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Das Neven DuMont Haus in Köln.

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DuMont plant offenbar Verkauf

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Das traditionsreiche Verlagshaus will sich einem Bericht zufolge von sämtlichen Zeitungstiteln trennen.

Der Kölner Verlag DuMont will sich einem Bericht des Medienblatts „Horizont“ zufolge von seinem Zeitungsgeschäft trennen. Derzeit werde unter anderem eine „Veräußerung von Teilen des Portfolios“ geprüft, sagte eine Sprecherin des Unternehmens dazu dem Evangelischen Pressedienst. In der Diskussion seien aber verschiedene Handlungsoptionen, um eine zukunftsfähige Aufstellung sicherzustellen. Aktuell gebe es „weder konkrete Ergebnisse noch Entscheidungen“.

Zu DuMont gehören die Abonnement-Titel „Kölner Stadtanzeiger“, „Berliner Zeitung“ und „Mitteldeutsche Zeitung“ und die dem Boulevard zugerechneten Blätter „Express“, „Berliner Kurier“ und „Hamburger Morgenpost“. Auch Druckereien und Anzeigenblätter will man dem Bericht zufolge demnach loswerden.

Als Quelle gibt „Horizont“-Autorin Ulrike Simon ein Papier an, in dem der Verlag die Münchner Firma Goetzpartners Corporate Finance beauftragt hat, die Möglichkeiten für das Abstoßen der Printprodukte zu sondieren. Wenn das Vorhaben von DuMont-Geschäftsführer Christoph Bauer in die Tat umgesetzt werden sollte, wäre das einer der bisher schärfsten Einschnitte in der bundesdeutschen Presselandschaft.

DuMont kann auf eine mehr als hundertjährige Tradition als Verlag verweisen und wird derzeit in der zwölften Generation als Familienunternehmen geführt. Weithin bekannt wurde es etwa auch durch seine Reisebücher. Vor vier Jahren starb 88-jährig Alfred Neven DuMont, Nestor des deutschen Verlagswesens; er wurde jedoch nicht von seinem Sohn Konstantin beerbt. Stattdessen vertraten zunächst Isabella, Konstantins Schwester, und Christian DuMont Schütte (als Vorsitzender des Aufsichtsrats) die Interessen der Familie. Die Geschäfte führt seit 2014 Christoph Bauer, Jahrgang 1970, zuvor einst bei Bertelsmann. Er hatte noch im vergangenen November eine „Neuausrichtung“ der regionalen Medien verkündet und Anfang dieses Jahres von einer positiven Entwicklung bei der „Perspektive Wachstum“ berichtet.

Tatsächlich aber litt DuMont wie die meisten Verleger von Printprodukten unter sinkenden Auflagen und der Konkurrenz durch das Internet, wo die Anzeigenerlöse nicht die Verluste auffangen konnten. Die in der Branche so gerne bemühte Formel von den „Synergieeffekten“ half nichts gegen den Abschwung, auch bei DuMont verbesserte der Austausch von Artikeln untereinander die Bilanz kaum. Zudem drohte DuMont eine Haupteinnahmequelle auf Dauer zu versiegen: die Herausgabe des Bundesanzeigers, eines der Bekanntmachungsorgane der Bundesbehörden. Er soll bald auf digitales Erscheinen umgestellt werden.

Vielleicht war dies der letzte Anstoß für Bauers Entscheidung zum radikalen Schnitt. Die Kölner Mediengruppe will sich nun dem Vernehmen nach auf „Marketing Technology“ und „Business Information“ konzentrieren. Nun stellt sich die Frage, wer die Zeitungen von DuMont übernehmen will oder kann (und zu welchem Preis): Es bleiben die Konkurrenten Madsack, Springer, Dirk Ippen – zu dem auch die FR gehört –, die Südwestdeutsche Medienholding und die im westdeutschen Raum am besten verankerte Funke Mediengruppe.

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