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Trumps Sprecherin Sarah Sanders gibt Fox News in einem Zelt des Senders Auskunft.

USA

Duell im Fernsehsessel

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Die Kabelkanäle in den USA werden immer mehr zu Kombattanten. Nun schließen die Demokraten den rechten Sender Fox News von ihren Vorwahl-Debatten aus.

Pünktlich um sieben schrillen die Alarmglocken. „Die Nachricht des Tages ist absolut schockierend“, begrüßt Steve Doocy, der Ko-Moderator der Frühstücksfernsehsendung „Fox and Friends“ die Zuschauer: „In diesem Jahr könnten eine Million Menschen illegal in unser Land kommen.“ Als Gesprächspartnerin wird die ultrarechte Kolumnistin Michelle Malkin zugeschaltet. „Das Weiße Haus sollte einen Livestream von der Grenze senden“, fordert sie und beschreibt bebend das Ausmaß der Bedrohung: „Das sind alles künftige Wähler der Demokraten!“

So wie am gestrigen Donnerstag geht das jeden Morgen. Meist dauert es dann nicht lange, bis Donald Trump mit einem Tweet auf seine Lieblingssendung reagiert. Auch während des Tages verfolgt der US-Präsident das Programm aufmerksam. Der Austausch läuft in beide Richtungen: Fox-Moderator Sean Hannity brüstet sich damit, dass er fast jeden Abend nach seiner Talk-Sendung mit dem Regierungschef telefoniert. Laut „Washington Post“ wird er im Weißen Haus „der Schatten-Stabschef“ genannt. So groß ist die Nähe zwischen Fox und Trump, dass das Magazin „The New Yorker“ den Sender kürzlich als Staatsfernsehen bezeichnete.

Nun ziehen die oppositionellen Demokraten eine radikale Konsequenz: Ihr Vorsitzender Tom Perez kündigte an, dass die Partei keine ihrer Debatten im Vorwahlkampf der Präsidentschaftswahl 2020 von Fox übertragen lassen will. Der Sender des erzkonservativen Medienzaren Rupert Murdoch sei nicht in der Lage, eine „faire und neutrale Debatte unserer Kandidaten auszutragen“, erklärte Perez. Im Vorwahlkampf der USA, in dem die Kandidaten der beiden Parteien festgelegt werden, organisieren die Fernsehanbieter teilweise eigene Streitgespräche, oder sie strahlen öffentliche Auftritte der Bewerber vor Publikum bei sogenannten Town-Hall-Auftritten aus. Ein solches Zusammentreffen von Hillary Clinton und Bernie Sanders war im Vorwahlkampf 2016 auch von Fox gesponsert und übertragen worden.

Trump reagierte mit einem sarkastischen Tweet. „Prima (…), dann mache ich dasselbe mit den Fake-News-Sendern und den radikalen linken Demokraten in den Wahldebatten“, kündigte er an. Würde er diese Drohung tatsächlich umsetzen, hätte das noch weitreichendere Folgen. Trumps Tweet bezieht sich nämlich nicht auf die innerparteiliche Kandidatenfindung, sondern auf die späteren Debatten zwischen den gewählten Präsidentschaftskandidaten der Demokraten und der Republikaner. Die werden aber nicht von einzelnen Sendern, sondern von einer unabhängigen Kommission veranstaltet und üblicherweise auf allen Kanälen übertragen. Würde Trump seine Teilnahme tatsächlich von der Besetzung des Podiums oder den Fragestellern abhängig machen, wäre dies ein beispielloser Eingriff in die Pressefreiheit.

Der Fox-Boykott der Demokraten und die Zensur-Drohung des Präsidenten zeigen, wie extrem polarisiert in den USA auch das Fernsehen ist. Um Ausgewogenheit bemühte Nachrichten findet man allenfalls im Nischenprogramm des öffentlich-rechtlichen Public Broadcasting Service (PBS). Die reichweitenstarken privaten Kabelsender setzen abends hingegen auf politisch mehr oder wenig stark eingefärbte Kommentierungen in Talkshows.

Zur Hauptsendezeit von 20 bis 23 Uhr erzielte Trumps rechter Haussender Fox mit 2,4 Millionen Zuschauern im vorigen Jahr die höchsten Einschaltquoten. Stark zulegen konnte jedoch auch das linke Pendant MSNBC, das auf 1,8 Millionen Zuschauer kommt. Während bei Fox ständig die islamische Weltherrschaft oder der Sozialismus drohen, wundert man sich nach ein paar Stunden MSNBC, dass Trump am nächsten Morgen keinen Sträflingsanzug trägt. Den im Ausland bekannten Nachrichtenkanal CNN, der moderat Trump-kritisch berichtet, schalten nur noch 990 000 Menschen ein.

Donald Trump nutze Fox gleichermaßen „als Schild und Schwert“, schreibt das Magazin „New Yorker“ in einer großen Reportage. In seiner Amtszeit hat der Präsident seinem Haussender bereits 44 Interviews gegeben. Allen anderen Sendern zusammen stand er zehn Mal für ein Gespräch zur Verfügung.

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