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Unschuld, verletzt: Unbetitelte Blüte von Nobuyoshi Araki.
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Unschuld, verletzt: Unbetitelte Blüte von Nobuyoshi Araki.

Fotografien in der DZ Bank

Distel, metallbewehrt

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Die Ausstellung "Blütezeit" in der DZ Bank zeigt, auf wie viele fotografische Arten es blühen kann. Nicht alles aber ist dort streng pflanzlich.

Vielleicht braucht es Hintergründiges, Untergründiges wie Tim Spotts vier Arbeiten aus der Serie „Polaroids“, die echte Pflanzenblätter auf Pflanzenmuster-Teppichen zeigen, um einem vor Augen zu führen, wie allgegenwärtig Pflanzen im Allgemeinen und Blüten im Besonderen in unserem Leben sind. Jörg Sasse zeigt auf „W-91-07-02, Kerkrade“ (1978) eine Blümchenlampe vor Blümchentapete. Manfred Willmann nimmt sich in seiner Serie „Das Land“ (1981-1993) unter anderem des Blümchenkleides an. Rosemary Laing hat einen Teppich mit Blumenmotiven penibelst im Wald verlegt – um Baumstämme, Steine, Mooskissen herum. Ihn dann die Natur ein wenig benutzen, mit Blättern berieseln lassen. Und ihn schließlich fotografiert („groundspeed # 17“, 2003). Manchmal scheint es freilich am meisten dort zu blühen, wo es gar keine natürlichen Blüten gibt, in eher tristen Räumen. Zum Trost? Aber zu wessen Trost? Denn hat nicht das florale Muster auf Tapeten und Teppichen einen biederen Ruf?

Tulpen im Scanner

„Blütezeit“ lautet der Titel einer Ausstellung im Artfoyer der Frankfurter DZ Bank, die Bilder des tatsächlichen Blühens oder zumindest des stilisierten, in Muster überführten Blühens versammelt. Und wie die Natur selbst sind ihre Abbilder manchmal überwältigend, prächtig, wie zum Beispiel Luzia Simons’ „Stockage“-Arbeiten, für die die Brasilianerin Blüten direkt auf der Glasplatte eines überdimensionalen Scanners anordnet. Unglaublich scharf, auch tiefenscharf, gleichzeitig wie zerbrechlich leuchten so Tulpen oder Rosen aus dem Dunkel.

Das Künstlerpaar Anne und Patrick Poirier markiert, tätowiert weiße Blätter von Lilien, schreibt ihnen in rostigem Rot traurige Wörter ins zarte Fleisch wie „Wounds“, „Tears“, „Ruins“, „Exile“. Ledrig-robust oder gar wie aus Marmor wirken dagegen in Schwarz-Weiß die „Two Callas“ (1925) oder die „Datura“ (1930) Imogen Cunninghams.

Einen stillen Spaß erlaubt sich Dieter Huber in seiner Serie „Klone“: Klon Nr. 57 zum Beispiel zeigt blaue Blüten (sie könnten von einer Freesie sein) an einem Buchenast, an dem viele Blätter verdorrt sind. Eine sanfte Irritation stellt sich ein. Stärker ist sie vor Peter Hutchinsons collagierten „Coloured Mountains“, denn man ist sich durchaus unsicher, wo die reale Landschaft endet und die aufgepfropften, offensiv bunten Blüten beginnen. Dezent geschummelt hat wiederum Joan Fontcuberta bei seinem „Herbarium“ schwarz-weißer Fotos: Eine Distel hat Metallstacheln, auf einer anderen Pflanze sitzt, erst auf den zweiten Blick zu erkennen, ein Geflügelkopf. Das ist dann allerdings keine rein pflanzliche „Blütezeit“ mehr.

Artfoyer, DZ Bank, Frankfurt: bis 9. Aug. www.dzbank-kunstsammlung.de

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