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Lese- und Hörstoff für den Strand gefällig? Wir habe da ein paar Vorschläge.

Ferienzeit

Bücher, Musik, Filme: Die Sommerferien-Tipps der FR-Feuilleton-Redaktion

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  • Thomas Stillbauer
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Wenn man lang genug aufs Meer geschaut hat, steckt man seine Nase auch gern mal in ein gutes Buch oder hört feine Musik. Wir hätten da einige Tipps für Sie - zum Lesen, Lauschen und Anschauen. 

Unsere Autorinnen und Autoren haben für Sie gelesen, gelauscht, geschaut und empfehlen Bücher, Musik und Filme: Die Sommertipps aus der Feuilleton-Redaktion der Frankfurter Rundschau. 

Die Genialischen
Originalversionen im engeren Sinne sind eigentlich nur die Erstveröffentlichungen einer Komposition. Aber was kann man machen, wenn Prince die genialischen Uraufnahmen von „Manic Monday“ oder „Nothing Compares 2 U“ zu Lebzeiten nie hergab? Daniel Kothenschulte

Prince: Originals. 2 LPs oder 1 CD. Warner Bros, ca. 30 / 18 Euro.

Das Unvermeidliche 
Der Vergleich mit dem Buena Vista Social Club ist ebenso naheliegend wie unvermeidlich: Die Super Group von vier Wegbereitern des Reggae aus den sechziger Jahren, Ken Boothe, Cedric Myton, Winston McAnuff und Kiddus I, dürfte diesen Sommer lange überdauern. Daniel Kothenschulte

Inna de Yard: Inna de Yard. LP oder CD. Chapter Two/Indigo, ca. 21 / 13 Euro.

Das Goldene 
Es ist nicht alles Gold, was derzeit an Internet-Serien glänzt, aber David Lynchs eigenhändig inszenierte Rückkehr nach Twin Peaks wird die Zeiten überdauern: Der bedeutendste surrealistische Film seit Luis Buñuel. Daniel Kothenschulte

David Lynch: Twin Peaks. A Limited Event Series. 10 DVDs. Paramount, ca. 28 Euro.

Die Aufregendsten 
Für Hollywood-Fans ist es die Ära der letzten Entdeckungen: Die frühe Tonfilmzeit, als die Filmzensur noch beide Augen zudrückte. Mark A. Vieira ist nicht nur einer der besten Kenner, er besitzt auch die aufregendsten Fotos, die diesen Bildband ausgesprochen sexy machen. Daniel Kothenschulte

Mark A. Vieira: Forbidden Hollywood: The Pre-Code Era (1930-1934). Running Press Adult. 256 S., ca. 30 Euro. 

Keine und keiner 
... ist, die sie/der er scheint in Kate Atkinsons schwarzhumorigem, dennoch schwergewichtigem britischem Sittengemälde und Spionageroman. „Wenn Sie ein Lüge erzählen, erzählen Sie eine gute“, lernt Miss Armstrong – ein Naturtalent in Sachen Verstellung und dem Erraten von vernuschelten Wörtern. Julia, übernehmen Sie! Silvia Staude

Kate Atkinson: Deckname Flamingo. Roman. A. d. Engl. v. Anette Grube. Droemer. 336 S., 19,99 Euro.

Keine die Damen 
... beeindruckenden Beine hatte der Dichter William Wordsworth, doch sie trugen ihn weit. Von berühmten Wanderern, sagenhaften Zielen, der munteren Verfertigung von Gedanken beim Gehen berichtet die Kulturhistorikerin Rebecca Solnit. Die Technik ist leider bedroht, lesen Sie also nicht nur darüber, machen Sie sich auch mal wieder selbst auf die Beine! Silvia Staude

Rebecca Solnit: Wanderlust. Eine Geschichte des Gehens. A. d. Engl. v. Daniel Fastner. Matthes & Seitz. 380 S., 30 Euro.

Keine, an die sich 
... heute noch irgendwer erinnert, ist in Liza Codys jüngstem Krimi das (fiktive) One-Hit-Wonder und Mordopfer Elly Astoria. Aber dann packt ihr berühmter Song das Herz der verkrachten Schriftstellerin Amy. Und die nachforschende Amy packt das Herz der Leserin. Jetzt müsste nur noch jemand die CD zum Krimi herausbringen! Silvia Staude

Liza Cody: Ballade einer vergessenen Toten. Roman. A. d. Engl. v. Martin Grundmann. Argument Verlag. 416 S., 22 Euro. 

