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Lisa Ortgies: Sie moderierte zwölf Jahre lang die WDR-Sendung "Frau TV", gab 2008 ein kurzes Gastspiel bei "Emma" und kehrt nun zurück zum WDR.
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Lisa Ortgies: Sie moderierte zwölf Jahre lang die WDR-Sendung "Frau TV", gab 2008 ein kurzes Gastspiel bei "Emma" und kehrt nun zurück zum WDR.

Frau TV

"Dem Feminismus fehlt Sexappeal"

Lisa Ortgies war 2008 für zwei Monate Chefredakteurin der Frauenzeitschrift "Emma". Der Frankfurter Rundschau erzählt sie jetzt, wie es ist, zurück zum WDR zu gehen.

Frau Ortgies, mit welcher Gemütsverfassung tritt man die Nachfolge der eigenen Nachfolgerin an?

Das mag ein wenig kurios sein, aber für mich ist es wie eine Art Heimkehr. Ich hätte die Moderation von "frau TV" ja auch damals gern weitergemacht, aber da hatte der WDR Bedenken, die ich auch verstehen kann.

Und wie findet Angela Maas ihre Rückkehr?

Da müssen Sie sie selbst fragen. Aber sie wird künftig regelmäßig als Reporterin Beiträge für frau TV machen und damit eine Farbe in das Magazin einbringen, die es bisher nicht gab.

Wie kam es zur neuerlichen Zusammenarbeit? Hat die Redaktion Sie gebeten oder haben Sie ihr Interesse signalisiert?

Ich war elf Jahre bei frau TV, und in dieser Zeit sind natürlich enge Bindungen und Freundschaften entstanden. Darum ist der Kontakt auch während meiner Auszeit nie abgerissen.

Mit ihrem Kurzgastspiel bei Emma haben sie im vergangenen Jahr für mehr Aufmerksamkeit gesorgt als in all den Jahren davor. Wie sind Sie damit umgegangen?

Ich habe mich erst einmal zurückgezogen und mit der Arbeit an einem Buch begonnen, das im Herbst erscheinen wird.

Worum geht es darin?

Das liegt bei mir ja auf der Hand.

Um die Beziehung zwischen Männern und Frauen?

Genau. Und um all das, was im Alltag so alles dazwischen gerät.

Auf der Homepage von frau TV listen Sie in der Rubrik "Frauen, die mich beeindrucken" noch immer Alice Schwarzer auf...

Ich habe ja lange Zeit für Emma geschrieben, und natürlich haben wir uns auch gut verstanden, sonst hätte es das Angebot von ihrer Seite wohl kaum gegeben?

Kommt sie noch auf die Liste?

Ich würde es heute so formulieren: Unabhängig von ihrer Person bin ich von ihrem Lebenswerk nach wie vor beeindruckt.

Können Sie sich vorstellen, in absehbarer Zeit wieder für Emma zu schreiben?

Nein.

Rückblickend bleibt da das Rätsel, warum Ihre Differenzen mit Frau Schwarzer nicht offenkundig wurden, bevor Sie den Job als Chefredakteurin bei EMMA angetreten haben. Schließlich kannten sie sich doch geraume Zeit.

Es ist etwas anderes, für ein Magazin als Kolumnistin zu arbeiten oder auf Augenhöhe mit einer Frau zusammenzuarbeiten, die das Blatt nach wie vor als ihr Baby betrachtet. Es gab in diesem Zusammenhang eine Bemerkung von TAZ-Chefredakteurin Bascha Mika, die gesagt hat, man habe in der Zusammenarbeit mit Alice Schwarzer nur die Wahl zwischen Unterwerfung und Distanz. Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Laut Alice Schwarzer ist die Zusammenarbeit auch daran gescheitert, dass Sie Job und Familie nicht unter einen Hut bekommen haben. Ist das nicht eine höchst seltsame Pointe?

Daran hat es bei mir gewiss nicht gehapert. Ich bin da bestens organisiert. Ansonsten stimme ich Ihnen zu: Für ein Blatt, das ja eher für die Vereinbarkeit von Familie und Karriere kämpft, ist das Argument nicht ohne Pikanterie.

Sie haben gesagt, dem deutschen Feminismus fehle es an Humor und Sex-Appeal. Könnten wir das konkreter haben?

Mit mangelndem Sex-Appeal meine ich vor allem die Tatsache, dass der Feminismus seine Erfolge in Sachen Gleichstellung, die ja inzwischen in Gesetze eingeflossen sind, zu schlecht verkauft. Während in anderen Ländern prominente Vertreterinnen hohe Ämter innehaben und große Popularität genießen, ist der Feminismus in Deutschland nie aus seiner Nische heraus gekommen.

Wir haben doch Ursula von der Leyen, Ulla Schmidt und Angela Merkel?

Richtig. Trotzdem kann man ja nicht behaupten, dass sie als bekennende Feministinnen an den Start gegangen sind, oder? Ist ja auch egal, Hauptsache, sie machen Politik im Sinne der Frauen. Aber ich meinte damit eher, dass die Französinnen im Pariser Kabinett beispielsweise sehr viel weniger Scheu vor der Bezeichnung haben. Ebenso wenig wie manche Männer in der skandinavischen Politik übrigens. Die sind stolz, wenn sie als Feminist gelten.

Immerhin hat sich doch einiges getan. Anke Schäferkordt leitet RTL und mit Monika Piel und Dagmar Reim leistet sich die ARD zwei Intendantinnen.

Das ist erfreulich, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Frauen auf der Leitungsebene der Sender nach wie vor völlig unterrepräsentiert sind.

frau TV zeichnet sich durch eine große Bandbreite an Themen aus, die sich zwischen Feminismus und Wellness bewegt. Fehlt es da nicht an Trennschärfe zu anderen TV-Formaten?

Keineswegs. Frauen sind nun mal nicht eindimensional und interessieren sich genau für dieses Themenspektrum. Aber wenn wir einen Beitrag über Mode machen, huldigen wir ja nicht dem landläufigen Schönheitsideal mit seinen Stereotypen, sondern geben beispielsweise Kleidungstipps für Mollige.

Wie viele Männer lassen sich vor den Bildschirm locken?

Zunehmend mehr. Inzwischen sind die frau TV-Fans zu dreißig Prozent männlich. Aber schließlich betreffen Fragen der Beziehung und des Zusammenlebens ja nicht nur Frauen. Hinzu kommt, dass Männer solche Themen nach wie vor ungern mit ihren Partnerinnen diskutieren, sondern sich lieber aus anderen Quellen wie Internet, Zeitschriften oder eben frau TV informieren.

Aber in die Redaktion der Sendung hat noch kein Mann Einzug gehalten?

Das nicht, aber wir haben viele freie männliche Mitarbeiter. Und prinzipiell ist da, soweit ich weiß, auch die Redaktion durchaus offen. Bei uns geht es nicht nach Chromosomen.

Interview: Reinhard Lüke

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