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Michael Brinkschröder, 50, von der Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche.

Papst Franziskus

Ein einziger Satz

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Die katholische Kirche tut sich schwer mit Homosexualität. Dabei wählt Papst Franziskus ganz andere Töne. Auch ein schwuler Theologe aus München hofft jetzt auf Veränderungen.

Es war nur ein einziger Satz. Aber er schlug ein wie ein Blitz. „Wenn jemand homosexuell ist und Gott sucht und guten Willens ist, wer bin ich, über ihn zu richten?“ Was Papst Franziskus Ende Juli 2013 hoch über den Wolken auf seiner Rückreise vom Weltjugendtag in Brasilien aussprach, markierte eine Zäsur im Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen.

Davon ist jedenfalls der katholische Theologe Michael Brinkschröder aus München überzeugt: „Seit diesem Satz ist hierzulande die Angst weg, in der Kirche über das Thema Homosexualität zu sprechen. Vorher hat es das praktisch nicht gegeben.“ Dabei kämpft Brinkschröder schon lange für die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben in der katholischen Kirche: 2002 etablierte der heute 50-Jährige in München monatliche Queer-Gottesdienste, engagiert sich neben seiner Tätigkeit als Religionslehrer in der Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK).

Das alles, obwohl die Kirche Brinkschröders eigentlichen Berufswunsch, Pastoralreferent zu werden, zunichte machte, weil er schon während seines Theologiestudiums zu seinem Schwulsein stand. „Für mich ist das einfach meine Berufung, weil ich der Meinung bin, dass die katholische Kirche in Sachen Homosexualität vollkommen falsch liegt.“ Laut Katechismus, dem offiziellen Glaubensbuch der Katholiken, sind Homosexuelle „zur Keuschheit berufen“. Sofern sie ihre Sexualität nicht ausleben, hüte man sich davor, „sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen“. Praktizierte Homosexualität gilt dagegen als „schwere Sünde“, weil sie von vornherein „die Weitergabe des Lebens“ ausschließe und keiner „wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit“ entspringe. Sie ist „in keinem Fall zu billigen“.

In Ländern, in denen Homosexualität zivilrechtlich unter Strafe steht, spielt die katholische Lehre der Ächtung gleichgeschlechtlich Liebender in die Hände: Die Bischofskonferenzen in Malawi und Kamerun haben letztes Jahr dazu aufgerufen, die Gefängnisstrafen für homosexuelle Akte zu verschärfen. In Uganda und Nigeria wurden – unterstützt von der katholischen Kirche – stärkere Strafen für homosexuelle Handlungen eingeführt.

In Deutschland verkündet der katholische Klerus zwar nur mehr selten die amtskirchliche Lehre. Zugleich schweige er aber auch zu dem mittelbaren Einfluss der afrikanischen Ortskirchen auf die Kriminalisierung Homosexueller, kritisiert Brinkschröder. Der Theologe nimmt auch Hilfswerke wie Misereor und Missio in die Pflicht, die von Deutschland aus Entwicklungsarbeit in Afrika leisten, denn: „Die Menschenrechte von Schwulen und Lesben sind selbst dort noch kein Thema.“

Um in der Kirche wirksamer eine Lanze für homosexuelle Katholiken zu brechen, hat sich Brinkschröders Arbeitsgruppe mit internationalen katholischen Homosexuellengruppen zum Global Network of Rainbow Catholics zusammengeschlossen. Der Dachverband tagt am Wochenende in Dachau, um Strategien gegen die mittelbare Kriminalisierung homosexueller Handlungen seitens der katholischen Kirche zu entwickeln.

Zu dem Kongress äußern wollte sich die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) auf FR-Anfrage nicht. Sie kommentiere „Veranstaltungen Dritter“ grundsätzlich nicht. Das Erzbistum München-Freising unterstützt die Tagung derweil mit einem finanziellen Zuschuss und entsendet einen pastoralen Mitarbeiter. Sprecher Christoph Kappes sagte der FR: „Wir begrüßen den Kongress als ein Forum der Selbstvergewisserung und der Befähigung zum Diskurs und befürworten jede Maßnahme, die der Antidiskriminierung und dem Schutz von Minderheiten dient.“

Dies sei Brinkschröder zufolge ein Beispiel dafür, wie der Satz des Papstes hierzulande nachwirke. Dieser habe auch den offiziellen Gesprächen Aufwind gegen, welche die HuK seit vier Jahren mit dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode als Vorsitzender der Pastoralkommission der DBK führt. Angesichts der Gespräche sieht Bode inzwischen selbst Handlungsbedarf, wie er der FR erklärte: „Es ging um sehr grundsätzliche theologische und anthropologische Fragen und auch um Themen der Pastoral. Ich möchte über diese informellen Gespräche dem Ständigen Rat der Deutschen Bischofskonferenz in der nächsten Zeit berichten, damit wir gemeinsam überlegen, wie wir weiter mit diesen Fragen umgehen.“ In welche Richtung das gehen könnte, verrät Bodes Stellungnahme zum Bundestagsentscheid für die „Ehe für alle“. Darin hat sich der Osnabrücker Bischof als einziger im deutschen Episkopat für entsprechende kirchliche Konsequenzen ausgesprochen: „Ich halte es für eine wichtige Aufgabe der Kirche, auch homosexuelle Partnerschaften geistlich zu begleiten. Wie weit es dafür auch gottesdienstliche Formen geben kann, muss weiter diskutiert werden.“

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