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Kulturpolitik

Distanzierung ist kein Dialog

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Im Goethe-Institut Berlin wird ein Sammelband zur Auswärtigen Kulturpolitik vorgestellt. Am Ende geht es aber wieder nur um die AfD.

In dieser Armut welche Fülle“ lässt Johann Wolfgang von Goethe seinen Titelhelden in „Faust I“ sagen, nachdem er sich von Mephisto in Gretchens Zimmer hat führen lassen. Der geheimnisvolle Satz diente dem Goethe-Institut vor mehr als zwanzig Jahren als Titel für einen Sammelband, in dem die damaligen Positionen einer Auswärtigen Kulturpolitik als Bilanz und Ausblick präsentiert wurden. Die Fülle stand dabei für den kulturellen Reichtum, den das Goethe-Institut trotz begrenzter finanzieller Ressourcen selbstbewusst glaubte, anzubieten zu haben.

Inzwischen hat sich die Lage deutlich verändert. Diplomaten eilen von Krise zu Krise, und was einmal als politische Weltordnung angesehen wurde, ist gefährlichen Erosionen ausgesetzt. Vorbei die Zeit, als die Akteure der Auswärtigen Kulturpolitik als launige Zuarbeiter einer gefälligen nationalen Selbstdarstellung betrachtet wurden.

Mehr als je zuvor sollen sie heute als Problemlöser, Konfliktberater und Mediatoren in auswegloser Situation tätig sein. Goethe-Institute transportieren nicht länger nur das jeweils aktuelle Deutschland-Bild in die Welt, immer häufiger wird an sie auch die Erwartung herangetragen, auf die ein oder andere Art Schutzräume bereitzustellen für die an einzelnen Standorten bedrohte Zivilgesellschaft.

Wir müssen reden! Der soeben vom Deutschen Kulturrat herausgegebene Sammelband „Die dritte Säule“ darf in diesem Zusammenhang als wichtiger Beitrag zu einer politischen Neubestimmung einer Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik verstanden werden. Zur Vorstellung des Buches hatten der Kulturrat und das Goethe-Institut deshalb jetzt zu einem Fachgespräch eingeladen, in dem Vertreter aller im Bundestag vertretenen Parteien aufgerufen waren, in kurzen Statements ihre Vorstellungen zum Thema zu skizzieren.

Eine Diskussion aber fand nicht statt, und das lag keineswegs nur an einem Gesprächsformat, das die versammelten Politiker in eng bemessene Zeitvorgaben zwang. Gleich zu Beginn hatte Olaf Zimmermann, der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, noch einmal seine Position bekräftigt, dass er aufgrund zahlreicher umstrittener Äußerungen die AfD für ungeeignet hält, den Vorsitz im Unterausschuss für Auswärtige Kulturpolitik im Deutschen Bundestag zu übernehmen.

Das mag als politische Haltung schon nachvollziehbar sein. Im Kontext einer einleitenden Begrüßung, in der Politikerinnen wie Claudia Roth (Grüne) und die frühere Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zum Dialog aufgefordert wurden, hatte das Statement Zimmermanns allerdings einen seltsam ausschließenden Charakter.

Der AfD-Vertreter Petr Bystron reagierte darauf denn auch mit zu erwartender Schärfe. Er sprach von Hetze gegen seine Partei und begab sich sogleich bereitwillig in die Rolle des Verfemten. Das ist bedauerlich, weil es einmal mehr alle Energien vom eigentlichen Gesprächsgegenstand des Abends abzog.

So blieb kaum mehr als die Erkenntnis, dass demonstrative Distanzierung keinen Beitrag zum Dialog darstellt. Eine derart zwanghafte innenpolitische Fixierheit kann jedenfalls nicht als Stärkung der „dritten Säule der Außenpolitik“ betrachtet werden, die alle Parteien, sogar die AfD, zu ihrem Ziel erhoben haben.

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