endlich auch an das Schicksal der deutschen Vertriebenen angemessen erinnert werde.

Was folgte, war eine erbittert geführte Debatte, bei der es weniger um die Legitimität einer symbolisch-repräsentativen Ausstellung ging, sondern vielmehr um politische Deutungshoheit und Gremienproporz.

In ihrer Funktion als BdV-Vorsitzende hat Erika Steinbach über ihre CDU hinaus Bündnisse geschmiedet, um schließlich die Gründung der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung durchzusetzen. Das Misstrauen gegen ein Steinbach-Museum war groß, erhebliche Vorbehalte kamen vor allem aus Polen und Tschechien, namhafte Wissenschaftler traten von ihren Beraterposten zurück.

Die Vorgeschichte der Ausstellung ist reich an Irrungen und Wirrungen, ihre hartnäckige Verfechterin Erika Steinbach hat die CDU wegen der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel inzwischen verbittert verlassen. Umso überraschender kommt nun ein Konzept auf die Tagesordnung, das an alten Vorgaben festhält, vor allem die Vertreibung der Deutschen vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg darzustellen. Auf lediglich 600 Quadratmetern im ersten Obergeschoss des neuen Hauses soll „Das Jahrhundert der Flüchtlinge – Zwangsmigrationen in Europa“ in den Blick genommen werden, die Vertreibung der Deutschen wird weiter im Mittelpunkt stehen. Man wird das nicht vor 2018 fertiggestellte Ergebnis abwarten müssen. Das nun präsentierte Konzept aber erweckt den Anschein, als ginge es vor allem darum, das lange vernachlässigte Leid der Deutschen zu historisieren. Mit Blick auf die akute Migrationsdebatte erscheint das schon jetzt seltsam verkürzend und selbstreferenziell.

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