Reichlich bunt sieht die Facebook-Europazentrale in Dublin aus.
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Reichlich bunt sieht die Facebook-Europazentrale in Dublin aus.

Facebook Geschäftszahlen

Facebook übertrifft sich selbst

  • vonSebastian Wolff
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Vor kurzem liefen Facebook die Jugendlichen noch davon. Es sah nicht gut aus für das soziale Netzwerk. Doch dank einer klugen Strategie steht Facebook heute so gut da wie nie. Die jüngsten Geschäftszahlen strotzen vor Superlativen. Eine Analyse.

Vor einigen Monaten zeigte der Daumen eindeutig nach unten: Facebook befinde sich  auf dem absteigenden Ast, befanden Analysten. Das 2004 gegründete soziale Netzwerk sei bereits an seine Grenzen gestoßen.  Facebook selbst musste einräumen, dass  die Zahl täglicher Nutzer unter jungen Teenagern nachgelassen habe. Andere soziale Netzwerke wie  Twitter, Tumblr, WhatsApp oder Snapchat meldeten einen hohen Zulauf. Sie schienen bei den Jugendlichen plötzlich angesagter zu sein – vielleicht auch deshalb, weil sich auf Facebook inzwischen auch immer mehr Eltern tummelten, die herauskriegen wollten, was der Nachwuchs dort so treibt.

Doch Facebook ist zurück – und wie!  Am späten Mittwochabend  präsentierte das Unternehmen seine Jahreszahlen. Und die strotzen  dank eines herausragenden vierten Quartals vor Superlativen: Zwischen Oktober und Dezember 2013 konnte der Konzern seinen Umsatz um fast zwei Drittel auf 2,6 Milliarden Dollar steigern. Der Nettogewinn explodierte von 64 Millionen auf 523 Millionen Dollar. Im Gesamtjahr  kam Facebook auf einen Umsatz von 7,9 Milliarden Dollar und auf einen Gewinn von 1,5 Milliarden Dollar.

Auch die Zahl der Nutzer erreichte neue Dimensionen: Sie ist innerhalb eines Jahres um 16 Prozent gestiegen und  liegt mittlerweile bei gut 1,2 Milliarden. Im Klartext: Ein Sechstel der Weltbevölkerung, Säuglinge und Greise inbegriffen, ist inzwischen bei Facebook. Und es ist keinesfalls so, dass darunter viele Dateileichen wären.  Im Gegenteil: 750 Millionen Menschen gehen inzwischen sogar jeden Tag auf die Facebook-Seite. Das entspricht einem Anteil von rund 63 Prozent aller Nutzer. Daumen wieder hoch!

Besonders gut läuft es für Facebook im Werbegeschäft für Smartphones und Tablets.  Es macht inzwischen mehr als die Hälfte (53 Prozent) der gesamten Werbeeinnahmen aus, die sich auf gut 2,3 Milliarden Dollar summieren.    Dabei hatte es große Zweifel gegeben, ob die kleinen Smartphone- und Tabletbildschirme geeignet sein würden, um die Nutzer auch dort bei der Stange zu halten. Befürchtet wurde deshalb eine Abwanderungswelle der Werbewirtschaft.  Doch das Gegenteil trat ein: Unternehmensgründer Mark Zuckerberg nahm viel Geld in die Hand, um die Facebook-Seiten auch den Mini-Bildschirmen der mobilen Geräte nutzerfreundlich zu gestalten.

Qualität hat Vorrang vor Quantität

Zwar verringerte sich 2013 das gesamte Werbeaufkommen auf Facebook um acht Prozent. Doch zugleich schoss der durchschnittliche Preis pro Werbeanzeige um 92 Prozent in die Höhe: Zuckerbergs Strategie, der Qualität Vorrang vor der Quantität einzuräumen, scheint voll aufzugehen. Und er ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus.  Mit einer Reihe von Neuerungen buhlt Facebook um die Gunst von immer mehr Nutzern. So investierte Zuckerberg er in eine Facebook-App für Android-Smartphones und kaufte für fast eine Milliarde Dollar den beliebten Foto-Dienst Instagram. Zuckerberg übertrieb denn auch sicherlich nicht mit seiner Bemerkung: „Es war ein großartiger Abschluss des Jahres für Facebook.“

Freuen können sich auch die Aktionäre: Nach Bekanntgabe der Zahlen schoss der Facebook-Aktienkurs um zwölf Prozent nach oben auf ein neues Rekordhoch. Wohl dem, der nach dem verpatzten Börsenstart im Jahr 2012  dem Unternehmen die Stange hielt. Allein seit vergangenem Juli hat sich der Aktienkurs mehr als verdoppelt.

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