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Weg vom dicken Dinosaurier

RBB-"radiomultikulti" wird zu "MultiCult 2.0"

Von KLAUS RAAB

Die Zukunft begann zwei Stunden vor dem Jahreswechsel: Um 22.05 Uhr startete an Silvester das Internetradio MultiCult 2.0 als Webstream, ein Programm, das eine einigermaßen adäquate mediale und musikalische Versorgung der in Berlin lebenden Menschen aus aller Welt gewährleisten und ihnen eine Stimme geben soll.

Da stellt sich natürlich die Frage, warum man solch ein Integrationsprogramm aus Berlin, wo Menschen aus 180 Ländern leben, nicht im öffentlich-rechtlichen Radio hören kann. Die Antwort ist: Weil der Rundfunk Berlin-Brandenburg seinen Sender radiomultikulti in der Silvesternacht wegen Geldmangels eingestellt hat. Der Start von MultiCult 2.0, unabhängig vom RBB initiiert und von einer Stiftung finanziert, ist die Folge davon.

Auf den RBB-Frequenzen wird nun zwar das tadellose WDR-Integrationsprogramm "Funkhaus Europa" eingespielt. Die Botschaft aber bleibt: Die ARD hat es geschafft, ihre Gebührenmilliarden so zu verteilen, dass mit radiomultikulti - heftigen Protesten zum Trotz - eines ihrer schwächsten Glieder eingestellt wurde.

Man verzichtet darauf, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender Berlins globale Vernetztheit lokal aufgreift - und beliefert die Region mit Inhalten aus Bottrop. Eine "medienpolitische Blamage" nennt das RBB-Journalist Kemal Hür, der, wie andere ehemalige radiomultikulti-Journalisten, nun auch bei MultiCult 2.0 moderieren will.

Doch dessen Einrichtung bietet auch eine Gelegenheit. "Es gibt Vor- und Nachteile, kein öffentlich-rechtlicher Sender zu sein", sagt Mit-Initiatorin Brigitta Gabrin, die viele Jahre als Redakteurin für radiomultikulti gearbeitet hat. "Die Nachteile spüren wir nun, wenn es den Lohn gibt - den gibt es nämlich nicht", fürs Erste zumindest. Die Vorteile benennt ihr Kollege Toshi Rösner. Er sagt: "Die ARD ist ein dicker Dinosaurier. Ich bin ganz froh, dass wir uns nicht in diesem Gefüge bewegen müssen."

Man will nun Verkrustungen aufbrechen, die sich nach 14 Jahren auch bei radiomultikulti gebildet hatten, und der Schließung "eine positive Richtung geben": Man will auf www.multicult20.de etwa nicht mehr so häufig vietnamesischen Hörern ein Programm auf Vietnamesisch anbieten und russischen eines auf Russisch - sondern der postmigrantischen Gesellschaft gerechter werden und sich "vom bisherigen Verständnis communitybezogener Radioprogramme für Minderheiten lösen". Wie, ist noch offen. Das Leben aber geht weiter. Der RBB ist allerdings nur noch Zuhörer.

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