Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

FR-Sommerkrimi

Eine Frage der Ethik

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
    schließen

Der FR-Sommerkrimi Folge 7: Zürich. Ein hochkarätig besetzter, gleichwohl problematischer Film aus dem Fußball-Milieu.

Drehbuch zum neuen ARD-Sommerkrimi im organisierten Fußballmilieu / Regie: Uwe Boll

Der ehemalige Privatdetektiv Väinö Ukkonen (wortkarg: Jürgen Vogel), trockener Trinker, ehemaliger Glücksspieljunkie und desillusionierter Ex-Privatdetektiv aus Helsinki, schiebt als Ermittler der Ethik-Kommission der Fifa in Zürich eine eher ruhige Kugel. Das ändert sich, als ihn der ranghohe Funktionär László Papp (etwas blass: Ben Kingsley) anruft: Die Mannschaft seines Sohnes hat gegen die D-Jugend des FC Brüttisellen-Dietlikon verloren. Ukkonen soll dem Schiedsrichter die Nase brechen. Der Ethik-Ermittler macht sich auf den Weg in die Safari-Bar, der Stammkneipe des Schiedsrichters Ahti Mäkelä (gegen den Strich besetzt: Moritz Bleibtreu).

In der Safari-Bar entdecken Ukkonen und Mäkelä, dass sie manches verbindet (trockene Trinker, ehemalige Glücksspieljunkies und desillusionierte Privatdetektive aus Helsinki). Man ist sich sympathisch und baut einen gemeinsamen Rückfall. Mäkelä macht gegenüber Ukkonen geheimnisvolle Andeutungen über ein „ganz großes Spiel“, das bei der Fifa abseits des Fußballplatzes laufe. Aber so genau will es Ukkonen gar nicht wissen. Mitten in die Sauforgie platzt ein erneuter Anruf: Die Katze der Ehefrau (bemüht: Micaela Schäfer) des umstrittenen sudanesischen Fußballfunktionärs M’shimba M’shamba (bedrohlich: Forest Whitaker) hat sich auf den Ast eines Baumes verirrt und kommt alleine nicht mehr herunter. Der Ethik-Ermittler eilt sofort zum Tatort.

Dort läuft alles schief. Der stark angetrunkene Ukkonen schießt das störrische Vieh vom Baum, ihr Frauchen erleidet einen Ohnmachts-, ihr Herrchen einen Tobsuchtsanfall. M’Shamba hetzt Ukkonen seine Leibwächter (lakonisches Trio: Christoph Waltz, Til Schweiger, Atze Schröder) auf den Hals. Eine wilde Jagd durch Zürich beginnt. Ukkonen schafft es mit knapper Not zurück in seine Wohnung – wo er von der Kantonspolizei wegen des Mordes an Mäkelä verhaftet wird. Die Leiche des Schiedsrichters ist kurz zuvor in der Limmat treibend nahe dem Hotel Baur au Lac gefunden worden.

Der seine Unschuld beteuernde Ukkonen verbringt eine furchtbare Nacht in der Kantonspolizeizelle. Doch am Morgen erwartet ihn seine überraschende Freilassung sowie eine Limousine mit Chauffeur: Der ehemalige Fifa-Präsident und jetzige Rentier Joszip Wissionarowitsch (authentisch: Mario Adorf) will den Ethik-Ermittler unverzüglich in seinem Anwesen am Genfer See sprechen und hat die Kaution für Ukkonen bezahlen lassen – in bar.

In der palastartigen Villa des Ex-Funktionärs wird Ukkonen von Wissionarowitsch ausgiebig zu seinem Gespräch mit Mäkelä befragt, beteuert aber wahrheitsgemäß, sich an fast nichts mehr erinnern zu können. Der gastfreie Wissionarowitsch bietet dem offensichtlich verkaterten Ukkonen eine provisorische Unterkunft im Westflügel seiner Villa sowie eine nach oben offene Menge an Bargeld, Koks, leichten Mädchen und Panini-Sammelbildern an – ein Angebot, dem der Ethik-Ermittler unmöglich widerstehen kann. In der kommenden Nacht kann Ukkonen nicht schlafen – das viele Koks.

Bei einem nächtlichen Bummel durch den Park belauscht Ukkonen ein Gespräch zwischen Wissionarowitsch und dem geheimnisvollen russischen Sportfunktionär Dr. Wiktor Korsakow (in einem überraschend realistischen Cameo-Auftritt: Lothar Matthäus). Es stellt sich heraus, dass die gesamte Fifa offenbar nur ein Tarnunternehmen ist, das den eigentlichen Geschäftszweck, Menschenhandel mit minderjährigen osteuropäischen Prostituierten, verschleiern soll. Der Trick: Die Dirnen werden, als „Spielerfrauen“ getarnt, zu internationalen Turnieren eingeflogen und umgehen so sämtliche Einreisehindernisse. Wissionarowitsch und Korsakow planen, Ukkonen als potentiellen Mitwisser ebenfalls in der Limmat zu entsorgen.

Als seit Jahren ermittelnder Ethik-Ermittler hat Ukkonen selbstverständlich belastende Nacktbilder sämtlicher Fifa-Funktionäre in der Schublade. In einem klaustrophopisch-kammerspielartigen, stark dialoglastigen Finale (Gast-Regie: Wim Wenders) macht Ukkonen Wissionarowitsch klar, dass diese Bilder bei einem Notar in Bern hinterlegt seien und im Falle seines Ablebens an sämtliche Chefredaktoren der Kantonspresse geschickt würden. Wissionarowitsch gibt klein bei: Ukkonen steigt zum Chef-Ethik-Ermittler der Fifa auf und wird mit einer Villa bei Lausanne und der Zusicherung, dass die WM 2026 in Finnland stattfinden wird, ruhig- und zufriedengestellt.

Die letzte Szene des Films ist eine Zukunftsvision: Sie zeigt die finnische Nationalmannschaft 2026 beim Einlauf ins Olympiastadium von Helsinki, überblendet von der Schlagzeile des „Helsingin Sanomat“, dass noch niemals zuvor in der Geschichte der Fifa so viele Spielerfrauen einer Fußball-WM beigewohnt hätten.

„Boll und Wenders gelingt es, die Atmosphäre von Angst und Terror, die die Fifa auf den Straßen Zürichs verbreitet, in elegische Bilder von hoher Tiefenschärfe zu bannen.“ Lexikon des internationalen Films

„Das ist eigentlich gar kein Krimi. Eher so eine Art Fußballfilm.“ 11 Freunde

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare