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Eva Löbau hat weder ein typisches Seriengesicht noch ist sie die typische ZDF-Langeweilerin, die sich durch cornwallsche Landschaften schluchzt. Zum Glück.

ZDF-Serie „Lerchenberg“

Der Durchbruch. Mal wieder

Die Schauspielerin Eva Löbau sollte längst viel bekannter sein – vielleicht klappt es ja mit der Comedy-Serie „Lerchenberg“.

Von Andreas Kurtz

Die Schauspielerin Eva Löbau sollte längst viel bekannter sein – vielleicht klappt es ja mit der Comedy-Serie „Lerchenberg“.

Wenn man denen, die es wissen müssen, Glauben schenkt, dann steht der endgültige Durchbruch der Schauspielerin Eva Löbau mal wieder unmittelbar bevor. Sie selbst bleibt skeptisch: „Mir wurde schon oft nach Filmerfolgen eine steile Karriere vorausgesagt, die sich allerdings nie bewahrheitet hat. Ich sehe das inzwischen gelassener.“

Die 40-Jährige sagt über sich nicht ohne Ironie: „Ich bin ein Star des internationalen Studentenfilms.“ Das klingt ein wenig wie damals, als es über Harald Juhnke hieß: „In Berlin ist er weltberühmt?…“ Eva Löbau ist an den kommenden beiden Freitagen im ZDF-Programm mit je zwei Folgen der mit viel Vorschusslorbeer bedachten Comedy-Serie ?Lerchenberg? neben Sascha Hehn in der Hauptrolle zu sehen.

In Studentenfilmen begann sie als junge Absolventin des Max-Reinhardt-Seminars in Wien ihre Arbeit vor der Kamera: „Meine ersten Filmerfahrungen waren durchweg positiv, ich bin da immer an interessante Leute geraten.“ Sie brachte auch den Studenten, die mit ihr drehten, Glück. Und sich selbst nicht viel weniger. Als Hauptdarstellerin in „Ich werde dich auf Händen tragen“ von Jungregisseur Ian Dilthey wurde Eva Löbau 1999 auf dem Internationalen Filmfestival im spanischen Gijon in der Kategorie „Beste Schauspielerin“ ausgezeichnet.

„Eines meiner schönsten Festivalerlebnisse.“

Sie erinnert sich gern: „Gijon ist eine nicht besonders große Stadt in Asturien und eines meiner schönsten Festivalerlebnisse.“ Weil neben ihr die verehrte Maria Hofstätter nominiert war, der sie den Preis wegschnappte, hatte Eva Löbau damals fast ein schlechtes Gewissen, wie sie sagt. Ihre Analyse, warum sie den Preis bekam und nicht die Kollegin: „Mein Film war sentimentaler, die Asturier lieben das.“

Seitdem schafften es Studentenfilme mit Eva Löbau immer wieder auf Festivals. Jüngstes Beispiel ist „Der fremde Fotograf und die Einsamkeit“ von Jan Eichberg und Willy Hans, zwei Studenten von Wim Wenders. Dieser Fünfminutenfilm war ursprünglich nur als Übung im Umgang mit der 3-D-Kamera gedacht und soll nun in Cannes laufen.

Als Eva Löbau im Jahr 2008 die Rolle der Fernsehredakteurin in „Lerchenberg“ angeboten wurde, deren neue Aufgabe es ist, ein Comeback für Sascha Hehn (der sich selbst spielt) zu organisieren, stieg sie in die „Comedyforschung“ ein. Sie schaute sich Serien wie „30?Rock“, „Episodes“ und „Extras“ an. „Immer wieder fragte ich mich, warum schalte ich bei einer Sendung ab und bleibe bei einer anderen hängen?“

Ihre Voraussetzungen für die Rolle waren nicht schlecht: „Ich war schon auf der Schauspielschule ein guter Clown und arbeite seit zwölf Jahren mit der Theatergruppe ‚Die bayerische Geisha‘ in München, bei der es oft um Humor geht.“ Die Filme, in denen sie bisher spielte, umschreibt sie allerdings mit einer Formulierung Sascha Hehns aus „Lerchenberg“ und nicht ganz ernsthaft so: „Die laufen meist irgendwann gegen Mitternacht, wenn keiner guckt. Und wenn keiner guckt, ist es auch kein Fernsehen.“

„Kaserne am Rande einer mittelgroßen Stadt“

Das ZDF-Gelände in Mainz empfindet sie als „Kaserne am Rande einer mittelgroßen Stadt“, deren Anblick sie staunen lässt: „Man wundert sich, dass dort manchmal Sendungen produziert werden, die so etwas wie Glamour ausstrahlen.“

Wenn es nach Eva Löbau ginge, dann wird die Miniserie „Lerchenberg“, von der bisher nur vier Folgen existieren, fortgeführt. So eine charmante Portion Selbstironie steht dem ZDF nicht nur zu seinem 50.?Senderjubiläum gut zu Gesicht. „Ich glaube, dass Serien ein Ablaufdatum haben. Aber nach vier Folgen aufzuhören, das wäre verschenkt.“

Jetzt, wo Sascha Hehn auch im richtigen Leben versorgt ist – er wurde gerade als neuer ZDF-Traumschiff-Kapitän vorgestellt, was wie eine Überpointe von „Lerchenberg“ wirkt – könnten ja andere Abteilungen des Senders, wie die Sportredaktion oder die Unterhaltungsabteilung, für einige Folgen in den Mittelpunkt der Serie rücken. Eva Löbau wäre gern weiter dabei und würde sich bei einer Fortsetzung mit Freuden bei den Drehbüchern einbringen.

Manchmal stellt sich für einen Schauspieler erst während der Arbeit heraus, dass das Projekt, für das man ihn gewonnen hat, in eine andere als die besprochene Richtung driftet. Es gibt Kollegen, die dann spontan krank werden. Eva Löbau, die als drittes Kind österreichischer Gastarbeiter (ihr Vater arbeitete bei Daimler-Benz) in Deutschland geboren wurde, zieht Arbeit bis zum Ende durch. Und bringt sie auch nicht einfach bloß irgendwie hinter sich, sondern mit vollem Einsatz. „Ich sage mir dann: Das muss jetzt auch was Gutes werden!“

Das Gespräch in einem Café in Prenzlauer Berg, dessen Mobiliar Sperrmüllcharme verströmt und dessen Gäste direkt aus einer Prenzlauer-Berg-Klischee-Kartei entsprungen scheinen, neigt sich dem Ende zu. Der Fotograf beginnt mit seiner Arbeit. Er fragt zwischendurch freundlich nach einem kleinen Lächeln und bekommt zur Antwort: „Ich will ja lieber wild und gefährlich wirken ...“

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