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Bazon Brock in seiner Berliner Wohnung.
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Bazon Brock in seiner Berliner Wohnung.

Bazon Brock

Einfall und Eloquenz

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Die Kunst denken: Der Philosoph und Aktionskünstler Bazon Brock wird am 2. Juni 85 Jahre alt.

Wenn es Olympische Spiele des Einfalls gäbe, wäre Bazon Brock ihr ewiger Favorit. Oft scheint er seine Geistesblitze aus purer Daseinsfreude auszusenden, manchmal auch nur, weil gerade nichts anderes zu tun ist. Anders als die Idee hat der Einfall keine Neigung zur Schwermut, und Bazon Brocks Einfälle wirken oft beiläufig, obwohl sie doch eine ganze Welt zu enthalten scheinen.

Als seinerzeit in Frankfurt das Redaktionsgebäude der FR im Stadtzentrum am Eschenheimer Tor Neubaubedürfnissen weichen musste, ließ Bazon Brock über seinen Freund, den Kunstkritiker und ehemaligen Feuilletonchef Peter Iden anfragen, ob ein großes „R“ vom Schriftzug auf dem Dach des Hauses noch zu haben sei. Im „R“ erkannte er das Runde und Stehende, man stellte sich sogleich ein Kunsthappening vor, zu dem sich die Kulturgranden der Stadt fröhlich bis nachdenklich um den erhabenen Buchstaben versammeln. Was dann tatsächlich aus dem „R“ geworden ist, ist nicht bekannt. Man muss Einfälle auch wieder verwerfen können.

Das „R“ am Rundschauhaus

Wer Bazon Brock einmal persönlich begegnet ist, der weiß um seine einschüchternde Eloquenz. Dabei hat er seine Berufung stets in der sogleich wieder zur Kunst werdenden Kulturvermittlung gesehen, die nicht abschrecken, sondern dazu verlocken will, es auch einmal ganz anders zu sehen. 1936 in Stolp in Pommern geboren, war seine Kindheit vom Krieg geprägt. Unter der Vergiftung durch eine Phosphorbombe leidet er bis heute, sein Vater wurde vom sowjetischen Militär zum Tode verurteilt und hingerichtet. Nach einer Ausbildung zum Dramaturgen studierte Brock, dessen Vorname Bazon eine Ableitung vom griechischen Wort „bazo“ (Schwätzer) darstellen soll, Germanistik, Philosophie und Politikwissenschaften, u.a. bei Adorno in Frankfurt. Legendär sind seine seit 1968 auf der Documenta in Kassel abgehaltenen „Besucherschulen“, in denen er die Kunstvermittlung zur lebenslangen Berufung machte. Er beteiligte sich an Happenings von Künstlern wie Wolf Vostell, Friedensreich Hundertwasser, Nam June Paik und Joseph Beuys, dem er trotz oder gerade wegen seiner Verehrung für ihn vorwarf, die Kunst an die Politik verraten zu haben. Tatsächlich trat Beuys in den späten 70er Jahren als eine Art politischer Popstar auf, dessen Aktivitäten sich in der Nähe zu den sich gerade gründenden „Grünen“ wiederfanden.

Bazon Brock hielt Vorträge aus dem Kopfstand heraus, warf seine Schuhe in den Vulkan Ätna und erst in jüngerer Zeit gründete er in Berlin die sogenannte „Denkerei“, die als diskursive Einfallsschmiede aufgeschlagen wird. In haltloser Zeit gebe es nur Haltung, lautet Bazon Brocks Credo. Heute wird er 85 Jahre alt.

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