Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kristin Feireiss
+
Kristin Feireiss

Architektur

Diese Berlinerin blickt der Stadt ins Gesicht

Die Architektur-Enthusiastin Kristin Feireiss wird 70. Feireiss ist keine analysierende Wissenschaftlerin, sondern eine Kunstkennerin im besten Sinn des Wortes.

Von Nikolaus Bernau

Kristin Feireiss ist eine beeindruckende Frau. Das festzustellen, genügt ein kurzer Kaffee mit der begnadeten Kommunikatorin. Und mit wie vielen Menschen hat sie schon kurze Kaffees getrunken, über Architekten, Architektur, Städtebau, Landschaftskunst und Politik, kurz, über die Planung des menschlichen Lebens gesprochen, geplaudert, gestritten.

Am 1. Juli vor siebzig Jahren wurde die Mit-Begründerin der Architekturgalerie Aedes, Herausgeberin vieler inspirierender Bücher, Ausstellungskuratorin und Journalistin in Berlin geboren, in einem von Hermann Muthesius entworfenen Haus im englischen Stil. Alle Voraussetzungen waren da, damit das dritte Kind des zum Textilkaufmann gewordenen Juristen Hans Lang und seiner Frau Mady, geborene Neckermann, eine bürgerliche Karriere führen konnte: Geschmack, gesellschaftliche Kontakte, wirtschaftliche Sicherheit.

Doch 1948 sterben die Eltern und der Bruder bei einem Autounfall, aufgezogen wird sie im Haus ihres Onkels Josef Neckermann. Es ist jener Mann, der als Sportler, Gesellschaftslöwe und Konzernbegründer zu einer Legende der jungen Bundesrepublik und ihres Wirtschaftswunders wird. Ein Mann mit einem unzerbrechlichen Glauben an die Bedeutung von gesellschaftlichen Regeln und Beziehungen. Feireiss gerade erschienene Autobiografie ist ein Psychogramm dieses Clans („Wie ein Haus aus Karten. Die Neckermanns – meine Familiengeschichte“, Ullstein, 19,99 Euro).

Ihre eigene öffentliche Karriere deutet sie kaum an. Wir erfahren kurz von der frauenfeindlichen Politik des Springer-Verlags, bei dem sie ihr Berufsleben startete, etwas mehr über den legendären ersten Aufschlag der Architekturgalerie Aedes, die sie zusammen mit der Freundin Helga Retzer begründete: Nach dem Einsturz der Kongresshalle fragen die beiden Frauen weltweit, wie man den ikonischen Bau des alten West-Berlin wiederaufbauen kann. Die Ausstellung wird zur Sensation. Aber nichts ist da zu lesen von ihrem wohl einzigartigen Beziehungsnetz, den vielen jungen Kräften, die sie gefördert hat, den vielen Debatten, denen Feireiss ein Podium schuf. Zu gerne wüssten wir, was sie, die mit den drei Aedes-Galerien Teil der Gentrifierung erst Ost-Charlottenburgs, dann des Hackeschen Markts und Prenzlauer Bergs war, über Planung und Planer so denkt.

Feireiss ist keine analysierende Wissenschaftlerin, sondern eine Kunstkennerin im besten Sinn des Wortes. Als sie Chefin des Niederländischen Architekturinstituts NAI in Rotterdam wurde, waren die Mitarbeiter zunächst wenig begeistert. Keine Architektin, eine Deutsche zudem. Als sie nach fünf Jahren ging, war das NAI zu einem international relevanten Kampfmittel für eine Erneuerung unserer Umwelt geworden.

Es ist charakteristisch für ihre Lust am offenen Streit, dass sie sich 1993 ausgerechnet zusammentat mit Wilhelm von Boddien, um in dessen Schlosskulisse für eine andere Lösung als den neopreußischen Fassadenzauber zu werben. Diese Frau hat sich eben den eigenen Namen geschaffen: Aus Eva Kristine wurde Kristin.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare