Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Der Mann, der das Geisterkind füttert, ersticht den Vorsitzenden. Hier noch ganz analog. Robert Schittko
+
„Eine posthumane Geschichte“: Der Mann, der das Geisterkind füttert, ersticht den Vorsitzenden. Hier noch ganz analog.

Schauspiel Frankfurt

„Eine posthumane Geschichte“ aus dem Schauspiel Frankfurt: Er arbeitet von zu Hause aus

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
    schließen

„Eine posthumane Geschichte“: Pat To Yans Science-Fiction-Stück als Uraufführungsfilm des Schauspiels Frankfurt und der Frankfurter Positionen.

Die fade und zugleich sinnenschärfende Situation in befremdlicher Einsamkeit macht auch das Jahr 2021 bisher zum perfekten Terrain für Science-Fiction-Geschichten. Das Schauspiel Frankfurt hat im Januar mit der Miniserie „Eternal Peace“ schon ausprobiert, wie wirkungsvoll das sein kann. Jetzt erfolgte – in Kooperation mit dem gestrubbelten, aber vorhandenen Uraufführungsfestival „Frankfurter Positionen“ – die Inszenierung von „Eine posthumane Geschichte“, dem neuen Stück des Hongkonger Autors Pat To Yan.

„Eine posthumane Geschichte“ ist der zweite Teil einer geplanten Serie namens „Posthuman Journey“, mit der Pat To Yan, Jahrgang 1975, die mögliche künftige Lage der Menschheit erkunden will. Wie man sieht, ist er in Maßen optimistisch, denn dem Titel entsprechend wimmelt es hier von Cyborgs, Mutanten und KIs, dazwischen allerdings legendäre chinesische Wesen. Die weiße Knochenfrau. Die Ansammlung gequälter Seelen. Auf eines nämlich – so sieht es naturgemäß der Autor – ist offenbar auch im posthumanen Zeitalter Verlass: auf die Macht des Erzählens, wenn einem nur die richtige Geschichte einfällt.

Der Abend war als Bühnenstück geplant. Während der Proben, berichtet Regisseurin Jessica Glause im hörenswerten Podcast (auf der Schauspiel-Seite), habe es zunächst so ausgesehen, als werde man doppelgleisig fahren. Am Ende dann die Entscheidung für die vorerst rein filmische Variante. Glause und vor allem die Probenbilder geben einen Eindruck davon, wie fundamental der Wechsel des Mediums ist. Um nur einen Aspekt herauszugreifen: Während auf der Bühne Verkleidungsvorgänge und helfendes Personal offenbar Teil des Spiels zwischen Illusion und Gemachtem geblieben wären, entstand mit der Hilfe von Benjamin Lüdtke (Kamera und Schnitt) nun eine glatte technische (Computerspiel-)Oberfläche, eine elegante Illusion, in der naive Elemente – der Sternenfünkchenregen für die Verliebten – nur noch eine milde ironisierende Funktion haben. Bruchlos in Szene gesetzt nun die Ausstattung von Mai Gogishvili, mit Metropolis-haften Bühnenelementen (die im Film zwischen den technischen Möglichkeiten fast etwas zurückweichen) und opulenten Kostümen (die nun erst recht zur Geltung kommen). Die perkussive Musik von Joe Masi wird von technisch aufgepeppten Bildeffekten begleitet.

Der Science Fiction kommt die Filmfassung, die buchstäblich den Boden der vertrauten Tatsachen verlassen und alle Erdenschwere überwinden kann, selbstverständlich entgegen. Das Politisch-Brisante, das der Hongkonger Pat To Yan eingebaut hat, tritt hinter der versierten Fassade vielleicht etwas stärker zurück, als es bei einer weniger smarten Aufführung mit nicht ganz so tief im virtuellen Spiel versinkenden Schauspielern und Schauspielerinnen der Fall gewesen wäre.

Es geht um eine Menge an Themen und Figuren (das Ensemble im permanenten Rollenwechsel). Im Zentrum gleichwohl die kleine Familie von Frank, dem allen Umständen zum Trotz sympathisch bodenständigen André Meyer, und der gescheiten Jane, Agnes Kammerer. Jane ist es, die für die skrupellose Unternehmerin Priscilla, Anna Bardavelidze, ein Programm entwickeln wird, mit dem auch ein totalitärer Herrscher die perfekte, mitreißende Geschichte für jedermann finden wird. Frank kann als unheimlich guter Computerspieler auch Drohnen unheimlich gut steuern. Das gemeinsame Kind, Uwe Zerwer, wird allerdings ohne Po geboren, in Erfüllung eines scherzhaften kantonesischen Fluchs. Die Zukunft zagt da nicht lange und baut dem Knaben einen neuartigen Cyberpo ein, der lediglich die Tücke mit sich bringt, das Kind rasch altern zu lassen. Es heißt Anders, schlägt sich gut und lernt mit dem Mädchen mit dem Baum, Vanessa Bärtsch, sogar die Liebe kennen,

Nicht zuletzt um seiner möglichen Verfluchung auf den Grund zu gehen, reist der Drohnenexperte nun selbst in die Konfliktregion, in der ihn Christina Geiße als Knochenfrau unterstützt und Pat To Yan wiederum eine Fülle an innerchinesischen Details abhandelt. Aber auch, wenn man ahnt, wie konkret manche Anspielung sein mag – die Ermordung des kugelförmigen Vorsitzenden, Jonathan Lutz, durch seinen Nachfolger, den Mann, der das Geisterkind füttert –, entfaltet sich die Handlung doch plausibel.

Eine gewisse Überforderung ist weniger heikel – zumal Autor, Regisseurin und Ensemble es einem leicht machen, 90 Minuten neugierig zu bleiben – als der Showdown, in dem sich manches Problem arg flugs auflöst. Denn das glaubt man doch verstanden zu haben: Auch künftig wird die Welt kein Computerspiel sein.

Schauspiel Frankfurt: Der Film ist buchbar via www.schauspielfrankfurt.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare