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Der Sänger Dan Auerbach der US-amerikanischen Band "The Black Key"s steht am Samstag (28.01.2012) in der ausverkauften Arena in Berlin auf der Bühne.

The Black Keys in Berlin

Zu durchgeplant für den abgefuckten Sound

Manche Kritiker nennen The Black Keys die beste Rockband der Welt. Zurecht. Denn in der Berliner Arena legen die Jungs um Dan Auerbach und Patrick Carney ein fulminantes Konzert hin. Aber ihr plötzlicher Erfolg könnte bald wackeln.

Von Minh Duc Nguyen

Sie können die Menge mit ein paar minimalistischen Soundeinlagen in Ekstase versetzen, das haben die Black Keys schon oft bewiesen: 7000 begeistere Fans verwandelten die denkmalgeschützte Arena in Treptow in eine Art Indoor-Festival. Der eine oder der andere mag unter Drogen stehen: Stets liegt ein süßer Geruch von Cannabis in der Luft und das Bier wird en masse konsumiert. Das kollektive Hüpfen, Jaulen und Kreischen verursacht aber in erster Linie die Performance vom studentisch wirkenden und wortkargen Duo.

Manche Kritiker würden sagen: Was für ein Konzert! und hätten damit nicht übertrieben. Da war sogar die Rede von der besten Rockband der Welt, bestehend aus zwei Jungs, die noch vor drei Jahren froh waren, hätte man ihnen den Boden und die Isomatte zum Schlafen zur Verfügung gestellt.

Nebengeräusche als Teil der Musik

Zwei Jungs, die den dreckigen Blues wiederbelebt und alltagstauglich gemacht haben, in dem sie sich tagelang im Waschkeller abschotten, Songs proben und all das aufnehmen, was für ihre Ohren erträglich war. Und erträglich oder sogar gut war für sie nicht der steril und geschliffene Song. Vielmehr sind Hintergrundgeräusche auf den ersten Alben wie "The Big Come Up" oder "Thickfreakness", das, was ihren Songs eine charakteristische Note verliehen hatte.

Sogar auf ihrem vierten Album Attack & Release, das sie damals schon mit Danger Mouse, der mit Gnarls Barkley und dem Album St. Elsewhere seine bis dato größte Bekanntheit feierte, aufgenommen haben, hört man hin und wieder das Klacken eines Schlosses oder das Brummen eines vorbei düsenden Trucks. Aber alles wohl dosiert.

Zu gute Dosierung

Mit ihrem Durchbruch vor gut zwei Jahren, in erster Linie mit Ohrwürmern wie „Tighten Up oder "Ten Cent Pistol" aus dem Album Brothers, sind diese dreckigen Nebengeräusche verloren gegangen. Stattdessen drängeln sich massentaugliche, gute Laune-Singles wie "Lonely Boy" oder "Run Right Back" vor.

Hinzu kam die solide Soundanlage in der Berliner Arena, die jeden Basston so feinjustiert, dass sogar die Schweißtropfen rhythmisch auf den Boden klatschen. Dem Publikum in der Berliner Arena gefiel es. Dass es sich bei der Mehrheit um neue Fans handelte, war an der Lautstärke ihres Geschreis messbar, die immer dann in die Höhe schoss, sobald aus den Boxen Tracks aus dem aktuellen Album "El Camino" ertönten.

Und genau das wussten die Veranstalter, das Management der Band. Die Dosierung: sieben Songs aus dem aktuellen Album, sechs aus dem vorletzten und so weiter und so fort, war optimal. Sogar der eingesetzte Pianist und ein weiterer Gitarrist waren übergangslos platziert.

Drei Jahre kreative Pause

Dem Magen des eingefleischten Fans tat es insofern weh, diesen Anblick ertragen zu müssen, wie zwei Virtuosen in die Zwangsjacke der Perfektion gesteckt werden, um ein möglichst breites Publikum zufrieden zu stellen.

Die Erlösung kam aber doch noch. Nach zirka 20 Minuten durften Dan Auerbach und Patrick Carney zu Zweit auf die Bühne.

Auerbachs bis dahin so glasklare Stimme wurde deutlich rauer, die Gitarrenriffs abrupter, Patricks schweißgebadetes Gesicht noch schmerzverzerrter als ohnehin schon. Da waren sie wieder: Zwei Jugendliche aus der Nachbarschaft, die zusammen abgefuckt gute Musik spielen.

Doch dieser schnelle Erfolg könnte auch ein Schuss nach hinten sein. Dass den Jungs die Masse an Publikum, Presseleuten und der scheinbar unaufhaltbare Hype unangenehm ist, merkt man an ihrer schüchternen Ehrlichkeit. Und dass der schnelle Ruhm manchen Musiker ins Verderben bringen kann, eine Liste mit Beispielen würde locker eine Seite füllen. Daraus abgeleitet wäre eine eine kreative Pause von mindestens drei Jahren empfehlenswert. Denn das sind zwei ehrliche Jungs, die einfach nur Musik machen und nicht in die Popularisierungsmaschinerie gezogen werden wollen.

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