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Viel Prominenz, wenig Quote: Dustin Hoffman (l.) in „Luck“.

Sky Atlantic zeigt US-Serienhits

HBO im deutschen (Bezahl-) Fernsehen

An diesem Mittwoch startet der US-Seriensender HBO den deutschen Ableger Sky Atlantic. Fans von US-Serien sollen hier voll auf ihre Kosten kommen. Allein: So richtig neu ist das nicht, was Sky Atlantic HD im Programm hat.

Von Sarah Mühlberger

Eine Sensation, nichts weniger. Eine „Sensation für alle Entertainmentfans“ nennt Brian Sullivan den Start von Sky Atlantic HD und den damit verbundenen Umstand, dass es von diesem Mittwoch an eine deutsche Abspielstation für Produktionen des US-Bezahlsenders HBO gibt. Nun ist Sullivan Chef von Sky Deutschland und muss so euphorisch klingen. Seine Wortwahl passt aber auch gut in eine Zeit, in der das amerikanische Serienwesen mit immer neuen Superlativen beschrieben wird und deutsche Fans nach neuen Inhalten gieren.

Allein: So richtig neu ist das nicht, was Sky Atlantic HD im Programm hat. Zwar läuft die zweite Staffel von „Game of Thrones“ nur wenige Wochen nach der US-Ausstrahlung, das restliche Angebot aber fällt eher unter das Motto „Was bisher geschah“. Wer also in den vergangenen Jahren Serien wie „The Sopranos“, „Six Feet Under“ oder „The Wire“ verpasst hat, wird sich freuen, diese nun in HD und im Zweikanalton nachholen zu können. Aber zeigt der große Anteil älterer Serien nicht einfach, dass HBO seine besten Jahre hinter sich hat?

Immer ausgefallenere Sujets

Marcus Kirzynowski sieht das so. Der Herausgeber des Serien-Magazins Torrent sagt: „HBO hat im Moment einfach keine Serie im Programm, von der man noch in 30 Jahren sprechen wird.“ „Mad Men“, „Breaking Bad“ und „The Walking Dead“ laufen beim Kabelsender AMC, die Terrorismus-Serie „Homeland“, laut Kirzynowski „der beste Neustart der Saison“, läuft beim Pay-TV-Sender Showtime. Trotzdem unterstellen viele Fans und Kritiker neuen HBO-Formaten per se Qualität. Zu beobachten war das beim Pferderennbahn-Drama „Luck“, das Anfang des Jahres startete. HBO hatte einige Prominenz aufgefahren: Die Hauptrolle spielt Dustin Hoffman, eine Nebenrolle Nick Nolte, das Drehbuch stammt von „Deadwood“-Schöpfer David Milch, Hollywood-Regisseur Michael Mann, der viermal für den Oscar nominiert war, ist verantwortlicher Produzent.

„In den Kritiken zur Serie stand dann überall: Ich habe zwar nichts verstanden, aber es war großartig!“, sagt Marcus Kirzynowski und spielt damit auf den speziellen Rennbahn-Jargon an. Für ihn ist „Luck“ ein Beispiel dafür, dass Sender wie HBO immer ausgefallenere Sujets suchen, um der Erwartung gerecht zu werden, innovativ und unkonventionell zu sein, aber auch, „weil die gängigen Themen inzwischen durchbuchstabiert sind“. Ob der Zuschauer noch mitkommt, spiele eine untergeordnete Rolle. Die Quoten bei „Luck“ waren übrigens durchweg schwach.

Solange die Abonnenten nicht abschalten

Der Sender kann sich leisten, von den Zuschauern ignorierte, aber von der Kritik gefeierte Formate zu produzieren, denn dank des Abosystems kommt jeden Monat zuverlässig Geld in die Kassen. HBO erwirtschaftet für seinen Mutterkonzern Time Warner ein Viertel des jährlichen Gewinns und macht knapp über eine Milliarde US-Dollar Umsatz. Ein Großteil stammt aus den Abogebühren der Zuschauer, die monatlich rund 16 Dollar plus Kabelgebühren entrichten. Die 29 Millionen Abonnenten dürfen also ruhig mal nicht einschalten, solange sie nur nicht kündigen. Das wurde „Luck“ zum Verhängnis. Während der Dreharbeiten starben drei Pferde, HBO beendete die Serie nach der ersten Staffel, um einen größeren Imageschaden und Abokündigungen zu vermeiden.

Christoph Dreher findet das bedauerlich, für ihn war die Serie „sehr vielversprechend“. Dreher ist Filmemacher und Professor für audiovisuelle Medien an der Merz Akademie Stuttgart. Er hat ein Buch über „Autorenserien“ veröffentlicht und arbeitet gerade an einer Arte-Dokumentation. Er glaubt nicht, „dass HBO so schnell die Puste ausgeht“.

Dafür spricht, dass HBO mit „Boardwalk Empire“, „True Blood“ und eben „Game of Thrones“ aktuell gleich drei Serien im Programm hat, die dem Sender zwischen acht und zwölf Millionen Zuschauer bescheren – in der HBO-Geschichte hatten nur die „Sopranos“ mehr. Die neue Serie „Girls“, eine Art junges „Sex and the City“ minus Glanz und Glamour, hat zwar deutlich schwächere Einschaltquoten, wird aber heftig diskutiert; ihre Originalität macht sie zu einem sicheren Tipp für kommende Preisverleihungen. Und abgesehen davon: „Eine gute Serie erkennt man nicht unbedingt an der Zahl ihrer Zuschauer oder ihrer Auszeichnungen“, sagt Dreher.

Für seinen Film hat er sich mit Branchengrößen wie David Simon getroffen, der aktuell an der HBO-Serie „Treme“ arbeitet, die im New Orleans nach Hurrikan „Katrina“ spielt. Simon, der als Seriengott gilt, seit er „The Wire“ entwickelt hat, ist immer noch froh über den Vertrauensvorschuss, den HBO der Serie damals gewährte. Denn obwohl viele heute von der besten Serie aller Zeiten sprechen, lief sie damals zunächst einigermaßen unbeachtet auf HBO, die große Begeisterung der Kritiker kam erst mit der vierten Staffel, ein großer Zuschauererfolg wurde „The Wire“ nie.

Manche werden mit der Zeit zu Legenden

Womöglich hat HBO auch jetzt Serien im Programm, die erst im Laufe der Zeit zu Legenden werden. Besonders gespannt darf man auf „Newsroom“ sein, die im Juni startende Serie von „West Wing“-Macher Aaron Sorkin, der sich nach seinem Oscar für „The Social Network“ nun wieder dem Fernsehen widmet.

Die Erwartungen sind hoch: Schließlich ist es HBO. Und solange das so ist, muss man sich um den Sender keine Sorgen machen.

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