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NÄCHSTE FOLGE 60

Eine sexpositive Angelegenheit

  • Sonja Thomaser
    vonSonja Thomaser
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Die polnische Serie „Sexify“ ist eine leichte Geschichte, die ihr Potenzial nicht ausschöpft.

Die erste, offensichtliche und für den einen oder anderen möglicherweise immer noch schockierende Erkenntnis, die man aus der polnischen Netflix-Serie „Sexify“ mitnehmen kann, lautet: Ja, auch Frauen mögen Sex. Die Serie ist eine unbeschwerte, inspirierende, sexpositive Angelegenheit, in der es um drei Studentinnen geht, die eine revolutionäre App erfinden. Der Zweck ihrer innovativen technischen Kreation? Den weiblichen Orgasmus optimieren.

Natalia ist Jahrgangsbeste an ihrer Universität und möchte unbedingt den akademischen Wettbewerb für Abschlussarbeiten gewinnen. So kommt sie auf die Idee mit der App. Das Problem: Natalia interessierte sich bisher nicht für Sex. Hilfe erhofft sie sich von ihrer besten Freundin Paulina. Im Gegensatz zu Natalia hat Paulina viel Sex. Leider läuft das aber so ab: Paulinas Freund Mariusz überspringt das Vorspiel, Paulina liegt – unbefriedigt – untätig da und wartet, bis Mariusz fertig ist.

Da Paulina in Sachen Sex und insbesondere beim Thema Orgasmus also doch nicht so bewandert ist, wendet sich Natalia an ihre Wohnheimnachbarin Monika. Die hat viel Sex, sei es mit Männern, die sie zufällig trifft, oder über Online-Plattformen. Obwohl sie und Natalia sich nicht sofort verstehen, erkennen sie das Potenzial einer Zusammenarbeit bei der App.

„Sexify“ ist eine Geschichte von drei Frauen, die versuchen, trotz allen Widrigkeiten ihren Weg zu finden. Monika hat eine toxische Beziehung zu ihrem Ex-Freund und Probleme mit ihrem Vater und ihrer Mutter. Paulina schlägt sich mit familiären Ansprüchen für ihre Hochzeit und übergriffiger Einmischung in ihr Leben rum. Natalia findet Sex einfach eine schwierige Angelegenheit, mit der sie sich jetzt aber aufgrund der App auseinandersetzen muss.

Die achtteilige Netlix-Serie ist leicht und lustig, und feiert dabei die weibliche Sinnlichkeit, Befreiung und Unabhängigkeit. Sie hat gelungene feministische Ansätze, aber an einigen Stellen hakt es und wirkt auch zu gestellt. Das Brechen angeblicher „Konventionen“ ist zu häufig geplant, um als bahnbrechend angesehen zu werden. An der Realität vorbei erzählt ist zum Beispiel die enorme Berührungsangst der Frauen vor einem Vibrator. Paulina muss sich Mut antrinken, bevor sie ihn benutzt.

Wichtige Themen kommen zwar vor, werden aber nicht vertieft. Zum Beispiel, wenn Natalias Kommilitone Rafal wütend wird, als sie ihn abweist. Da Natalia keinen Freund hat, sieht er keinen legitimen Grund für ihre Ablehnung. Die Problematik, dass das „Nein“ einer Frau nicht ausreicht und nur aus Rücksichtnahme auf einen andern Mann respektiert wird, dass kein Sex stattfinden wird, hätte man hier sehr gut aufgreifen können.

Das gilt auch für die Storyline um Monikas Ex-Freund, der sie stalkt und anschreit: „Du benimmst dich wie ein kleines Kind!“, wenn sie nicht das tut, was er will. Dieses Verhalten ist natürlich aus feministischer Sicht ein absolut rotes Tuch. Monika ist in ihrem Leben von Männern umgeben, die sie kontrollieren wollen – auch ihr Vater tut dies. Daraus hätte man mehr machen können, wie zum Beispiel patriarchalisch geprägte Kontrollmechanismen thematisieren.

„Sexify“ klappert alle offensichtlichen Themen rund um Sex – Masturbation, Spielzeug und Pornos – ohne großen Anspruch und auch ohne Urteil ab und behält dabei einen stets optimistischen Ton. Doch bei den schwierigeren Themen, die teilweise anklingen, hätte die Serie ruhig etwas ernster sein können und tiefer in die Probleme, die gerade junge Frauen und ihre Sexualität betreffen, einsteigen können. Der feministische Geist der Serie wirkt so nämlich leider unvollendet.

„Sexify“, eine Staffel, auf Netflix.

Die Kolumne „Nächste Folge“ nimmt Streaming- und TV-Serien in den Blick. Mehr auf fr.de/naechste-folge

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