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eine Lebensrolle war Shakespeares Kaufmann von Venedig: Pinkas Braun, 1923 - 2008.

Zum Tod von Pinkas Braun

Dunkler Blick, tiefe Stimme

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Der Schauspieler Pinkas Braun ist 85-jährig in München gestorben.

Wahrscheinlich war es die Ordnung, die mich im Theater so anzog": Ein doch verblüffender Satz für einen Schauspieler. Aber Pinkas Braun erklärt in seiner jüngst erschienen Biografie "Vorspiel" die Faszination mit Unordnung im Leben des Heranwachsenden: "Wie froh war ich, wenn am Abend der Vorhang aufging und eine bekannte Zukunft vor mir lag". Denn für den 1923 in Zürich geborenen Sohn eines galizischen Händlers stellten sich die Aussichten in der Schweiz nicht vielversprechend dar, musste die Familie doch immer damit rechnen, ihre Aufenthaltsgenehmigung zu verlieren.

Doch das Theater hatte auf den jungen Pinkas Braun solchen Eindruck gemacht, dass er auf Sicherheit verzichtete, nach nur neun Monaten seine Kaufmannslehre abbrach und sich mit knapp 18 als Statist am Zürcher Schauspielhaus verdingte, in dessen Ensemble er dann 1945 kam. Aus dem körperlich kleinen Darsteller wurde im Laufe der Jahre einer der großen Schauspieler deutschsprachiger Bühnen, ein Protagonist in den Stücken der wichtigen Nachkriegsautoren wie Camus, Frisch oder Dürrenmatt. Er spielte an der Wiener Burg wie am Hamburger Thalia-Theater. Wichtige Filmrollen in den fünfziger Jahren hatte er in "Wir Wunderkinder" und "Himmel ohne Sterne". Jetzt ist Pinkas Braun 85-jährig in München gestorben.

In seinen Rollen fiel Braun schon durch das Äußere auf: Scharfes Profil, dunkler Blick unter starken Brauen und dazu eine Stimme wie Schwermetall. Die er allerdings nicht dröhnen ließ, seine Sprache war eher von nachdrücklicher, je nach Rolle auch einschüchternder Langsamkeit. So lieh er in der deutschen Filmfassung von "Der Name der Rose" dem mönchischen Detektiv William von Baskerville seinen Bass.

Kriminalfälle beförderten seine Popularität zumal beim Fernsehpublikum; in den Edgar-Wallace-Gruselgeschichten der sechziger Jahre war er der Zwielichtige, wenn nicht der Schurke. Zur Rolle seines Lebens aber wurde eine Bühnenfigur, die als Verkörperung des Grausamen gilt und doch nur "Gerechtigkeit" will: Shakespeares "Kaufmann von Venedig".

Braun war aber schon früh nicht nur Darsteller; so assistierte er 1948 Bert Brecht bei der Uraufführung von "Herr Puntila und sein Knecht Matti" und förderte die Stücke Edward Albees, dessen Übersetzer er auch war.

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