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Die Radio-Plattenspieler-Kombination „SK 4“ von Dieter Rams und Hans Gugelot, im Volksmund auch „Schneewittchensarg“ genannt. Foto: Andreas Kugel/Dieter und Ingeborg Rams Stiftung
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Die Radio-Plattenspieler-Kombination „SK 4“ von Dieter Rams und Hans Gugelot, im Volksmund auch „Schneewittchensarg“ genannt.

Frankfurt

Dieter Rams im Museum Angewandte Kunst: Ein Weckruf für das Weniger

  • Jakob Maurer
    VonJakob Maurer
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Das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt plädiert mit Arbeiten des stilbildenden Industriedesigners Dieter Rams für bewussteren Konsum.

Könnte er noch einmal etwas Gestalterisches studieren, wäre es die Landschaftsarchitektur. „Dieses Umfeld zu gestalten“, sagte der weltbekannte Industriedesigner Dieter Rams 2016 bei einem Besuch an der Technischen Universität in München, „das scheint mir heute eigentlich das Wesentliche zu sein.“

Während der mittlerweile 88-Jährige in der Nachkriegszeit das legendär schlichte Braun-Design mit seinem Team beim Hersteller elektrischer Kleingeräte zur Stil-Ikone formte, entwarfen andere Deutschland als protziges Autoland. Da gegenzusteuern, fange bei der Landschaft an, „nicht beim Design eines Geräts“.

Rams’ Credo des „Weniger, aber besser“ wird aber weiterhin vor allem mit den Alltagsgegenständen vom Haartrockner über den Taschenrechner, der Kaffeemaschine bis hin zu Stereogeräten in Verbindung gebracht.

Im Dokumentarfilm „Rams“ des US-Filmemachers Gary Hustwit von 2018 begutachtet Muji-Designer Naoto Fukasawa ehrfurchtsvoll das Transistorradio T3 von allen Seiten und deutet auf die Ähnlichkeiten zum fast 50 Jahre jüngeren iPod. Rams, so Fukasawa, sei der erste und letzte Produktdesigner. Mit ihm war alles gesagt – eigentlich.

Dass jedoch noch nicht alles gesagt ist, diese Meinung vertritt das Museum Angewandte Kunst (MAK) in Frankfurt: „In einer Zeit, in der die Schonung von Ressourcen und der Schutz der Umwelt zu zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen geworden sind, ist Rams’ Arbeit mehr als aktuell“, heißt es.

Mit der Ausstellung „Dieter Rams. Ein Blick zurück und voraus“ wolle man Antworten auf folgende Frage geben: „Wie soll unsere Welt zukünftig gestaltet werden, damit sie noch überleben kann?“

Wie die Antworten ausfallen könnten, dazu gaben Museumsdirektor Matthias Wagner K und Kurator Klaus Klemp am Donnerstag in einer digitalen Pressekonferenz erste Hinweise. Ein Blick für die Öffentlichkeit wird jedoch erst mit einem Ende der Corona-Regeln möglich – vorerst ist die bis zum 8. August laufende Schau nicht zugänglich. Der erste Besucher, erzählte Klemp, sollte jedoch am Nachmittag Dieter Rams selbst werden.

Zu sehen bekam er eine Zusammenfassung seiner wichtigsten Arbeiten: rund 30 ausgesuchte Objekte sowie fünfzig Fotografien, Reproduktionen und Texte, wobei „jedem gezeigten Design-Produkt ein Blick voraus innewohnt“, so Wagner K. Beim Studium der Exponate werde deutlich, sagte der Direktor weiter, dass Rams „stets die Zukunft implizit im Auge hatte“.

Schlichte Funktionalität sollte immer von Sparsamkeit und Langlebigkeit flankiert werden. Eine Leitfrage sei gewesen: Wie hat ein Produkt auszusehen, wenn ich es lange behalten will? Als Beispiele für die Zeitlosigkeit verwies Klemp auf eine Kaffeemaschine und eine Zitruspresse, die Braun seit mehr als 40 Jahren unverändert herstelle.

Rams in seiner ersten Dachgeschosswohnung in Frankfurt um 1960.

Bei Ansicht der Produkte werde „ein neuerlicher Weckruf“ an die Wegwerfgesellschaft laut, „mehr über die Dinge nachzudenken, die wir besitzen und kaufen wollen“, sagte Wagner K.

Im Vorwort des 2020 im Phaidon-Verlag erschienen Buchs „Dieter Rams: Werkverzeichnis“ verleiht Rams dieser Forderung Nachdruck: „Weniger und weniger von solchen Produkten, durch deren Herstellung oder durch deren Gebrauch Ressourcen vergeudet werden und die Umwelt belastet wird. Weniger und weniger von solchen Produkten, die zwar die Kauflust reizen, dann aber kaum zu nutzen sind, bald zur Seite gelegt, weggeworfen und durch neue ersetzt werden“ – ein Weckruf für das Weniger.

Bereits im Frühjahr 2017 eröffnete im MAK der sogenannte Stilraum als ständiger Rams-Showroom. Dort wechseln jährlich die Exponate der Dauerleihgabe der in Kronberg ansässigen Firma Braun.

Die am Donnerstag vorgestellte Schau soll Rams’ Werk später auch noch mobil machen. Als Wanderausstellung, so habe es Klemp gemeinsam mit der Dieter und Ingeborg Rams Stiftung ersonnen, soll sie einmal um die Welt reisen.

Museum Angewandte Kunst, Frankfurt: bis 8. August. Derzeit coronabedingt geschlossen. www.museumangewandtekunst.de

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