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Donald Trump als Bauer, zusammen mit der Schauspielerin Megan Mullally. Trump postete ein Video von diesem Auftritt aus dem Jahr 2005 unter die Ankündigung, dass er in Kürze ein Landwirtschaftsgesetz unterschreiben werde.

Donald Trump

Donald Trump beglückt die Welt - 40.000 Mal

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Eine historische Marke ist erreicht: Donald Trump sendet seinen 40.000 Tweet. Ein Meilenstein, der zum Nachdenken anregt. Und zum Kommentar.

Jubiläen sind ein Moment, um zurückzublicken in der Zeit. Innezuhalten. Sich in all der Schnelllebigkeit unserer heutigen Tage zurückzulehnen und –blicken. Auf die Anfänge, auf Momente, die Menschen einander näher brachten.

Heute ist ein solcher Tag. Man kennt es. Man sitzt in seinem Auto und starrt auf die Kilometeranzeige. Sie zeigt 39.998 an. Und man wird nervös beim Gedanken an die 40.000. Man fragt sich, wo werde ich sein, wenn die Zahlen umspringen, welcher Mensch werde ich sein, und welches Lied werde ich im Radio hören? Man versucht sich ins Gedächtnis zu rufen, dass es kein besonderer Moment ist, dass man ihn selbst erst dazu macht, nur um der Metaphysik entgegenzuwirken, die von einer derart runden Zahl auf uns ausgeht. Doch es ist unmöglich. Die Magie des menschgemachten Meilensteins ist stärker. Man kann sich der Sache nicht entziehen.

Der Ernest Hemingway der 140 Zeichen

Heute ist ein solcher Tag: Donald John Trump, der echte Donald, hat seinen 40.000 Tweet gesendet. 40.000 Kurznachrichten voller „Fake News“ und Hillary Clinton, scharf wie #Covfefe und aus der Hüfte geschossen wie aus einer „smocking gun“. Trump feierte Siege in Tweets, vernichtete Feinde in Tweets und feierte noch mehr Siege. Er, der selbsternannte Ernest Hemingway der 140 (oder neuerdings 280) Zeichen, twitterte, wann es ihm beliebte, am liebsten aber zwischen 24 und 3 Uhr morgens. Und 56 Millionen Menschen folgen ihm dabei, warten sehnsüchtig darauf, dass seine kleinen Finger kurze Texte tippen. Wäre Twitter nicht so parteiisch und würde russische Trolls ihre Arbeit machen lassen, es wären doppelt so viele Follower. Sagt Donald.

Be sure to tune in and watch Donald Trump on Late Night with David Letterman as he presents the Top Ten List tonight!

— Donald J. Trump (@realDonaldTrump)

4. Mai 2009

Doch von vorne. Die Schneestürme des Februars 2009 hatten die Stadt in eine Eishöhle verwandelt. Temperaturen unter null. New Yorker zogen sich den ganzen März zurück in ihre Penthäuser an der Fifth Avenue und überließen ihre Stadt den Touristen. Sie schalteten das Radio ein und lauschten Frank Sinatra, der „New York, New York“ zum Besten gab. Sie kuschelten sich zusammen mit ihren slowenischen Modelfrauen in dicke Pelzmäntel aus Eisbärenfell, vor offene Kamine, die sie mit Eindollarnoten befeuerten. So auch Donald.

Ok, es stimmt, der Tweet ist nicht aus dem Februar, er ist aus dem Mai, das ist drei Monate später. Aber jetzt steht das da mit dem Februar und die Leserin oder der Leser können sich damit identifizieren, draußen ist auch gerade kalt, man nimmt sie mit auf eine Reise, so macht man das uns so bleibt es jetzt auch.

Im Mai also kehrte das Leben in den Milliardär namens Trump zurück,  der an diesem Samstag nicht nur Cheeseburger aß und Fernsehen schaute, sondern einen Charakter gebar, der acht Jahre später zum Präsidenten der Vereinigten Staaten werden sollte: @realdonaldtrump.

Alles begann kurz vor David Letterman

Wie die meisten Geschichten beginnt auch Trumps Twitterchronik im Kleinen. Ein kurzer, unschuldiger Hinweis, man möge doch seinen, Donalds, Auftritt bei David Letterman verfolgen. Mehr nicht. Fast schüchtern lesen sich diese Zeilen. Twitter war da gerade drei Jahre alt, Donald 63.

