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Es knackte, sobald die Nadel aufsetzte, auf einer Stereoplatte.
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Es knackte, sobald die Nadel aufsetzte, auf einer Stereoplatte.

Times mager

Dreiklang

  • Christian Thomas
    vonChristian Thomas
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Das Wohnzimmerkonzert als Wunschkonzert. Und natürlich mit Beethoven.

Hörst du? Hört ihr das? Ja, aber das Knacken? Es knackte lebhaft, tat es immer. Wie es halt häufig so ist, ein Auftakt, aber ein zunächst alltäglicher Anfang. Es knarzte der Schrank, sein altes Holz, sobald die beiden Türen geöffnet wurden, dahinter der Plattenspieler, die Boxen, eine Anlage. Es knackte, sobald die Nadel aufsetzte, auf einer Stereoplatte von Decca ein Dual-Plattenspieler, ein Tonarm, auch der knackte, auf dem 3. Klavierkonzert. Beethoven aus einem knarzenden Bauernschrank, sonntags. Was wollt ihr hören? Deine Frage, was für eine Frage! Das c-moll-Konzert war dein Favorit, geradezu Hit in einer kleinen Plattensammlung, Anfang der 60er Jahre begonnen. Das Wohnzimmerkonzert wurde zum Wunschkonzert, wurde auch unseres, es wurde der Familie nie zu viel.

Hörst du? Ja, Wilhelm Backhaus, allerdings zunächst nicht er, sondern die Wiener Symphoniker, dirigiert von Hans Schmidt-Isserstedt, denn das 3. Klavierkonzert war ja Coup, weil der 30-jährige Beethoven für ein Soloinstrument eine Orchesterexposition komponiert hatte. Dann erst, nach 111 Takten, der Einsatz des Pianisten. Viele haben Einzelheiten gespielt, sich schon zum Auftakt in einen kurzen Ausbruch gestürzt, Ausrufezeichen! Backhaus spielte die große Linie, wie es später hieß, aufs Ganze gerichtet.

Wie oft auch andere Interpreten gehört. Die verhalten sich Vortastenden. Zu vorsichtig etwa? Die Vehementen – eine Spur zu forsch? Oder die Virtuosen, fabelhaft, aber zu selbstverliebt? Immer wieder Favoriten, ja, aber die eine oder andere verehrte Aufnahme seit Jahrzehnten. Entdeckungen als gegenseitiges Geschenk zu Geburtstagen, kennst du schon? Gesprächsstoff dann. Wie Kempff heiter werden kann, klar, die Kadenz. Wir legten auf, mittlerweile CDs, von Aimard über Argerich bis Zacharias und zurück zu Ashkenazy.

Erinnerst du dich? Zusammen hörten wir unser 3. Klavierkonzert, das Largo des 2. Satzes, den Zugriff durch Pranken, dagegen Brendels mozarteisches Rondo. Gespräch über die Dynamiker, die Gemessenen und die Gelassenen. Über die Zerbrechlichkeit bei Horowitz – eine Geschmacksfrage? Wilhelm Kempffs Klassizität, ein Urteil nicht nur aus lautmalerischen Gründen. Das direkte Gespräch schon seit 11 Jahren nicht mehr möglich, aber das indirekte, über die Gefasstheit von Backhaus, hat uns angefasst.

Zum Schrank heraus stand die kleine Coda im Raum, wir hörten, wie die drei ersten Themen miteinander verbunden werden. Im Ohr das Knacken einer Schallplatte hörten wir zusammen die c-moll-Tonleiter. Hörten wir erst gestern wieder Backhaus, deine Platte, seinen Auftakt, sein Con brio, hinein in das Knacken und Knarzen, unvergesslicher Dreiklang.

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