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Zum Abschied erschienen in der "Unità" nur leere Seiten.

Tageszeitung "L'Unità" in Italien

Das Ende der Einheit

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Heute stellt Italiens „L’Unità“ nach 90 Jahren ihr Erscheinen ein. Die Zeitung hat eine kämpferische Vergangenheit, doch mit knapp 40 Millionen Euro Schulden musste der Verlag Konkurs anmelden.

Sie war das Sprachrohr der italienischen Linken, bis 1991 die offizielle Tageszeitung der mächtigen Kommunistischen Partei Italiens (PCI). Im Februar hatte „L’Unità“ (Die Einheit) noch den 90. Jahrestag ihrer Gründung durch den Schriftsteller und marxistischen Philosophen Antonio Gramsci gefeiert.

Die Zeitung hat eine kämpferische Vergangenheit, war während der Mussolini-Zeit und Nazi-Besatzung verboten und erschien bis 1945 im Untergrund. Nach dem Zweiten Weltkrieg prägte sie jahrzehntelang das öffentliche Leben Italiens mit, unter anderem mit den „Feste dell’Unità“, Volksfesten, die zwischen Palermo und Bozen in jedem Dorf gefeiert wurden.

Am heutigen Freitag stellt „L’Unitá“ das Erscheinen am Kiosk und im Internet ein. Der Verlag NIE hat knapp 40 Millionen Euro Schulden und musste Konkurs anmelden. Die Frist für ein tragfähiges Rettungsangebot ist abgelaufen. Die etwa 80 Redakteure hatten bereits seit April kein Gehalt mehr bekommen.

„Sie haben die L’Unità umgebracht“, stand am Mittwoch in großen Lettern auf der Titelseite der vorletzten Ausgabe. Die folgenden Seiten blieben weiß. Chefredakteur Luca Landò gab im Leitartikel der Demokratischen Partei (PD) von Ministerpräsident Matteo Renzi Mitschuld. Sie habe trotz der Appelle der Redaktion nicht viel getan, um die Schließung der parteinahen „L’Unità“ zu verhindern.

"Kein Parteieigentum"

Die sozialdemokratisch ausgerichtete PD ist eine Nachfolgepartei der Kommunisten. Prominente PD-Politiker wie Massimo D’Alema und Walter Veltroni waren Chefredakteure, bevor sie Ministerpräsident beziehungsweise Parteichef wurden. Renzi versicherte, seine Partei arbeite an der Rettung der Marke „L’Unità“, die Teil der Identität und Zukunft der italienischen Linken sei. Kurz darauf twitterte er jedoch, leider sei die Zeitung kein Parteieigentum. „Wenn sie es wäre, würde sie gerettet.“

Die „L’Unità“ hatte bereits nach dem Zusammenbruch der PCI 1991 finanzielle Probleme bekommen. Im Jahr 2000 musste sie schon einmal die Produktion einstellen. Damals erschien sie neun Monate später wieder, allerdings mit stark reduzierter Auflage, verlegt von NIE, einer Gruppe von privaten Unternehmern und Aktionären. Die PD hält nur noch einen sehr kleinen Anteil.

Die Auflage sank von knapp 240 000 täglichen Exemplaren in den 80er Jahren auf zuletzt 20 000. Die „L’Unità“ hielt sich schon seit Jahren nur knapp über Wasser, obwohl sie wie viele italienische Zeitungen staatliche Hilfen erhielt, zuletzt 3,6 Millionen Euro jährlich. Auch in Italien kämpfen die meisten Zeitungen mit einem unaufhaltsamen Rückgang der Leserzahlen.

Darüber hinaus hatte „L’Unità“ schon ab 1976 starke Konkurrenz durch die linksliberale Tageszeitung „La Repubblica“ bekommen, die damals von dem Sozialisten Eugenio Scalfari mit gegründet wurde. Ein großer Teil der Leserschaft der „L’Unità“ wanderte nach und nach ab.

Zur Rettung der Zeitung hatte unter anderem ein Angebot der Berlusconi-treuen rechten Parlamentsabgeordneten Daniela Santanché und einer ehemals rechtsextremen Fernsehjournalistin vorgelegen.

Es war vom Redaktionskomitee als unakzeptabel abgelehnt worden. Auch die Konkursverwalter lehnten es als finanziell nicht ausreichend ab.

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