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Nahost-Konflikt II

Eine Tragödie, aber unvermeidbar

Israels Luftangriffe auf den Gazastreifen, die unmittelbar bevorstehende Invasion von Bodentruppen, werden in Israel heftig debattiert. Von Ari Shavit

Von ARI SHAVIT

Die Operation "Vergossenes Blei" ist eine gerechte Kriegskampagne. Gerecht ist sie, weil im Sommer 2005 Israel alle jüdischen Siedlungen im Gazastreifen zerstörte und sich einseitig an die internationale Grenzlinie zurückzog. Sie ist gerecht, weil die palästinensische Einheit im Gazastreifen zwischen 2005 und 2008 das Ende der israelischen Besatzung nicht nutzte, um sich und seine Zukunft aufzubauen, sondern stattdessen immer wieder Israel innerhalb der Grünen Linie angriff.

Gerecht ist die Kampagne, weil der Staat Israel drei lange Jahre sich auf die Lippen biss und zurückhielt. Gerecht auch, weil kein Land dieser Welt es über einen längeren Zeitraum zulassen kann, dass seine Bürger im Stich gelassen und seine Souveränität verletzt werden. Gerecht ist die Kampagne, weil es keine Chance gibt für einen Frieden im Nahen Osten, wenn der jüdische Staat als eine leichte Beute betrachtet wird, die blutend Haie anlockt.

Die Operation "Vergossenes Blei" ist eine tragische Kampagne. Tragisch, weil sie Hunderte von Toten und Tausende von Verletzten bewirkt. Tragisch, weil unschuldige Palästinenser, darunter Frauen und Kinder, physisch und psychisch verletzt werden. Tragisch ist sie, weil sie, wie jeder Krieg, unerträgliche Not und zu Herzen gehendes Leid verursacht.

Aber die Tragödie ist unvermeidbar. Sie folgt direkt aus der Tatsache, dass die Palästinenser die historische Gelegenheit von 2005 nicht richtig genutzt haben. Sie folgt aus der Tatsache, dass die Palästinenser, als sie das erste Mal in ihrer Geschichte selbst eine Regierung stellten, sie missbrauchten. Sie folgt aus der Tatsache, dass das palästinensische Verlangen, Israel zu zerstören, noch immer stärker ist als das, Palästina aufzubauen.

Israelis, die Israel hassen, nennen die Operation "Vergossenes Blei" ein Kriegsverbrechen. Sie zählen die Namen eines jeden getöteten Palästinensers auf, verdammen jede israelische Aktion und stellen ihren Staat als einen Tyrannen dar. Während die Ägypter erklären, in erster Linie sei die Hamas verantwortlich für die Tragödie in Gaza, geben Israel hassende Israelis ihrer Regierung und dem israelischen Militär die Schuld. Während die internationale Gemeinschaft schweigend versteht, dass ein souveräner Staat dazu verpflichtet ist, das Leben seiner Bürger zu schützen, glauben Israel hassende Israelis, dass israelische Leben einfach aufgegeben werden können.

Während die einfachen Tatsachen zeigen, dass die Gewalt im Süden ausgeht von den abscheulichen Taten einer extremistischen Organisation, die den Gazastreifen in eine Terrorregion verwandelte, bestehen Israel hassende Israelis auf dem Hass gegen ihr Volk und ihr Land und verteidigen die destruktive Aggression der Hamas als moralisch gerechtfertigt.

Das ist kein Ruf, Israel hassende Israelis zu hassen. Am Ende ist ihre Position Mitleid erregend. Ihre Selbstgerechtigkeit ist alles andere als gerecht, ihrem Moralisieren fehlt jede Moral. Ihre Unfähigkeit, Mitleid zu zeigen für die Israelis in Beerschewa, Aschdod, Aschkalon und Siderot, zeigt, wie abgestumpft sie sind. Ihre Unfähigkeit, die die Grad-Raketen abfeuernden Araber als Täter zu betrachten, zeigt, dass sie nicht frei von Paternalismus sind.

Das wirkliche Motiv der Israel hassenden Israelis ist nicht ein wirkliches Interesse an den Palästinensern, sondern eher eine Art umgedrehter Rassismus. Indem sie Vergebung für palästinensischen Faschismus demonstrieren, wenden sie nicht nur den Israelis sondern auch den gemäßigten, freiheitsliebenden Palästinensern den Rücken zu. Wer Israel die ganze Schuld zu- und die Palästinenser von jeder Schuld freispricht, hilft weder der Sache des Friedens, noch fördert er das Ende von Gewalt und Besatzung. Solche Leute zeigen nur, wie blind ihr brennender Selbsthass sie macht.

"Gegossenes Blei" ist intelligent, beeindruckend. Die Überraschung war total, die Aufklärung hatte präzise gearbeitet, das Timing war brillant. Die Tatsache, dass die Operation startete, nachdem die Hamas eine sechsmonatige Feuerpause verletzt hatte, gibt ihr politische Legitimität und rechtfertigt sie auch moralisch. Dass sie sorgfältig geplant und durchgeführt wurde, hat das Vertrauen in die israelischen Fähigkeiten wieder hergestellt.

Möglich, dass nach den Luftangriff zu Beginn und nach der Zerstörung der Tunnel die Operation hätte suspendiert werden sollen. Vielleicht sollte jetzt der französische Vorschlag einer Waffenruhe angenommen werden und den Palästinensern eine letzte Chance gegeben werden, klaren Kopf zu zeigen. Wer aber die Operation in toto ablehnt, der ist blind gegenüber der Moral und der Realität.

Die nächsten Tage werden schwierig. Es wird vielleicht Fehler geben, Komplikationen, vielleicht sogar Opfer. Aber genau darum ist das nicht der richtige Zeitpunkt für eine Hasskampagne gegen Israels Führer, Befehlshaber, Soldaten, Piloten. Ganz im Gegenteil. Das ist der Zeitpunkt, Premierminister Ehud Olmert, der sich als ein respektabler nationaler Führer zeigt, die Hand zu drücken.

Das ist der Zeitpunkt, hinter den Kommandeuren, Soldaten und Piloten zu stehen, die Tag und Nacht arbeiten, um einen schwierigen, komplexen und vollkommen gerechten Krieg zu führen. Das ist der Zeitpunkt, dass Israel sich endlich als eine reife Nation verhält, die sich mit Weisheit und Zurückhaltung zu schützen versteht.

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