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Die Familie Böseckendörfer floh 1961 aus der DDR in den Westen.
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Die Familie Böseckendörfer floh 1961 aus der DDR in den Westen.

DDR-Stoff auf Sat.1

Das Dorf haut ab

"Böseckendorf - Die Nacht, in der ein Dorf verschwand": Ein Film über die Flucht von 14 Familien, denen in der DDR die Zwangsumsiedlung drohte. Auf Sat.1 bietet er Drama, Abenteuer und Liebe. Von Ninette Krüger

Von Ninette Krüger

Eben war das Dorfleben noch recht unbeschwert, doch von einer Sekunde auf die andere wird die Sache bitterernst. Im thüringischen Grenzgebiet werden die Einwohner der kleinen Gemeinde Böseckendorf sogar bei der Feldarbeit von Soldaten belauert. Man wähnt, sie wollten fliehen. Irgendjemand im Dorf muss Wind von der geplanten Zwangsumsiedlung bekommen haben. Für die SED-Führung ist Republikflucht eine Schande fürs Ansehen, und so verstärkt man die Grenze mit Minen und Selbstschussanlagen.

In der Tat sind die Böseckendorfer nicht so treu, wie die Genossen es wünschten. Vielmehr leben sie die Freiheit im Geiste und auch realiter, mit geschmuggeltem Brie und Vitamintabletten aus dem Westen. Sie boykottieren die Feier zum Geburtstag der Republik und ziehen den Vogelscheuchen FDJ-Hemden an.

So erzählt es der Film "Böseckendorf - Die Nacht, in der ein Dorf verschwand" von Falko Korth und Thomas Riedel, der Verfilmung einer Flucht von 1961, die Sat.1 gemeinsam mit einer Dokumentation zeigt. Im Anschluss berichten Zeitzeugen, wie es für sie wirklich war: für Flüchtlinge, Grenzer und den Bundesgrenzschutz.

Für Regisseur Oliver Dommenget bietet die Geschichte über die größte Flucht an der innerdeutschen Grenze ausgezeichneten Drehstoff. Der Film ist ein solides Mini-Epos: Kostüme passend, die Ausstattung sorgfältig. Es gibt das reale Abenteuer und das Drama: Nachts und unter Gefahr für Leib und Leben verlassen 53 Menschen Häuser und Höfe, kappen ihre Wurzeln.

Dazu etwas Liebe: Die kämpferische Tonia (Anna Loos) turtelt mit dem smarten Harald (Andreas Pietschmann), der Westwaren bringt, was die Ehe mit Manni (Thure Riefenstein), dem anfangs noch parteitreuen Bürgermeister, auf die Probe stellt. Das System-Böse taucht auf: Genossin Marx (überzeugend angepasst: Rebecca Immanuel) widersetzt sich männlichem Machismus und opfert Reste eines Mitgefühls der Aussicht auf eine Parteikarriere.

Schließlich erinnert uns die wenig bekannte Geschichte an ein finsteres Kapitel staatlich verordneter Unterwürfigkeit und Doppelmoral: wenn Stasi-Spitzel lieber das Leben der anderen zerstören, als sich unbedeutend im Parteikarussell zu drehen, und die Grenzposten heimlich den Champagner einsacken.

Böseckendorf - Die Nacht, in der ein Dorf verschwand, 20.15 Uhr. Grenzfall Böseckendorf - Dokumentation, 22.15 Uhr, Sat.1.

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