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Facebook streitet sich mit der US-Steuerbehörde.
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Facebook streitet sich mit der US-Steuerbehörde.

Facebook

Facebook droht Milliarden-Steuernachzahlung

  • VonStephan Kaufmann
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Facebook drohen Steuernachzahlungen in Höhe von drei bis fünf Milliarden Dollar. Es geht um die Verlagerung eines Teils des Geschäfts nach Nordirland, wo die Steuerlast deutlich niedriger ist.

Bei seinen Nutzern ist Facebook beliebt, bei den Steuerbehörden jedoch weniger: In den USA wird das soziale Netzwerk angeklagt wegen der Verlagerung von Geschäftsteilen ins Niedrigsteuerland Irland. Geht die Klage durch, könnte dies Facebook eine Stange Geld kosten: drei bis fünf Milliarden Dollar. Nicht nur das Netzwerk, auch Konzerne wie Apple oder Google nutzen die irische Steueroase, eine Praxis, die der US-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz am Freitag als „Betrug“ kritisierte. Für Irland selbst hat das kuriose Folgen: Die Wirtschaftsleistung wird aufgebläht, die Iren haben davon wenig.

2010 verkaufte Facebook die Rechte zur Verwertung seiner Plattform außerhalb Nordamerikas an die Facebook Ireland Holding. In Dublin hat der US-Konzern auch sein internationales Hauptquartier – kein Wunder, schließlich zahlen Unternehmen dort nur 12,5 Prozent Steuern, in den USA sind es bis zu 35 Prozent. Beim Verkauf der Vermögenswerte nach Irland, so die US-Steuerbehörde, seien deren Werte jedoch viel zu niedrig angesetzt worden. Daher fordert der amerikanische Fiskus nun Milliarden Nachzahlungen plus Zinsen und Strafen. Facebook bestreitet den Vorwurf.

Dass Konzerne aus aller Welt sich in Irland ansiedeln, hat für das Land oberflächlich betrachtet positive Folgen: Die Geschäftstätigkeit nimmt zu, die Exporte steigen, das Wirtschaftswachstum brummt. Wegen der starken Konjunktur  gilt Irland als Musterknabe in der Euro-Zone. Stets wird es Krisenkandidaten wie Griechenland oder Portugal als leuchtendes Beispiel vorgehalten.

Steuern sparen in Irland

Das Problem: Die Geschäfte, die in den irischen Statistiken auftauchen, finden oftmals gar nicht in Irland statt, sondern sind allein der Tatsache geschuldet, dass internationale Konzerne ihre global erzielten Umsätze und Gewinne in Irland geltend machen, um Steuern zu sparen. Das hat kuriose Folgen: So legte das Wirtschaftswachstum des Landes im vergangenen Jahr laut nationalem Statistikamt um 26 Prozent zu. Die Exporte schossen von 220 auf 295 Milliarden Euro in die Höhe – ein Plus von 34 Prozent. Der Kapitalstock des Landes expandierte von 700 auf über 1000 Milliarden in nur einem Jahr.

Doch das sind nur Zahlen auf dem Papier. „Mit der wirtschaftlichen Realität in Irland haben sie nichts zu tun“, schrieb die Irish Times vor einigen Tagen. „Wir können nur darüber spekulieren, wie diese Zahlen zustande gekommen sind.“ So steige der Kapitalstock eines Landes, wenn ein Technologiekonzern Nutzungsrechte oder eine Leasingfirma das Eigentum an ihrer Flugzeugflotte an die irische Tochter überträgt. Das treibt gleichzeitig die Exporte Irlands in die Höhe. Das gleiche passiert, wenn das irische Unternehmen dann ein US-amerikanisches kauft und sich einverleibt. Höhere Exporte bedeuten höheres Wirtschaftswachstum und eine niedrigere Staatsschuldenquote. Auf dem Papier.

Aber wie geht es den Iren wirklich? Matthew C. Klein von der Financial Times hält den durchschnittlichen Konsum pro Person für den besten Maßstab des Lebensstandards. Doch der fiel von 2008 bis 2012, hat sich seit 2013 zwar etwas erholt und liegt aber noch immer sieben Prozent unter seinem Vorkrisenhoch. Damit hat sich der Konsum Irland so gut entwickelt wie in Italien, das seit sieben Jahren Krise beklagt.

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