Keine, die man 
... überhören sollte, zudem eine, die mit ihrem Debüt den hinterlistigen Sound zu Codys Krimi liefern kann, ist die Australierin Stella Donnelly. Eine Mädchenstimme singt ohne mit der Wimper zu zucken von Belästigern, Vergewaltigern. Und droht den Boys, die übergriffige Boys sind: „Wie ein Rasenmäher am Morgen / werde ich dir keine Ruhe lassen“. Gib’s ihnen, Stella! Silvia Staude

Stella Donnelly: Beware of the Dogs. Secretly Canadian / Cargo, ca. 13 Euro.

Unsagbar 
Er gehört zu den Überlebenden des Attentats auf die Redaktion der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“. Über siebzehn Operationen kämpft sich der schwer im Gesicht verletzte Autor Philippe Lançon ins Leben zurück und reflektiert in einem eindringlichen Text nicht nur diesen Prozess, sondern auch die Vergangenheit. Fulminant. Claus-Jürgen Göpfert

Philippe Lançon: Der Fetzen. Roman. A. d. Franz. v. Nicola Denis. Tropen Verlag. 551 S., 25 Euro.

Unerhört 
Er bleibt bis heute eine mythische Figur des modernen Jazz: Der Multi-Instrumentalist Eric Dolphy. In nur fünf Jahren, von 1959 bis zu seinem frühen, rätselhaften Tod 1964, wurde der US-Amerikaner mit Alt-Saxofon, Klarinette und Flöte ein einflussreicher Ideengeber für viele andere. Hier eines seiner schönsten Konzerte, 1961 in Kopenhagen. Famos. Claus-Jürgen Göpfert

Eric Dolphy: In Europe. CD. Essential Jazz  Classics, ca. 10 Euro.

Unsichtbar 
Wie das ist, wenn man nicht wahrgenommen, gedemütigt, ausgegrenzt wird, das schildert Ralph Ellison, einer der großen afro-amerikanischen Erzähler. Eine fast 700 Seiten umfassende Odyssee durch die gespaltene US-Gesellschaft der 40er und 50er Jahre. Ein wieder aufgelegtes Buch, das leider immer noch aktuell ist. Finster. Claus-Jürgen Göpfert

Ralph Ellison: Der unsichtbare Mann. Roman. A. d. Engl. v. Georg Goyert/Hans-Christian Oeser. Aufbau Verlag. 680 S., 28 Euro. 

Unvergessen 
Endlich eine Wiederbegegnung, denn das klassische Roadmovie von Wim Wenders aus dem Jahre 1976 ist digital restauriert worden. „Im Laufe der Zeit“ ist genau das Richtige für die heißen Sommermonate. Eine epische Reise durch ein untergegangenes Land: Die Bundesrepublik dreizehn Jahre vor der Wiedervereinigung. Fabelhaft. Claus-Jürgen Göpfert

Wim Wenders: Im Laufe der Zeit. DVD. Arthaus, ca. 9,90 Euro. 

Von daher 
Weil das Jahr im Prinzip nicht enden sollte, ohne dass möglichst jeder Mann und jede Frau Sibylle Bergs Die-Zukunft-ist-in-ein-paar-Jahren-Roman „GRM“ gelesen hat, der tief in die uns vertraute Welt verwickelt ist, die höchste Aufmerksamkeitsstufe fordert und dies mit höchstem Unterhaltungsniveau belohnt, ist die Gelegenheit doch günstig, wenn man jetzt Ferien hat. Sibylle Berg: GRM. Brainfuck. Roman. Kiepenheuer & Witsch. 640 S., 25 Euro. Judith von Sternburg

Von mir aus 
An den spät für den deutschen Markt entdeckten Büchern von Annie Ernaux führt kein Weg vorbei. Die Geschichte ihrer Eltern, so genannter einfacher Leute, ist so messerscharf geschrieben, dass die rigorose Subjektivität sich zu gleißender Allgemeingültigkeit wandelt. Das füllt zig Sozialstudien mit Leben, mit unter hundert Seiten. Judith von Sternburg

Annie Ernaux: Der Platz. A. d. Franz. v. Sonja Finck. Suhrkamp. 94 S., 18 Euro.

Von ihr aus
Michael Roes schickt eine außerordentliche Titelheldin durch einen uferlosen Roman und ein brutales, sich aber auch von ungewohnten Seiten zeigendes 20. Jahrhundert. Herida Duro ist im ersten Teil ihres Lebens eine albanische virgjinesha, was sie zur idealen Beobachterin macht. Damit fängt es an, damit hört es aber noch lang nicht auf. Judith von Sternburg

Michael Roes: Herida Duro. Roman. Schöffling & Co..584 S., 28 Euro.

Von hier aus 
Nicht nur Lampedusa, Djerba und Kythera, sondern 42 kleine Mittelmeer-Inseln beschreibt Simone Perotti in diesem mit schönen Karten und stimmungsvollen, verblüffenden, auch schlimmen Geschichten versehenen Werk. Er war vor Ort. Wer ungern reist, kann nun getrost zu Hause bleiben. Garantiert ohne Restaurant-Tipps. Simone Perotti: Atlas der  Mittelmeerinseln. A. d. Italien. v. Julika Brandestini. Wagenbach. 144 S., 34 Euro.Judith von Sternburg


Neunzig 
Viele Filme dauern ein bisschen länger als 90 Minuten. Das Ereignis, um das es hier geht, ebenfalls. Wie eine verschworene Eintracht gegen Goliath und auch gegen jede Wahrscheinlichkeit nach 30 Jahren wieder den DFB-Pokal nach Frankfurt holte und was danach passierte, Bruda, das erzählt dieser Film mit Pathos, aber auch mit viel Witz. Eintracht Frankfurt: Die Rückkehr des Pokals. Der Film. DVD oder Blu-ray, ca. 15 / 17 Euro. Thomas Stillbauer


Sechsundneunzig
Dieses Buch ist, zugegeben, schon ein Jahr alt. Es ist aber eines jener gutmütigen Bücher, die uns erlauben, sie trotzdem noch zu lesen. Zum Glück, denn die erst kürzlich 96-jährig verstorbene Autorin lässt die Lesenden so viel lernen über Flucht, Leben, Weiterleben und die Geschöpfe, die dabei helfen, besonders wenn sie hungrige Tiger sind oder rosa Kaninchen. Judith Kerr: Geschöpfe. Mein Leben und Werk. A. d. Engl. v. Ute Wegmann. Edition Memoria. 176 S., 36 Euro. Thomas Stillbauer


Sechzig 
Was tut die berufstätige Frau, die ein ganz besonderes Talent hat? Sie gibt ihr Bestes, schaut, was die Branchenkolleginnen machen, bildet sich weiter, bleibt sich selbst treu und überrascht dabei auch gern die Kundschaft. Genau das tut Madonna seit 35 Jahren, und es gibt wirklich keinen vernünftigen Grund, es mit 60 sein zu lassen. Madonna: Madame X. CD oder LP. Universal Music, ca. 13 / 29 Euro. Thomas Stillbauer


Siebzehn 
Schon mit 15 schrieb sie verhexte Songs, die als Sensation weitergetuschelt wurden. Später veröffentlichte sie faszinierende Video-Versionen ihrer Lieder, doch wenn ihr Name für hessische Ohren auch vom Gegenteil zeugt, bewies Billie Eilish mit dem ersten Album Geduld. Jetzt, mit 17, hat sie es fertig. Es ist tief, streckenweise rhythmisch und bricht Spotify-Rekorde. Billie Eilish: When We All Fall Asleep, Where Do We Go? CD oder LP. Interscope, ca. 15/22 Euro. Thomas Stillbauer



Höllisch 
De Carlo tut wieder das, was er so perfekt kann und was nie langweilig wird: Er betritt mit uns die psychischen Höllengründe seiner gutbürgerlichen Protagonisten, und uns wird dabei fast ebenso heiß wie ihnen. Wir lernen dabei manchmal mehr über uns Wohlstands-Wracks, als uns lieb ist, aber wir tun genau das wie Süchtige. Andrea De Carlo: Das wilde Herz. Roman. A. d. Ital. v. Petra Kaiser/Maja Pflug. Diogenes Verlag. 464 S., 16 Euro. Stephan Hebel


