Der Spruch unter dem Kaktus nimmt Bezug auf eine Liedzeile der Comedian Harmonists.
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Der Spruch unter dem Kaktus nimmt Bezug auf eine Liedzeile der Comedian Harmonists.

Zensur

Facebook und Instagram löschen Bilder von Streetart-Künstlerin Barbara

  • Philipp Saul
    vonPhilipp Saul
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Sie setzt sich gegen Rechtsradikalismus und für Liebe ein. Eigentlich nicht verwerflich, aber trotzdem wurden einige Bilder der Aktivistin Barbara von Facebook und Instagram gelöscht.

Die Streetart-Künstlerin und Internetaktivistin Barbara. wird von Facebook und Instagram zensiert. In einer ausführlichen Mitteilung teilte sie am Sonntag mit, dass zahlreiche ihrer Beiträge gelöscht worden seien, weil sie angeblich gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen würden.

Unter dem Motto „Hass ist krass, Liebe ist krasser“ verschickt Barbara in den sozialen Medien kleine Sprüche und Botschaften, die sie in der wirklichen Welt an öffentlichen Orten anbringt. Mit ironischem Unterton tritt die anonyme Künstlerin in vielen Beiträgen rechtsradikalem Gedankengut entgegen. 2016 erhielt sie sogar den Grimme Online-Award. Knapp 650 000 Menschen folgen dem Account Barbara bei Facebook. Auf Instagram hat sie über 321 000 Abonnenten.

Beispielsweise klebte sie unter eine „Heil Hitler“-Wandschmiererei einen Kaktus und textete dazu das Lied „Ein kleiner grüner Kaktus“ der Comedian Harmonists um: „Und wenn ein blöder Wicht was Superdoofes spricht, dann kleb ich einen Kaktus, und der sticht, sticht, sticht.“ Dieser eigentlich humorvolle und harmlose Spruch stieß den Kontrolleuren aber offensichtlich negativ auf und wurde gelöscht, wie Barbara auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mitteilte. Auch ein Aufruf zu einem Tanz-Flashmob vor einem Parkverbots-Schild und ein mit einem Bikini verziertes Bodenwellenschild seien gelöscht worden.

Sie sei sich dessen bewusst, dass auf einem ihrer Bilder das Wort „Arschloch“ stehe. Das richte sich aber gegen keine ersichtliche Person. „Abgesehen davon dürfte dann auch zum Beispiel "Schrei nach Liebe" von den Ärzten nicht mehr auf Facebook auftauchen“, schrieb sie der Frankfurter Rundschau. Facebook drohe der Künstlerin, ihren Account komplett zu löschen, sollten weitere Beiträge gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen.

Über das Löschen von Beiträgen entschieden Angestellte von privaten Firmen ihm Auftrag von Facebook und Instagram, die im Schnellverfahren und ohne Begründung löschen, schreibt Barbara. „Ich sehe die Freiheit im Internet dadurch mehr als nur bedroht, sie wird aus meiner Sicht dadurch ruiniert.“ Sie sei auch der Meinung, dass gegen Hass und Gewaltandrohungen im Internet etwas unternommen werden müsse. Unter den gegebenen Umständen könne Satire in den sozialen Netzwerken aber nur noch zensiert stattfinden. Willkürliche Zensur durch Privatfirmen ohne Verständnis für Satire empfinde sie als unwürdig. „Es erstickt meinen Schaffenswillen in Hinblick auf die sozialen Netzwerke.“

Sie habe ständig versucht, dem Hass im Internet etwas entgegenzusetzen und dafür viel positives Feedback bekommen. „Dass ich jetzt von den Plattformen Facebook und Instagram dafür abgestraft werde, fühlt sich schrecklich und unwürdig an. Ich liebe die Freiheit und kann auf Dauer nur dort agieren, wo ich sie leben kann.“

Sie müsse sich jetzt gut überlegen, ob sie einen Beitrag poste oder nicht. Die Gefahr, dass ihre Seite komplett gelöscht werde, sei allgegenwärtig. Es beginne also schon mit einer Zensur im Kopf. Zwar werde sie ihre Zettelbotschaften auf der Straße weiter anbringen, wisse aber noch nicht, wie sie in den sozialen Netzwerken damit umgehen solle. Wenn sie sich der Zensur beuge und „nur noch völlig unverfängliche Love-Messages“ poste, die keinen möglicherweise verfänglichen Interpretationsspielraum offen ließen, verfälsche sie das Gesamtbild ihrer Arbeit. Sie könne das Posten in den sozialen Medien auch ganz lassen und sich nur noch auf die Straße konzentrieren. Dort sei sie wirklich frei.

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