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Big brother is watching you: Facebook versucht, so viele Daten wie möglich von seinen Nutzern zu sammeln.

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Was Facebook über seine Nutzer weiß

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Dass Facebook viele Daten seiner Nutzer sammelt, ist bekannt. Ein genauerer Blick in den Werbeanzeigenmanager von Facebook zeigt, wie viel das Unternehmen wirklich über seine Nutzer weiß.

Facebook sammelt möglichst viele Daten seiner Nutzer, um ihnen maßgeschneiderte Werbung anzuzeigen und dadurch mehr Geld zu verdienen. So kann man das Geschäftsmodell von Facebook vereinfacht in einem Satz zusammenfassen. Vielen Nutzern dürfte klar sein, dass das soziale Netzwerk Daten sammelt - immerhin ist das immer wieder ein Thema. Doch was genau weiß Facebook - jenseits von Seiten, die der Nutzer "geliked" und Freundschaften, die er bestätigt hat - über einen Nutzer? Das bleibt meist im Dunkeln.

Auch die Tatsache, dass Facebook nicht nur die eigenen Daten auswertet, sondern auch auf anderen Websites über Facebook-Plugins Daten sammelt und mit Unternehmen wie Acxiom, Datalogix, und Epsilon zusammenarbeitet, die ihrerseits Kundendaten sammeln und an Kunden weitergeben, wird gerne vergessen.

Die "Washington Post" hat nun anhand des Facebook-Werbeanzeigenmanagers analysiert, was das soziale Netzwerk über seine Nutzer weiß, beziehungsweise aus welchen Kategorien Werbetreibende auswählen können, wenn sie eine Zielgruppe für eine Werbeanzeige suchen. Die 98 Kategorien, die die Zeitung auflistet, zeigt, wie gut Facebook seine Nutzer wirklich kennt.

Neben grundlegenden Informationen (Wohnort, Alter, Generation, Geschlecht, Sprache), die der Nutzer Facebook in der Regel selbst mitgeteilt hat, finden sich in der Liste auch jede Menge überraschende Informationen: Der Werbetreibende kann filtern nach Nutzern, die "aktive Kreditkartennutzer" sind oder Guthaben auf ihrer Kreditkarte haben, Personen, die "häufig" Bier, Wein oder anderen Alkohol kaufen oder Nutzern, deren Haushalt "mehr als üblich" einkauft. Die gesamte, ins Deutsche übersetzte Liste findet man bei netzpolitik.org.

Wirft man einen Blick in den Werbeanzeigenmanager, bekommt man weitere Hinweise, woher Facebook seine Informationen bezieht. Zum Beispiel beim Thema Auto: Der Werbetreibende kann Nutzer danach auswählen, welche Automarke oder welchen Autotypen ("Dieselfahrzeug", "hohe Emissionswerte", "Premium Sportscar") sie "mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit" besitzen. Die Informationen dazu stammen von Acxiom, einem Unternehmen, das Daten über 500 Millionen Konsumenten besitzt, darunter 300 Millionen US-Amerikaner und 44 Millionen Deutsche, berichtete die "Zeit" 2013.

In den Kategorien "Kreditkarten-Besitz" oder "Immobilienfinanzierung" heißt es im Anzeigenmanager: "Zur Berechnung werden Angaben aus Umfragen mit mikrogeografischen Präzisionsdaten auf die Hausebene projiziert. Das Merkmal stellt eine statistisch generierte Schätzung dar." Andere Daten werden "auf Basis des amtlichen Mikrozensus und öffentlicher Verzeichnisse berechnet". Nutzer, die in die Kategorie "häufige Umzugswahrscheinlichkeit" einsortiert werden, leben laut Facebook beispielsweise "in einem Gebäude mit hoher Fluktuation".

Verhalten der Nutzer wird ausgewertet

Neben den grundlegenden Daten aus dem Facebook-Profil und Daten, die zugeliefert werden, zieht Facebook auch Rückschlüsse aus dem Verhalten der Nutzer. Dabei ist beispielsweise der Ort relevant, von dem aus Nutzer sich bei Facebook einloggen. Vom Standort schließt Facebook unter anderem darauf, ob ein Nutzer derzeit verreist ist, regelmäßig mehr als 300 Meilen pro Woche reist (Facebook interpretiert das als "Geschäftsreisenden") oder täglich zur Arbeit pendelt. Auch politische Kategorien ("konservativ", "liberal") gibt es. Facebook erkennt sie durch die Aktivitäten auf Facebook, die "voraussichtlich darauf hinweisen", dass der Nutzer "sich für konservative politische Inhalte interessieren könnte und diese teilen würde".

Doch nicht nur die eigenen Aktivitäten spielen eine Rolle: Auch Beziehungen zu anderen Facebook-Nutzern können für Werbetreibende interessant sein. So bekommen sie beispielsweise die Kategorien "Nutzer, die mit jemandem befreundet sind, der bald Geburtstag hat" und "Nutzer mit neuen Beziehungen" angezeigt. In der Kategorie "Eltern" werden die Nutzer unterteilt nach dem Alter ihrer Kinder: von "frischgebackene Eltern" über "Eltern mit Kleinkindern" bis hin zu "Eltern mit erwachsenen Kindern" und "werdende Eltern".

Die Datensammelwut von Facebook geht vielen Datenschützern zu weit. Auch Peter Eckersley von der US-amerikanischen Electronic Frontier Foundation (EFF), einer Nichtregierungsorganisation, die sich für Grundrechte im Informationszeitalter einsetzt, äußert sich gegenüber der "Washington Post" kritisch: "Das Geschäftsmodell von Facebook ist, möglichst viele Daten eines Nutzers zu sammeln und dann langsam Zugang zu ihnen zu gewähren." Wer Facebook nutze, vertraue der Firma Daten über alles an, was man tue. "Ich denke, Nutzer haben einen Grund, deshalb besorgt zu sein", erklärt Eckersley.

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