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Die Vorlage für Zombies, wie wir sie heute kennen: die wandelnden Untoten aus George A. Romeros Horrorklassiker „Night of the Living Dead“ (1968).
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Die Vorlage für Zombies, wie wir sie heute kennen: die wandelnden Untoten aus George A. Romeros Horrorklassiker „Night of the Living Dead“ (1968).

Monster

Eine kurze Chronik der Zombie-Mythologie

  • Valerie Eiseler
    VonValerie Eiseler
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Ende Oktober feiern wir Halloween. Und am kommenden Samstag ist Welt-Zombie-Tag. Dann sammeln Tausende verkleidet, gruselig stöhnend und mit ausgestreckten Armen Geld für den guten Zweck. Woher kommt die anhaltende Faszination der untoten Fleischfresser?

Bleiche Gesichter, ausdruckslose Augen, grabschende Hände – Zombies sind aus der klassischen Monster-Mythologie kaum mehr wegzudenken. Doch anders als Vampire und Werwölfe, deren früheste Erwähnungen in Teilen Europas zu finden sind, stammt der Zombie aus einer völlig anderen Region der Welt: Haiti.

Unter der brutalen Kolonialherrschaft Frankreichs wurden zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert Tausende Menschen aus Afrika nach Haiti entführt und auf Zuckerrohrplantagen versklavt. Die hier erstmals erscheinende Erzählung von sogenannten Zombies umfasste die Misere der oftmals bis zum Tode schuftenden Menschen.

Für das Magazin „The Atlantic“ beschreibt Autor Mike Mariani, dass haitianische Sklaven und Sklavinnen glaubten, der Tod würde sie aus der Folter befreien und zurück in die Heimat bringen. Allerdings nicht, wenn sie sich selbst das Leben nahmen. Dann wären sie für immer dazu verdammt, durch die Plantagen zu geistern – gefangen in einem Körper, der ihnen nicht mehr gehört. Diese Mythologie wurde nach der Haitianischen Revolution 1804 Teil der Folklore und kombiniert mit der haitianischen Voodoo-Religion, in welcher Schamane und Priester die Toten wiederbelebten. Der Mythos Zombie war damit geboren und lieferte den ersten Grundstein für die Version, die wir heute aus US-amerikanischer Popkultur kennen.

World-Zombie-Day: Woher kommt der Zombie-Mythos eigentlich?

Die Leinwandpremiere feierte der Zombie 1932 in dem Horrorfilm „White Zombie“ von Regisseur Victor Halperin. Darin lässt ein weißer Plantagenbesitzer auf Haiti eine Frau von einem Voodoo-Zauberer (gespielt von Bela Lugosi) in einen Zombie verwandeln, damit diese für immer bei ihm bleibt. Doch der Plantagenbesitzer wird selbst von dem Voodoo-Zauber getroffen und verwandelt sich in einen Zombie. Wie der Titel andeutet, besteht der Horror für damalige Zuschauerinnen und Zuschauer vor allem in der rassistisch motivierten Angst, dass ein weißes Paar von einem bösen Voodoo-Meister kontrolliert werden könnte. Der Film zeichnete eine Parallele zu der Sklaven-Besitzer-Dynamik, die in Haiti üblich war.

Doch obwohl das Hollywood der 1930er Jahre nach dem kommerziellen Erfolg von „Dracula“ und „Frankenstein“ gierig auf das nächste Kassenschlager-Monster war, setzte sich der Zombie nach seiner Premiere nicht sofort durch.

Das bleiche Monster, wie wir es heute aus Film und Fernsehen kennen, wurde erste einige Jahre später durch den Kultfilm „Night of the Living Dead“ (1968) von George A. Romero geschaffen. Romero prägte die Zombies als fleischfressende, wandelnde Untote, die aus reinem Instinkt handeln und über keinerlei menschliche Rationalität oder Emotion verfügen.

Vom Copyright-Fehler zum Kultmonster: Die Saga der Zombies in Popkultur

Die Verbreitung ausgerechnet dieser Version des Monsters mag zum einen daran liegen, dass Romeros Film, der schließlich noch die Fortsetzungen „Dawn of the Dead“ und „Day of the Dead“ hervorbrachte, von vielen Kritikerinnen und Kritikern bis heute als Meisterwerk gefeiert wird. Doch ein kleines Detail bei der Verbreitung des Films sorgte dafür, dass diese Version des Zombies auf den Kinoleinwänden unsterblich wurde. Denn Romeros Werk sollte eigentlich „Night of the Flesh Eaters“ – Nacht der Fleischfresser – heißen. Um aber nicht mit dem zuvor erschienen Film „The Flesh Eaters“ verwechselt zu werden, änderte der Verleih kurzerhand den Titel – und vergaß dabei, das Copyright unter den neuen Titel zu setzen. Unter dem damaligen Copyright-Recht galt der Film somit als ungeschützt.

