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Der osteuropäische Einwanderer gerät auf Abwege: Szene aus Grand Theft Auto IV.

Grand Theft Auto

Der Dieb im virtuellen New York

Das am meisten ersehnte Videospiel dieses Jahres hat riesige Erwartungen geweckt. Die Fans zählen schon die Stunden, bis sie als osteuropäischer Einwanderer im virtuellen New York das Überleben trainieren können. Von Florian Brückner und Christoph Manus

Von F. BRÜCKNER UND C. MANUS

Die Fans zählen schon die Stunden. Eine ganze Branche schaut gebannt auf diesen Tag: Am Dienstag erscheint GTA IV. Der Megahit. Der Topseller. Das am meisten ersehnte Videospiel dieses Jahres - vielleicht sogar der vergangenen dreieinhalb Jahre. Solange mussten Fans und Fachleute sich gedulden. Die Erwartungen an die Fortsetzung der "Grand Theft Auto"-Reihe sind riesig.

Der Spieler schlüpft im neuen GTA in die Rolle eines osteuropäischen Einwanders, der in Liberty City, einem virtuellen New York, Fuß fassen will - und rasch in eine Gangsterkarriere gedrängt wird. Zunächst gilt es, Autos zu klauen und sich als Kurier verdient zu machen - bald aber auch Gegenspieler auszuschalten. Nicht ohne Grund wird das Spiel in Deutschland nur für Erwachsene zu kaufen sein. Gewalttätige Szenen haben dem kommerziellen Erfolg von GTA nicht geschadet.

Auto fahren und schießen

Mehr als 65 Millionen Male verkauften sich die ersten Teile der 1997 gestarteten Reihe. Mit Grand Theft Auto entstand ein eigenes Genre, das die aus Rollenspielen bekannte spielerische Freiheit mit der Action von Autorennspielen und Schießspielen kombiniert. Dutzende Nachahmer-Produkte, so genannte GTA-Klone, sind inzwischen auf dem Markt.

Fachleute sind schon jetzt begeistert. "Noch besser als es der Hype vermuten lässt", schreibt ein Kritiker des Spieleportals Gamesradar. Beim Internetversandhaus Amazon war das Spiel schon Tage bevor es erscheint der Topseller.

Folgerichtig rechnen Analysten mit riesigen Verkaufszahlen. "GTA ist ein Phänomen, es ist das mit Abstand wichtigste Franchise in der gesamten Branche, mit dem sich hohe Umsätze in kurzer Zeit erzielen lassen", sagt Paul Jackson, Analyst des Marktforschungsunternehmens Forrester Research, der FR.

Die Schweizer Bank UBS schätzt, dass sich das Spiel allein in den USA bis Jahresende mindestens sechs Millionen mal verkaufen dürfte, weltweit könnten es zehn Millionen werden.

Am ungeduldigsten ersehnt das US-Spieleunternehmen Take-Two den Dienstag herbei. Es erhofft sich als Publisher (Verleger) von GTA IV durch den anstehenden Rekorderlös einen Befreiungsschlag - von der Übernahmeofferte des Konkurrenten Electronic Arts (EA).

Der Weltmarktführer will Take-Two für zwei Milliarden Dollar übernehmen. "Der einzige Grund, warum sich Electronic Arts für Take-Two interessiert ist GTA", sagt Analyst Jackson. EA wolle die zu erwartenden Umsätze in die eigene Tasche stecken - und das, ohne nur einen einzigen Cent für die Entwicklung ausgegeben zu haben, die Take-Two finanziell schwer belastet habe.

Denn die gehen bei Blockbustern wie GTA, die mehrere Jahre Entwicklungszeit benötigten, schnell in den zweistelligen Millionenbereich. "Deswegen vollzieht die Videospielindustrie zur Zeit auch eine Entwicklung nach, die wir von Hollywood kennen", sagt Jackson und spielt damit auf einen Konzentrationsprozess an, bei dessen Ende nur wenige große Filmstudios übrig blieben. "Aber nur die sind finanziell in der Lage, die Kosten für einen teuren Blockbuster zu stemmen", sagt Jackson.

Michael Gartenberg, Vizepräsident des Marktforschungshauses Jupiter Research, sieht noch einen anderen Grund für EAs Interesse: "Es geht auch um die Personen, die hinter dem Franchise stehen", sagt er der FR. Wer auch in Zukunft Bestseller haben wolle, müsse in Köpfe investieren.

Fusion auf der Kippe

Electronic Arts hätte sich so oder so gerne vor Verkaufsstart von GTA IV die Mehrheit am Konkurrenten gesichert. Daraus ist bisher nichts geworden - und damit steht die Übernahme auf der Kippe. "In dem Moment, in dem GTA IV ausgeliefert wird, dürfte EAs Interesse abkühlen", sagt Jackson. Vielleicht ziehe sich EA zurück und investiere in kleinere Studios, die auf Casual Games spezialisiert seien - denn die verkaufen sich zur Zeit prächtig. Casual Games, mit denen vor allem die japanische Firma Nintendo erfolgreich ist, zielen auf Gelegenheitsspieler ab.

GTA IV ist ein anderes Kaliber. "Es ist eher ein traditionelles Spiel für Hardcore-Gamer", sagt Gartenberg, in das man einige Stunden Arbeit stecken müsse. Aber GTA, so Forrester-Analyst Jackson, sei längst Teil der Popkultur und werde auch jenseits der absoluten Spiele-Freaks viele Kunden finden. Darauf hoffen auch Sony und Microsoft, die mit GTA IV den Absatz ihrer Videospielkonsolen Playstation3 und Xbox360 ankurbeln wollen. Die Chance ist da. "Große Titel wie GTA IV verkaufen Konsolen besser als alles andere", sagt Gartenberg.

GTA IV läuft auf Playstation 3 und Xbox 360. Es kostet 65 Euro.

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