Ex-Telekom-Chef Ricke - Das Rampenlicht lag ihm nie

Von der Öffentlichkeit hat sich Kai-Uwe Ricke in der fernen Schweiz abgeschottet. Überhaupt hat das Rampenlicht dem ...

Bonn. Von der Öffentlichkeit hat sich Kai-Uwe Ricke in der fernen Schweiz abgeschottet. Überhaupt hat das Rampenlicht dem früheren Chef der Deutschen Telekom nie so behagt. Doch am Freitag musste er als Zeuge im Prozess um die Spitzelaffäre doch noch einmal in die Kameras blicken.

Wobei es für ihn noch weitaus schlimmer hätte kommen können. Nur haarscharf ist er an einer Anklage vorbei geschlittert. Es geht um die Bespitzelung von Aufsichtsräten, Journalisten und Betriebsräten während seiner Amtszeit (2002 bis 2006) durch die Konzernsicherheit. Vor zweieinhalb Jahren flog die systematische Bespitzelung von Aufsichtsräten, Betriebsräten und Journalisten auf.

Dass Ricke nach seinem abrupten Karriereende bei der Telekom im November 2006 jetzt vor dem Bonner Landgericht noch einmal Vergangenheitsbewältigung betreiben musste, dürfte ihn kaum amüsiert haben. Er glaubte, das Kapitel Telekom längst abgeschlossen zu haben.

Im schnell wachsenden Mobilfunkgeschäft und im Kampf gegen den Konkurrenten Mannesmann D2 - heute Vodafone - machte er das Unternehmen zum Branchenführer. Zuvor hatte er bei der Telefongesellschaft Talkline gearbeitet und der Telekom als Wettbewerber ordentlich eingeheizt. 1998 lockte die Herausforderung in Bonn. Er wurde Mobilfunkchef und 2002 Nachfolger des Vorstandsvorsitzenden Ron Sommer.

Der Bankkaufmann, studierte Betriebswirt und Vater zweier Kinder trat in die Fußstapfen seines Vaters Helmut, der das Amt zehn Jahr zuvor inne gehabt hatte. Doch schon der Start war holprig. Die zähe Suche nach einem Nachfolger für Sommer geriet zu einem Possenspiel.

Der gebürtige Krefelder galt als möglicher Kandidat, aber seine Berufung zog sich hin. Der damals 42-jährige Ricke an der Konzernspitze war dann eine Kompromisslösung und ein schieres Kontrastprogramm zu seinem Vorgänger: Kein Charismatiker, kein glänzender Verkäufer und Rhetoriker und vor allem kein Visionär.

All das war bei der Telekom auch nicht gefragt. Es ging um den Abbau eines Schuldenberges von mehr als 60 Milliarden Euro. Ricke und sein damaliger Finanzchef Karl-Gerhard Eick verordneten dem Konzern ein rigoroses Sparprogramm und reduzierten die Schulden in wenigen Jahren um die Hälfte. Zahlreiche Beteiligungen wurden verkauft und Stellen abgebaut. Trotzdem: Ricke war beliebt, er pflegte einen kooperativen Führungsstil.

Die Probleme wurden jedoch größer, als das Festnetzgeschäft zu schwächeln begann. Der neue Großaktionär Blackstone soll Ricke zudem stark unter Druck gesetzt haben. Die Telekom verlor plötzlich mehr als zwei Millionen Kunden im Jahr. Nun wurden Ricke Zaudern, Konzeptlosigkeit und mangelnde Durchsetzungsfähigkeit vorgeworfen. Ein weiteres Minus: In der Politik war er schlecht verdrahtet. Und dann wurde er quasi über Nacht abserviert.

Heute bekleidet Ricke verschiedene Ämter in Aufsichtsräten vor allem bei Unternehmen aus der Telekom-Branche. Seine Expertise bleibt gefragt. (dpa)

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