Während zum Beispiel die populäre Darstellung von Frankensteins Monster als grünem Riesen mit quadratischem Kopf und Metallnieten im Hals bis heute von einem einzelnen Filmverleih kontrolliert wird, dürfen die fleischfressenden, hirnlos wirkenden Zombies wieder und wieder auf genau die gleiche Weise kopiert werden. Auch Romeros Film selbst hat zahllose Kopien hervorgebracht. Der Weg für eine Massenverbreitung der Zombies als Filmmonster war damit geebnet und ihre popkulturelle Mythologie felsenfest etabliert.

Die „Night of the Living Dead“-Reihe von Romero wird bis heute auch für ihre Sozialkritik gelobt. Im ersten Film ist der Protagonist ein Schwarzer US-Amerikaner, dem es gelingt, sich bis zum Schluss vor den fleischfressenden Zombies zu schützen, nur um dann von einer Gruppe nichtinfizierter weißer Menschen erschossen zu werden.

Ob Smartphones oder Konsum: Zombies stehen für Sozialkritik

Den zweiten Teil lässt Romero hingegen komplett in einem Einkaufszentrum spielen. Die Zombiemassen wandeln durch die Geschäfte ohne jegliche Wahrnehmung oder Kontrolle. Diese „Kaufen ohne zu denken“-Parallele machte die Kritik des Regisseurs an geistlosem Konsumverhalten recht offensichtlich. Romero setzte also nicht nur bei der Darstellung seiner Monster den Maßstab, sondern auch bei deren Bedeutung. Denn durch ihre schier endlose Laufbahn auf der Leinwand hinweg spiegelten Zombies stets die gesellschaftlichen Ängste und Sorgen ihrer Zeit wieder.

Moderne Verfilmungen seit Romero, wie etwa die Hit-Fernsehserie „The Walking Dead“, stellen sich in diese Tradition. Nur reflektiert vor allem diese Serie, passend zu ihrem späteren Erscheinungsdatum im Jahr 2010, vor allem die Angst vor dem Zusammenbruch gesellschaftlicher Ordnung. Auslöser dieses Zusammenbruchs ist der Ausbruch eines mysteriösen Virus, der einen Großteil der Menschheit befällt – eine Prämisse, die inzwischen weiten Teilen der Gesellschaft bekannt vorkommen dürfte. Die übergreifende Angst dieser Zombie-Apokalypsen-Werke, darunter etwa auch „World War Z“, gilt vor allem dem Verlust menschlicher Zivilisation. Der Kontext bietet Filmen und Serien eine simple Grundlage, um das Menschsein zu hinterfragen: Was macht eine neue Zivilisation gut oder böse? Was macht uns menschlich, wenn ein Großteil unserer Artgenossen ihre eigene Menschlichkeit verloren haben?

Eine kurze Einführung in die Zombie-Mythologie

Über die Angst vor dem Zusammenbruch hinaus repräsentiert der Zombie durch seinen wörtlichen Zerfall nicht selten auch die generelle Angst vor dem Zerfall der Menschheit im übertragenen Sinne. Eine Bedrohung, die sich für viele vor allem bei Anbruch des digitalen Zeitalters als unmittelbar bevorstehend anfühlte. Computer, Internet, Smartphone – wie viele Essays, Bücher und Interviews wurden veröffentlicht, nur um vor dem Verlust von menschlicher Nähe, Kommunikation und kritischem Denken zu warnen?

Die vermeintliche Apathie junger Menschen aufgrund von Technologie wurde sogar mit dem Wort „Smombie“, einer Kombination aus den Begriffen „Smartphone“ und „Zombie“, bezeichnet. Ob diese Bezeichnung nun wirklich die Auszeichnung des Jugendworts 2015 verdient hatte, bleibt umstritten, doch die Tatsache, dass ausgerechnet „Zombies“ als Vergleich gewählt wurden, stellte niemand infrage.

Während also ein simpler Copyright-Fehler dafür sorgte, dass der Zombie sich seit Jahrzehnten weiter erfolgreich auf den Leinwänden tummeln darf, scheint er auch aufgrund seines Wesens – oder vielmehr der Abwesenheit seines Wesens – zu faszinieren. Zombies dienen, abseits von ihrer akuten fleischfressenden Bedrohung, stets als Zerrbild unserer eigenen Menschlichkeit und als Warnung vor deren Verlust. Zugegebenermaßen sind sie aber auch einfach schön gruselig.

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