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Stephanie Rosenthal ist seit Februar Direktorin des Martin-Gropius-Baus in Berlin.

Berlin

Entlang der DNA des Hauses zaubern

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Die Pläne der neuen Direktorin Stephanie Rosenthal für den Martin-Gropius-Bau.

Nicht in erster Linie ihr, der Neuen im Amt, sondern der Architektur des an Schinkel geschulten Baus sollten die Blicke gelten. Stephanie Rosenthals erster öffentlicher Auftritt fand am Montag nicht im Kinosaal des Berliner Martin-Gropius-Baus statt, wo für gewöhnlich Pressekonferenzen abgehalten werden. Die neue Direktorin des Ausstellungshauses der Berliner Festspiele lud in den historischen Schliemann-Saal, um ihr Programm und ihr Team von Kuratoren und Künstlern – „sie sind das Allerwichtigste!“, so Rosenthal – vorzustellen.

Und dies bei ungewohntem Tageslicht. Die Fenster-Verdunkelungen wurden entfernt. Die neue Hausherrin, vom Festspiel-Intendanten Oberender eine „Frau von Welt“ genannt, verwies auf die lichtdurchfluteten Sichtachsen und ließ wissen, der Lichthof, bislang eher Ort für Geheimnisvoll-Überraschendes, werde zum „öffentlichen Raum“, ein Atrium, von dem aus man in alle Ausstellungen gelangt.

Die 47-jährige Rosenthal, zuletzt Chefkuratorin an der Hayward Gallery London, übernimmt eines der erfolgreichsten, international vernetzten Ausstellungshäuser Deutschlands. Bislang gab es da 15 oft erstklassige und sehr gut besuchte Ausstellungen pro Jahr, wobei eben die Mischung aus klassischen und innovativen Ausstellungen, von ikonischer Kunst und neuer Performance derart anziehend auf alle Altersgruppen wirkte. Allerdings ist der Etat begrenzt und ohne zusätzliche Stellen bemessen, die Chefin muss mit Werkverträgen zaubern, um ihre ehrgeizigen Pläne „entlang der DNA des Hauses“ – seiner Geschichte als Kunstgewerbeschule, seiner Nachbarschaft zur Gedenkstätte Topographie des (NS-)Terrors und zum einstigen Mauerstreifen – verwirklichen zu können.

Das Angekündigte, neben dem Immersions-Projekt mit Kunst von Philippe Parreno, klingt vielversprechend: Frauen-Power. So stellt bald die gebürtige Kubanerin Ana Mendieta ihr Werk vor dem Hintergrund heutiger Migrationsströme aus. Es folgen eine so wichtige Schau wie „Bestandsaufnahme Gurlitt“ und eine Archäologie-Ausstellung mit spektakulären Funden. Ab Herbst stellt die Koreanerin Lee Bul aus und die Amerikanerin Wu Tsang arbeitet – Artist in Residence – direkt im Gropius-Bau.

Bleibt die Frage nach den Kosten, dieses große Haus zu bespielen: Rosenthal muss, wie ihr Vorgänger Gereon Sievernich, für jede Ausstellung zu zwei Dritteln immer erst das nötige Geld besorgen. 3,1 Millionen Euro gibt der Bund. Zum Vergleich: die Bundeskunsthalle in Bonn darf über 15 Millionen Euro verfügen.

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