Linke Verschwörungstheoretiker vermuten jedoch, dass nicht Trump diese ersten Wörter tippte, ja nicht einmal die ersten Tweets in toto. Vielmehr soll sein Team dafür verantwortlich gewesen sein. Ein Argument dafür ist, dass viele der folgenden Nachrichten mit „von Donald Trump:“beginnen, was irgendwie ein seltsamer Einstieg wäre, wenn es denn wirklich Donald Trump ist, der das schreibt. Doch seltsam ist Trumps Paradedisziplin. Man vergisst das bisweilen, aufgrund der Boshaftigkeit, die ihn und die seinen umgibt.

Zurück zur Geburtsgeschichte. Die ersten Nachrichten erfüllten Werbezwecke. Hinweise auf „The Apprentice“ oder Werbung für eine seiner Immobilien. Beide schienen bitter nötig. Trump selbst hatte gerade mal wieder den Bankrott eines seiner Unternehmen zu verkraften, diesmal ein Golfclub in Puerto Rico, und die Quoten seiner Fernsehshow befanden sich im freien Fall. Kurz danach wurde sie abgesetzt. Seine knapp 300.000 Follower verschonte er mit Politik, die Tweets tröpfelten alle paar Tage ins Netz. Nichts spektakuläres, stattdessen weichgewaschenes Marketing.

2.436 Attacken auf Barack Obama

Zwei Jahre lang ging das so, ehe Trumps Twitterfeed zu dem wurde, was er heute ist: ein Stahlbad aus Rechtschreibfehlern, Anfeindungen und Hybris. Am 6. Juli 2011 schickte Trump den ersten Tweet mit Großbuchstaben. Darin enthalten eine erste Attacke auf Barack Obama. Es sollten bis heute 2.435 weitere Kurznachrichten werden, in denen Trump seinen Vorgänger im Amt anging.

Seine Followerzahlen stiegen konstant an und explodierten förmlich ab dem Jahr 2016. Donald Trump hatte seine Kandidatur für das Präsidentenamt angekündigt und die Transformation war perfekt. Aus dem reichen Sohn war der Immobilienmogul geworden, aus dem Immobilienmogul der Fernsehstar, aus dem Fernsehstar der Rechtspopulist und schließlich der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Trump bedankte sich natürlich per Tweet für die Wahl. Er sei geehrt, als Präsident dienen zu dürfen. Er schrieb das Wort „geehrt“ falsch und machte die Ankündigung damit authentischer und bürgernäher als irgend eine menschelnde Geschichte über die Familie Obama seinen Vorgänger jemals hätte machen können.

Mehr Follower als Angela Merkel oder der Papst

Heute hat Trump mit seinen 56 Millionen Followern auf Twitter mehr als Angela Merkel, Theresa May, Emmanuel Macron und der Papst zusammen. Allein in den letzten 700 Tagen twitterte Trump 346 Mal über Fake News und 195 Mal über die Clintons. Per Tweet verbannt er Transgender-Personen aus dem Militär, ohne dem Pentagon vorher überhaupt Bescheid zu geben. Er beleidigt andere Staatsmänner, erfindet Terroranschläge in Schweden und erklärt sich selbst zu einem der schlausten Menschen überhaupt. Er teilt Videos, auf denen er CNN symbolisch vermöbelt.

The Democrats are trying to belittle the concept of a Wall, calling it old fashioned. The fact is there is nothing else’s that will work, and that has been true for thousands of years. It’s like the wheel, there is nothing better. I know tech better than anyone, & technology.....

— Donald J. Trump (@realDonaldTrump)

21. Dezember 2018

@realdonaldtrump hat eine neue Art der Außendarstellung geprägt und das wäre nicht mehr als ein Thema für den Boulevard, hätte er diese schnelle, von Unwahrheiten und Authentizität gleichermaßen strotzende Kommunikation nicht auch der Politik übergestülpt. Man kann das verabscheuen, man kann sich darüber lustig machen, aber man muss es anerkennen. Er ist Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der ältesten Demokratie der Welt. Er ist Oberbefehlshaber der größten verdammten Armee der Welt. Daran kommt niemand vorbei.

Sein 40.000 Tweet drehte sich übrigens um die Grenzmauer, die Trump gerne bauen will, die ihm die Demokraten (oder Mexiko) aber nicht bezahlen wollen. Eine Mauer sei das Beste, seit Tausenden von Jahren, genau wie das Rad. Donald bleibt sich also treu. Auf die nächsten 40.000!

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