Das künftige Ehepaar Kate und William.
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Das künftige Ehepaar Kate und William.

Interview mit ZDF-Chefredakteur Frey

"Das ist das Ereignis des Jahres"

ZDF-Chefredakteur Peter Frey spricht im FR-Interview über die Bedeutung der Hochzeit von William und Kate für das Fernsehen und den Sinn einer parallelen royalen Berichterstattung von ARD und ZDF.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey spricht im FR-Interview über die Bedeutung der Hochzeit von William und Kate für das Fernsehen und den Sinn einer parallelen royalen Berichterstattung von ARD und ZDF.

Herr Frey, wäre es nicht besser, die Hochzeit von William und Kate, eine Klatschveranstaltung, den Privaten zu überlassen?

Es ist keine Klatschveranstaltung. Das zu behaupten, ist arrogant. Diese Hochzeit ist das Fernsehereignis des Jahres. Es wird so viele Menschen interessieren wie kaum ein anderes in diesem Jahr.

Entspricht eine von ARD und ZDF parallel gezeigte Hochzeit dem Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks?

Großbritannien ist ein bedeutendes Nachbarland. Bei dieser Hochzeit präsentiert sich die nächste Generation des britischen Königshauses, das nächste britische Staatsoberhaupt. Dieses Ereignis ist nicht nur Klatsch und Tratsch, sondern ein Statement jenes Mannes, der einmal ein Nachfolger von Queen Elizabeth sein wird. Wir hören, dass William und Kate viele Ehrenamtliche aus der britischen Gesellschaft eingeladen haben. Sie setzen damit ein Zeichen in dem von Finanz- und Wirtschaftskrise gebeutelten Land. Auch darüber werden wir berichten, und wir wissen, dass wir damit im Umfeld eines solchen Ereignisses deutlich mehr Menschen erreichen als in vielen anderen Informationssendungen

Ich habe Sie selbst schon erlebt, wie Sie sich bei einer Redaktionskonferenz wegen der überbordenden royalen Berichterstattung im ZDF beklagt haben. Das war 2010, es stand die Hochzeit von Kronprinzessin Victoria von Schweden bevor.

Man muss das rechte Maß finden, das gilt auch für die Veranstaltung in London. Die Schweden-Hochzeit dauerte von 13 Uhr bis zur „heute“-Sendung um 19 Uhr. Da kann ein Chefredakteur schon mal stöhnen. Trotzdem war die Übertragung letztlich ein Erfolg: Wir lagen vor der ARD, die an diesem Tag ein WM-Spiel übertrug.

Sind ARD und ZDF so sehr Konkurrenz, dass Sie dem ZDF-Zuschauer nicht zumuten wollen, die ARD-Übertragung ansehen zu müssen?

Wir alle haben die Bilder vor Augen, als Charles und Diana geheiratet haben. Das war ein großer Fernsehmoment mit Bildern, die sich in unser Gedächtnis gebrannt haben. Ähnlich wird es bei dieser Hochzeit sein. Das ist ein Ereignis von zu hohem journalistischen Wert und zu hohem Publikumsinteresse, um dem ZDF-Publikum die in langen Jahren aufgebaute Erfahrung unserer ZDF-Royal-Moderatoren und Royal-Experten vorzuenthalten.

Nach der parallelen Übertragung der Silvesterkonzerte forderte der sächsische Staatskanzleichef Johannes Beermann (CDU) von ARD und ZDF mehr Arbeitsteilung. Er regt an, Parallelübertragungen per Staatsvertrag zu untersagen. Wären Sie insgeheim nicht froh darüber?

Selbstverständlich nicht. Wir sollten die Entscheidungen über das Programm den für das Programm Verantwortlichen überlassen, die sich dafür hinterher ohnehin vor den Gremien zu rechtfertigen haben. Aber natürlich gibt es Doppelprogrammierungen, die man kritisch hinterfragen muss, und deshalb gibt es ja auch eine Vereinbarung zwischen ARD und ZDF zu den royalen Ereignissen.

Sie unterteilen sie in Kategorien.

Zur Gruppe A gehören das englische, niederländische, schwedische und spanische Königshaus, und nur bei Krönungen, Hochzeiten und Beerdigungen von Königen, Königinnen und Thronfolgern dieser Häuser können ARD und ZDF wegen des überragenden Publikumsinteresses parallel übertragen. Bei den B-Events – Jubiläen zum Beispiel und Geburtstage – oder bei Ereignissen in kleineren Königshäusern wechseln wir uns ab.

Finden Sie dieses Modell gut?

Ja. Denn es hat dazu geführt, dass wir seitdem keine Parallelübertragung mehr hatten. Die letzte war 2005 anlässlich der Trauerfeierlichkeiten für Fürst Rainier von Monaco. Aber auf Ereignisse einer gewissen Kategorie kann ein international mitspielender Sender wie das ZDF einfach nicht verzichten. Dazu gehören übrigens auch Teile des anstehenden Papstbesuchs in Deutschland.

RTL-Chefredakteur Peter Klöppel meint, ARD und ZDF sollten das Geld, das die Übertragung kostet, besser ins Programm investieren. Hat er nicht recht?

Das ist die Äußerung eines Konkurrenten, dem es besser gefiele, nur gegen einen statt zwei Mitbewerber ansenden zu müssen. Am liebsten wäre ihm wohl, RTL hätte freies Feld, aber diesen Gefallen tun wir ihm nicht. Im Übrigen sind die Kosten für die Übertragung gering. Wir übernehmen das Weltbild, das uns die britischen Rundfunkanstalten kostenlos zur Verfügung stellen und das wir lediglich mit eigenem Material ergänzen. Unterm Strich wird der Minutenpreis etwa dem entsprechen, was wir für ein normales Regelprogramm am Nachmittag ausgeben. Alles in allem werden wir uns also im mittleren sechsstelligen Bereich bewegen. Es gibt kaum ein attraktiveres Fernsehereignis für so einen geringen Aufwand.

Interview: Ulrike Simon

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