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Platte du jour

Feine Pinsel

  • vonStefan Schickhaus
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Frank Peter Zimmermann und Martin Helmchen finden nicht nur zusammen, sondern auch zu Beethoven.

Was braucht ein Geiger? Einen passenden Partner am Klavier – und eine passende Geige. An beiden Komponenten mangelte es dem 55-jährigen Frank Peter Zimmermann für etliche Jahre: Seine Stradivari kam ihm abhanden, weil es eben nicht seine war, sondern ihm von einer Bank zur Verfügung gestellt wurde. Als diese in Schieflage geriet und alle Wertgegenstände abstoßen wollte, musste Zimmermann das Sieben-Millionen-Instrument zurückgeben („als hätte man mir die Stimmbänder herausgenommen“). Letztlich sprang das Land Nordrhein-Westfalen als Käufer ein, Zimmermann darf wieder auf der „Lady Inchiquin“ musizieren. Ebenso klärte sich die Pianistenfrage glücklich: Frank Peter Zimmermann, höchst skrupulös und anspruchsvoll bei diesem Thema, fand 2018 Martin Helmchen, einen Partner auf Augenhöhe. Und diese Höhe ist eine erhebliche.

Wie gut die beiden zusammenpassen, zeigt die erste CD der geplanten Gesamtaufnahme aller Beethoven-Violinsonaten mit den Sonaten 1 bis 4. Beide Musiker haben den gleichen Drang nach vorne, ohne dass ihr Spiel gehetzt wirkt, beide haben einen Sinn für delikat-unprätentiöse Satzschlüsse, man höre nur das Sich-Auflösen des Kopfsatzes der A-Dur-Sonate oder des Finales der a-Moll-Sonate. Zimmermann zeichnet mit seiner Stradivari wie mit einem feinen Pinsel, konturstark, geistreich, attackierend – und Helmchen hält sich keinesfalls zurück, er ist überaus präsent und pointiert, in den frühen Sonaten gibt ja das Klavier oft genug die Linie vor. Im Grunde bietet diese Aufnahme die exakte Umkehrung und Zurechtrückung all dessen, was die gut 20 Jahre alte Einspielung Anne-Sophie Mutters und ihres Schattenmanns Lambert Orkis so unangenehm macht.

Nicht nur die Stradivari ist ein Hinhörer, auch der Flügel, auf dem Helmchen hier spielt: Er stammt aus der Fabrik von Chris Maene und sieht aus wie ein gängiger moderner Konzertflügel, trägt aber Konstruktionsmerkmale des 19. Jahrhunderts in sich. Das Ergebnis: Verschiedene Oktaven haben verschiedene Klangcharaktere, nicht der harmonische Mischklang ist hier das Ideal, sondern Individualität. Dem Beethoven-Dialog bekommt das gut, die „Lady“ verdient das reizvolle Gegengewicht.

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