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Christiane Paul mit Emmy.

Emmy, Grammy & Tony

Eine(r) wird gewinnen

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Ständig werden im Film- und Showbiz Preise vergeben. Sie sind die Währung für all die verdienten Kämpen der Unterhaltungsindustrie - und das trotz Inflation.

Alle Jahre wieder werden landauf, landab die Preise für die besten Arbeiten in Film und Fernsehen vergeben. Alle Jahre wieder? Längst nicht mehr, sondern eher: alle paar Monate, um nicht zu sagen: alle naslang. Wer nennt die Namen, zählt die Trophäen, mit denen die verdienten Kämpen der Unterhaltungs-Industrie überschüttet werden? Ob Oscar, César oder Goya, ob Emmy, Grammy oder Tony, ob Golden Globe oder Goldene Himbeere: Sie alle bieten einerseits Orientierung für die Branche, andererseits ein einkömmliches Auskommen für Schneider wie Schauspieler, für Selbstdarsteller wie Subventionsempfänger. Denn Auszeichnungen sind die Währung, die auf diesem Markt der Eitelkeiten zählt. Und wer nicht mindestens irgendwann eine Nominierung für die „Beste darstellerische Leistung – männliche Nebenrolle“ bei den „Lolas“ ergattern konnte, der kann nichts können, oder?

Eine(r) wird gewinnen, aber wer erinnert sich ein Jahr danach noch an die Sieger. Wem sagt der Name Laia Costa etwas? Sie spielte die Hauptrolle in „Victoria“. Christiane Paul hingegen, viel beschäftigt im deutschen Fernsehen, hat zwar schon mal die Goldene Kamera, aber noch keine Lola gewonnen, doch nun den Emmy. Bei der Verleihung jüngst in New York wurde die Ärztin und Schauspielerin als beste Darstellerin für ihre Rolle in dem Terrorismus-Thriller „Unterm Radar“ geehrt. Ebenfalls ausgezeichnet wurden die RTL-Serie „Deutschland 83“ und der Dokumentarfilm „Krieg der Lügen“– gleich dreimal Lorbeer für deutsche Produktionen: Der Jubel im Lande war groß, schließlich hatte man in den vergangenen zehn Jahren ganze zwei Mal gewonnen (2009 „Die Wölfe“, 2014 „Unsere Mütter, unsere Väter“) im New Yorker November, wenn der Emmy Award veranstaltet wird.

Der Emmy gilt als der renommierteste Fernsehpreis weltweit, steht aber ein wenig im Schatten von Oscar und Golden Globe, weil es eben um TV-Produktionen und nicht um Film geht. Nun verzeichnet aber das Wohnzimmerkino seit ein paar Jahren einen starken Aufschwung. Das hat auf der Verbraucherseite mit immer besseren und größeren Geräten zu tun, vor allem aber mit dem erfolgreichen Bemühen der Anbieter, dem Publikum mehr als das klassische Fernsehen zu bieten. Beispielhaft dafür steht das sogenannte „epische Erzählen“, vulgo: die Serie.

So wurde, bekanntestes Beispiel, der Oscar-prämierter Film „Fargo“ der Brüder Coen zu einer TV-Serie entwickelt. Der Anbieter Netflix, auf Verleih und Produktion von Serien spezialisiert, konnte einen rasanten Aufstieg verzeichnen und eroberte den globalen Markt mit Ware wie „Orange is the New Black“. Konkurrent HBO hat mit „Game of Thrones“, nun in der sechsten Staffel, ist insgesamt mit 38 Auszeichnungen quasi der Emmy-Rekordhalter.

Dass nun „Deutschland 83“ als beste Dramaserie 2016 gewann, ist nicht ganz so überraschend, wie es scheinen mag. Denn die Produktion wurde schon in den USA gezeigt und trägt deutlich eine amerikanische Handschrift, zeichneten doch die US-Autorin Anna Winger und ihr Mann Jörg als Ideengeberin und Produzent verantwortlich – was man den Filmen auch ansieht. Dabei zählte die Geschichte eines DDR-Soldaten (Jonas Nay), der in die BRD-Regierungskreise in Bonn eingeschleust wird, nicht unbedingt zu den ganz großen Momenten des heimischen TV-Programms im vergangenen Jahr.

Die beiden anderen Gewinner transportieren gleichfalls politische Inhalte: „Unterm Radar“ erzählt von einem weltweit aktuellen Phänomen: Christiane Paul gerät als Richterin in die Mühlsteine zwischen staatlicher Überwachung und Terrorismus. Und der Dokumentarfilm „Krieg der Lügen“ (Regie: Matthias Bittner) zeichnet die Geschichte eines irakischen Ingenieurs nach, der die Lüge von den Massenvernichtungswaffen in die Welt gesetzt und damit den USA den willkommenen Vorwand für den Irakkrieg 2003 geliefert hatte. Der Film war die Abschlussarbeit zweier Studenten der Ludwigsburger Hochschule, und die Freude von Regisseur Bittner und Produzent Paul Zischler war verständlich: „Kein deutsches Filmfestival wollte diesen Film zeigen. Am Ende landest Du in den USA, worum es in diesem Film eigentlich geht.“ Und nur ganz böse Zungen werden behaupten, dass die Emmy-Jury diese Dokumentation auch würdigte, weil die Amerikaner einen Iraker als Schuldigen an diesem Krieg ausmachen konnten.

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