Künstlich 
McEwan hat sich an die Künstliche Intelligenz gewagt, und kaum hat er damit angefangen, verschwimmen auch schon wieder die Grenzen: zwischen Mensch und Roboter, Zukunft und Vergangenheit, Berechnung und emotionaler Explosion. Wahrscheinlich stimmt, was McEwan schreibt: So etwas kann kein Roboter. Noch. Ian McEwan: Maschinen wie ich. Roman. A. d. Engl. v. Bernhard Robben. Diogenes Verlag, 416 S., 21,99 Euro.  Stephan Hebel


Narrisch 
Für Freunde abseitiger Geschichten ist die Zeitschrift „Dummy“ eh alle drei Monate einen Kauf wert, aber diesmal setzen die Macher ihr noch eine Kaiserkrone auf: Nach Straches Ibiza-Video war das Motto „Österreich“ überfällig. Wer glaubt, es ginge nicht noch bizarrer, lese den Text über das Double von Schlagerfuzzi Andreas Gabalier. Wahnsinn! Oliver Gehrs / Natascha Rohani (Hg.): Dummy: Österreich Heft 02/2019. 114 S., 7 Euro. Stephan Hebel


Kämpferisch 
Im Radio hatten sie die Aufnahme vorgestellt und den Schluss der „Neunten“ gespielt. Auf dem Weg zu „Freude schöner Götterfunken“ zaubert das Orchester einen Beethoven herbei, der so mutig und ermutigend klingt, dass man gleich zur Anti-Nazi-Demo laufen möchte. Und die Ode an die Freude belohnt mit großem Erlösungston. Hören! Danish Chamber Orch./A. Fischer: Ludwig van Beethoven. Complete Symphonies. 5 CDs. Naxos, ca. 40 Euro.  Stephan Hebel


Zeitenwende 
Das Langzeitgedächtnis ist auf 1918 oder 1945 fixiert – welthistorische Zäsuren. Dass die Welt von heute 1979 begann, trägt Frank Bösch zusammen. Im Iran brach die Revolution aus, die UdSSR marschierte in Afghanistan ein, und China wurde für den Westen zu einem Wirtschaftspartner. „Zeitenwende“ - ein eher unspektakulärer Titel. Frank Bösch: Zeitenwende 1979. Als die Welt von heute begann. C.H. Beck. 512 S., 28 Euro.  Christian Thomas


Übergangszeit 
Das bundesdeutsche Gedächtnis, soeben mit 68 voll und ganz beschäftigt, verliert die Nachkriegszeit aus den Augen. Dass die alles andere als behäbigen Jahre von 1945 bis 1955 einer neuerlichen Vergegenwärtigung bedurften, macht Harald Jähner plausibel. Seine Mentalitätsgeschichte ist ein Angebot, die Erinnerung an Nachkrieg und Neubeginn nicht fahren zu lassen. Harald Jähner: Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945 – 1955. Rowohlt Berlin. 476 S., 26 Euro. Christian Thomas


Zwischenzeit 
Zum Abschied vom 20. Jahrhundert gehört die Aufkündigung der säkularen Heilsversprechen, mit Herdentrieb und Hordenaufkommen. Man muss den Enthusiasmus des Literaturnobelpreisträgers für Wirtschaftsliberalismus und Freihandel nicht teilen – aber seinen Respekt vor den Errungenschaften einer offenen Gesellschaft. Mario Vargas Llosa: Der Ruf der Horde. Eine intellektuelle Biografie. A. d. Sp. v. Thomas Brovot. Suhrkamp. 314 S., 24 Euro. Christian Thomas


Umbruchzeit 
Zum Anbruch der Zukunft, die auf uns zukommt, ohne dass ein Mensch genau weiß, wie sie aussehen wird, gehören Sehnsüchte nach der Vergangenheit. Das steigert die Ungewissheit und Ungeduld. Wir leben in „Nervösen Zeiten“, wie Davies schreibt, da verantwortungslose Populisten weltweit aufputschende Emotionen gegen ernsthafte Argumente in Stellung bringen. William Davies: Nervöse Zeiten. Wie Emotionen Argumente ablösen. A. d. Engl. v. E. Heinemann / U. Schäfer. Piper. 382 S. 24 Euro. Christian Thomas


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