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Ein Palazzo Berggruen am Canale Grande

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Von: Ingeborg Ruthe

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Den Kunstsammlersohn Nicolas Berggruen zieht es zur 59. Biennale nach Venedig.

Nicolas Berggruen, einst Walstreet-Broker, später Multi-Investor, insbesondere in Berlin, der Geburtsstadt seines Vaters, des hochgeschätzten Museumsmäzens und Ehrenbürgers Heinz Berggruen, hat sich abermals schwer verliebt. Eine Liebe, die vor allem Begehren bedeutet.

Diesmal aber gilt des Berggruen Juniors Obsession nicht Berlin, wo er sich nach der Jahrtausendwende in das Café Moskau an der Karl-Marx Allee vernarrte. Das hat er preiswert gekauft und teuer sanieren lassen. Er wollte den denkmalgeschützte Ausgeh-Tempel, so tönte er damals großspurig, für die Berliner wiedereröffnen. Und zwar mit Restaurant, als Tanz- und Konzert-Lokal und diversen Kulturangeboten. Ein falsches Versprechen. Das Kleinod der sozialistischen Moderne ist fast immer dunkel und leer, es öffnet nur gelegentlich für einträgliche Großevents. Sonst darf keiner rein.

Diesmal schlug Venedig, dieser uralte urbane Mythos aus Wasser und Renaissance- und Barock-Steinen den reichen Kosmopoliten Nicolas Berggruen in den Bann. Dieser Tage ließ der Karstadt-Versenker die erstaunte Kunstwelt wissen, dass sein Chariable Trust den altehrwürdigen Palazzo Diedo im nördlichen Stadtviertel Cannaregio gekauft hat.

Venedig hat ja schon lange einen romantischen Palazzo der Sammlung Peggy Guggenheim. Nun bekommt es auch noch einen Palazzo Nicolas Berggruen. Der wird aufwendig restauriert, und dann startet Berggruens „Art & Culture“. Basis des Ausstellungsprogrammes soll die private Sammlung des nunmehrigen Besitzers sein. Zudem schweben dem in Paris geborenen Wahl-Kalifornier künftige auch Symposien und eine Künstlerresidenz vor. Einen Direktor hat das private Kunsthaus auch schon: Mario Codognato. Der war zuvor Chefkurator des Madre-Museums in Neapel sowie Chef der Anish Kapoor Foundation Venedig.

Innovativ soll es zugehen im historischen Ambiente des Mäzens. Das noch etwas provisorische Housewarming obliegt Sterling Ruby aus L.A. als erster Artist in Residence zur 59. Biennale Ende April. Zur 60. Kunstbiennale 2024 soll dann alles perfekt sein. Das kostet einiges. Und so ist es kein Wunder, dass man in Kunstkreisen raunt, eine am 1. März bei Christie’s London für sechs Millionen Pfund versteigerte Picasso-Grafik aus dem Berliner Museum Berggruen, welch merkwürdige „Umverteilung“, sponsere den Deal La Serenissima.

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