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Barbara Rudnik: Paparazzi können das Leben verändern.
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Barbara Rudnik: Paparazzi können das Leben verändern.

Medien

Die exklusive Story

Bunte und Bild liefern sich einen bizarren Krieg um die Berichterstattung über die kranke Barbara Rudnik. Von Antje Hildebrandt

Von ANTJE HILDEBRANDT

Die Pressemitteilung kam einem Donnerschlag gleich: "Barbara Rudnik hat Krebs". Lanciert wurde sie am vergangenen Dienstag von der Illustrierten Die Bunte und war gespickt mit O-Tönen. Unter anderem wurde Rudnik mit dem Satz zitiert, die Diagnose Brustkrebs im Dezember 2005 sei für sie "ein entsetzlicher, unfassbarer Schock" gewesen. Zu diesem Zeitpunkt seien schon Knochen und Leber befallen gewesen. Nach einer Chemotherapie sei die Krankheit zurückgekehrt. Im Januar dieses Jahres hätten die Ärzte Metastasen im Hirn entdeckt. Das Fazit der Schauspielerin umwehte ein Hauch von Abschied: "Es kann keine Heilung geben."

Man könnte meinen, derlei intime Bekenntnisse gehörten nicht in die Öffentlichkeit. Welchem kranken Leser mache Rudnik Mut, wenn sie gestehe, ihre letzte Beziehung sei über der Krankheit zerbrochen, und sie habe sich einen Hund angeschafft?

An der Schmerzgrenze

Die Redaktion der Bunten machte keine Anstalten, die Schauspielerin vor sich selber in Schutz zu nehmen. Am Mittwoch erschien die neue Ausgabe mit einem Exklusiv-Interview. "Barbara Rudnik: ,Ich will leben!' Die Schauspielerin, 49, spricht über ihren", jawohl: "dramatischen Kampf gegen den Krebs."

Für Rudnik mag es befreiend gewesen sein, nach monatelangem Versteckspiel endlich offen über ihre Krankheit reden zu können. Den Leser führte das Interview an eine Schmerzgrenze. Der Wettbewerb um Promi-News hat sich inzwischen derart verschärft, dass Stars noch im Angesicht des Todes ihr Innerstes nach außen stülpen. Es entbehrt nicht der Ironie, dass ausgerechnet ein Sprecher der Bild-Zeitung schwere Vorwürfe gegen die Bunte erhoben hat. Seine Kritik richtet sich freilich nicht gegen den Inhalt, sondern dagegen, wie das Magazin das Exklusiv-Interview mit der kranken Aktrice vermarktet hat. Wörtlich sagte er der FR: "Die Bunte hat die Persönlichkeitsrechte von Frau Rudnik vorgeschoben, um sich das Monopol der Berichterstattung zu sichern."

Tatsächlich?

Nach den Worten der Chefredakteurin der Bunten, Patricia Riekel, war die Schauspielerin an die Illustrierte herangetreten - offenbar nicht ganz freiwillig. "Boulevardjournalisten haben Frau Rudnik erpresst", behauptet Riekel: Entweder sie rede über ihre Krankheit oder Bild würde Paparazzibilder veröffentlichen, die Rudnik mit kurzen Haaren zeigten.

Glaubt man Riekel, dann hat das Blatt der Schauspielerin eine Art Freundschaftsdienst erwiesen, als es ihr vier Seiten Platz einräumte, um darüber zu sprechen, wie die Krankheit ihr Leben verändert hat. So habe Rudnik verhindern wollen, dass sie Reporter als Sterbende darstellten. Seltsamerweise drängt sich dem Leser jedoch genau dieser Eindruck auf. Die Offenheit, mit der sie über ihre Krankheit spricht, steht im Gegensatz zu den geschmackvoll inszenierten Fotos, die die neue Barbara Rudnik zeigen - als reifes Model in ihren Lieblingsoutfits.

Stellenweise liest sich das Interview wie ein vorgezogener Nachruf. Von Erpressungsversuchen durch Paparazzi ist jedoch nicht die Rede. Bild weist diesen Vorwurf denn auch entschieden zurück. Zwar hat ein Sprecher der Zeitung eingeräumt, der Verlag habe eine Unterlassungserklärung unterschrieben, die ihm Rudniks Anwalt Christian Schertz zugeschickt hatte. Darin verpflichtet sich die Redaktion, von weiteren Veröffentlichung jener "Abschussfotos" abzusehen, die das Blatt wohl nicht zufällig am Erscheinungstag der Bunten veröffentlicht hatte.

Doch die Umstände dieses juristischen Scharmützels findet der Bild-Sprecher befremdlich. Schließlich, sagt er, sei eine Berichterstattung mit dem Management der Schauspielerin abgesprochen gewesen - und zwar schriftlich. So preschte das Blatt am 26. April mit der Meldung vor, die Schauspielerin sei an Brustkrebs erkrankt, auf Rudniks Wunsch habe man sogar einzelne Formulierungen geändert.

Eine härtere Gangart?

Auch was die Fotos anbelangte, habe sich die Redaktion auf einen Kompromiss eingelassen: Bild verzichtete auf die Veröffentlichung aktueller Aufnahmen. Fotos, die der kranken Schauspielerin ihre Würde ließen, so hatte man vereinbart, sollte die Bunte nachliefern. Auf die versprochenen Aufnahmen habe die Redaktion jedoch vergeblich gewartet. Stattdessen bekam sie Anfang der Woche ein Schreiben von Rudniks Anwalt, in dem er die Redaktion auffordert, von einer weiteren Berichterstattung über seine Mandantin abzusehen.

Wusste eine Hand nicht, was die andere tat? Der Sprecher der Bild sagt, als sein Blatt mit Rudniks Management über eine Fortsetzung der Berichterstattung verhandelt habe, sei die aktuelle Ausgabe der Bunten längst druckfertig gewesen. Die Behauptung von Bunte-Chefin Patricia Riekel, das Magazin habe Rudnik vor unautorisierten Enthüllungen schützen wollen, sei also absurd. In Wirklichkeit sei es der Kollegin um nichts anderes gegangen als um eine exklusive Story.

Bild revanchierte sich: Am vergangenen Mittwoch veröffentlichte das Blatt wenig vorteilhafte Fotos, die die 49-jährige nach ihrer Chemotherapie zeigen. War das ein Vorgeschmack auf eine härtere Gangart, die das Blatt angeblich mit seinem Umzug nach Berlin einschlagen soll? Medienkritiker wollen aus diesem Fall noch keinen Trend ablesen. Rechtsanwalt Christian Schertz hat als Experte für Persönlichkeitsrecht schon zahlreiche Prominente gegen das Boulevardblatt vertreten. Vor einiger Zeit hatte er den Eindruck geäußert, die Zahl der Rechtsverstöße in Bild habe merklich nachgelassen. Zum aktuellen Fall wollte er sich nicht äußern.

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