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Édouard Louis bei einer Buchpräsentation 2015 in Madrid. Jetzt kommt er nach Frankfurt.
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Édouard Louis bei einer Buchpräsentation 2015 in Madrid. Jetzt kommt er nach Frankfurt.

„Die Freiheit einer Frau“

Édouard Louis „Die Freiheit einer Frau“: Nicht den Kopf wegdrehen

  • VonAndrea Pollmeier
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Édouard Louis stellt im Frankfurter Schauspiel seine Erzählung „Die Freiheit einer Frau“ vor.

Mein „autobiographischer Krieg“ wird weitergehen, sagt Édouard Louis. Gerade hat der französische Autor seine von Hinrich Schmidt-Henkel übersetzte Erzählung „Die Freiheit einer Frau“ auf Einladung des Literaturhauses im Schauspiel vorgestellt. Die Kraft seines gesprochenen Wortes wirkt so direkt und authentisch, wie sein geschriebenes Werk. Das vorwiegend jüngere Publikum geht mit ihm mit, applaudiert nahezu enthusiastisch, wenn er – angeregt durch Peter Handkes Erzählung „Wunschloses Unglück“ – Distanz nimmt zu einem wie er sagt „bourgeoisen“ Literaturbegriff. „Man hat mir gesagt, die Literatur dürfe niemals versuchen, die Wirklichkeit zu erklären“, heißt es auf den ersten Seiten der autobiografischen, von dem Schauspieler Christoph Pütthoff vorgelesenen Erzählung. Nicht erlaubt sei es auch, einem politischen Manifest zu ähneln, Gefühle zur Schau zu stellen, und Geschichten zu wiederholen. Louis macht aber genau das.

Schüchtern und freimütig

Mit warmer Spontaneität reagiert Édouard Louis auf den nüchternen Ton der österreichischen Journalistin Anne-Catherine Simon. Sie geht nie auf das zuvor Gesagte ein, es entsteht also kein – von Heidi Ruppert sehr genau übersetztes – Gespräch, und doch zieht der Austausch in den Bann, füllt Louis, schüchtern und freimütig zugleich, den Raum mit seltener Präsenz. Gegen Distanz anzutreten ist er offensichtlich gewohnt, das wissen seine Fans seit Erscheinen seines ersten autobiographischen Textes, der unter dem Titel „Das Ende von Eddy“ 2015 auch bei Fischer erschienen ist.

Von Anfang hat Louis das eigene Leben thematisiert und sich damit nicht nur Freunde gemacht. „Fiktion ist nichts für mich“, erklärt er. Vor allem das Autobiografische könne politische Kraft entfalten. Wenn es um das wahre Leben geht, sei man mit der Realität konfrontiert und könne den Kopf nicht wegdrehen.

Sein Ziel ist es, den sozialen Bedingungen nachzuspüren, die den tragischen Lebensweg des Einzelnen bestimmen. Schreiben ist ihm Kampf gegen soziale Gewalt. Als der Autor die ersten Passagen des Buches selbst liest, huscht jedoch beim Wort „le bonheur“ (das Glück) ein leichtes Lächeln über sein Gesicht. Das ist das Ziel. Und es ist vielleicht die beglückende Botschaft dieses Buches, dass es für diese Frau, die Mutter, von der er erzählt, möglich wurde, einen Weg aus der Misere zu finden. Denn am Ende keimt Hoffnung auf. Erstmals – so Louis – spricht die Mutter von einem Leben, das in der Zukunft liegt.

Momente der Scham markieren den von Louis beschriebenen Weg, auf dem sich der Sohn auch selbst als Verursacher der mütterlichen Zerstörung erkennt. Aus Angst, sie könne von seiner homosexuellen Neigung erfahren, versucht er früh, Distanz zu schaffen. Auf dem Gymnasium schämt er sich zudem für ihre mangelnde Bildung, verleugnet sie vor den Klassenkameraden.

Das Buch sei, nachdem er über sich und seinen Vater geschrieben habe, keine „Wiedergutmachung“ erklärt Louis. Es gehe darum, nun aus der Perspektive der Mutter zu erzählen, das sei eine andere Geschichte, in gewissem Sinne sei sie darin nicht dieselbe Person. Erkennbar wird eine von der maskulinen Umwelt zunehmend erniedrigte Person, die nach Freiheit und Glück strebt. Doch anders als in Handkes Erzählung gelingt es der Mutter, sich zu emanzipieren. Diesen Weg hat Louis mit tiefem Einfühlungsvermögen nachgezeichnet.

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