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Relief, das der Sonnengottheit Mithras huldigt, aus dem Nationalmuseum in Rom.
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Relief, das der Sonnengottheit Mithras huldigt, aus dem Nationalmuseum in Rom.

Geschichte des Ruhetags

Der Sonntag: Dem Herrn Bruder Sonne, der uns den Tag schenkt

  • Arno Widmann
    VonArno Widmann
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Im Jahr 321 erklärt Kaiser Konstantin den Dies solis zum Feiertag. Eine Art Wort zum Sonntag.

Am 3. Juli des Jahres 321 erklärte der römische Kaiser Konstantin den Dies solis zum verpflichtenden Feiertag. „Alle Richter und Einwohner der Städte, auch die Arbeiter aller Künste, sollen am ehrwürdigen ‚Tag der Sonne‘ ruhen.“ Dringende landwirtschaftliche Arbeit – sie beschäftigte die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung – hatte Konstantin von seiner „Sonntagsruhe“ ausgenommen. Sie war eine städtische Angelegenheit, man könnte vielleicht auch sagen ein städtisches Privileg. „Stadtluft macht frei“ hieß es eintausend Jahre später. Aber Städte hatten, seit es sie gibt, immer wieder besondere Vorrechte.

Die christliche Überlieferung hat aus Konstantin einen christlichen Kaiser gemacht. Im Zeichen des Kreuzes soll er die entscheidende Schlacht um sein Kaisertum geschlagen haben. Dass er den christlichen Feiertag, den ersten Tag der Woche, den Tag des Herrn zu einem Feiertag des römischen Reiches machte, wurde auch seiner mehr oder weniger offenen Christlichkeit zugeschrieben.

Gegenüber dieser Geschichtsschreibung scheint Skepsis angebracht. „Dies solis“, Tag der Sonne, hört sich wirklich nicht christlich an. Außerdem war dieser Wochentag bei den Mithrasanhängern ebenfalls ein Feiertag. Die aber waren unter den Soldaten weit verbreitet. Sich mit ihnen gut zu stellen, war für einen Kaiser ein starkes Motiv.

Die Diskussion um die Christlichkeit Konstantins, der sich sein Lebtag stets als „sol invictus“, als unbesiegte Sonne, abbilden ließ, füllt Bibliotheken. Verlassen wir ihn für heute und wenden uns dem Sonntag zu.

In der frühen christlichen Überlieferung beginnt mit ihm die Woche. Das war schon im Judentum so. An einem Sonntag hatte Gott mit der Schöpfung begonnen. Und so taten es ihm die Menschen nach. Für die Christen kam hinzu, dass Jesus an einem Sonntag auferstanden sein sollte. Der Sonntag war der Tag, an dem die Christen ihren Gott feierten, der Mensch geworden war und den Tod besiegt hatte.

Papst Johannes Paul II. (Karol Józef Wojtyla) fasste das in seinem Schreiben „Dies Domini“ vom 31. Mai, dem Pfingstfest des Jahres 1998, so zusammen: „Der Tag des Herrn — wie der Sonntag seit der apostolischen Zeit genannt wird — hat wegen seines engen Zusammenhanges mit dem eigentlichen Kern des christlichen Mysteriums in der Kirchengeschichte stets in hoher Achtung gestanden.

Denn im Wochenrhythmus erinnert der Sonntag an den Tag der Auferstehung Christi. Er ist das wöchentliche Ostern, an dem der Sieg Christi über Sünde und Tod, die Vollendung der ersten Schöpfung in ihm und der Anbruch der „neuen Schöpfung“ gefeiert wird. Er ist der Tag der anbetenden und dankbaren Beschwörung des ersten Tages der Welt und zugleich in der eifrigen Hoffnung die Vorwegnahme des „letzten Tages“, an dem Christus in Herrlichkeit wiederkommen und „alles neu machen“ wird.“ Die Weltgeschichte, könnte man versucht sein zu sagen, ist die lange Reihe von Werktagen zwischen zwei Sonntagen.

Der Sonntag wurde bei den Christen schon lange gefeiert, bevor es ein Osterfest gab. Wenn heute in den Kirchen erklärt wird, jeder Sonntag sei ein kleines Ostern, so ist das – wenn ich so sagen darf – theologisch völlig korrekt. Historisch aber müsste man sagen: Ostern ist ein großer Sonntag.

Der Sonntag war in der alten Kirche der Herrentag, an dem die Gemeinde sich traf, gemeinsam aß und das Geld einsammelte. Davon abgesehen war es ein Tag wie jeder andere. Es wurde gearbeitet und es gab auch keine spezifischen Speisevorschriften. Für Paulus waren das alles Dinge, die jedem Christen freigestellt waren. Die Einhaltung der jüdischen Bräuche, des „Gesetzes“, waren keine Voraussetzung, dem Juden Jesus zu folgen.

„Sonntag“ war allerdings keine Erfindung Konstantins. Schon im zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung nannte der auf dem Gelände des heutigen Nablus geborene Kirchenvater Justin der Märtyrer den Herrentag „Tag der Sonne“. Denn an diesem Tag habe Gott das Licht von der Finsternis geschieden.

Wer heute in einem evangelischen oder in einem katholischen Gottesdienst Christus als „Sonne der Gerechtigkeit“ besingt, denkt vielleicht, er habe es mit einem alten Kirchenlied zu tun, das die evangelischen Gemeinden übernommen hätten. Es war umgekehrt: 1930 stellte der evangelische Pfarrer Otto Riethmüller – er war später ein führendes Mitglied der Bekennenden Kirche – aus älteren Texten „Ein neues Lied“ zusammen, das später auch ins katholische Gesangbuch „Gotteslob“ aufgenommen wurde.

Das von Riethmüller intonierte neue Lied von der „Sonne der Gerechtigkeit“, ist ein junges Erzeugnis eines sehr alten Mythos. Schon Echnatons Sonnengott Aton wurde im 14. Jahrhundert v. u. Z. als Sonne der Gerechtigkeit gepriesen. Der Prophet Maleachi, über den nichts weiter bekannt ist, beschrieb wohl im 5. Jahrhundert v. u. Z. den Messias als „Sonne der Gerechtigkeit“.

An der Massivität der Sonne, an ihrem Einfluss auf unser Leben führt kein Weg vorbei. Sie enthält 99,86 Prozent der Masse unseres Sonnensystems. Was nicht Sonne ist, ist fast nichts. Ohne die Sonne gäbe es kein Leben auf der Erde, allerdings auch nicht, wenn wir mit unserer Atmosphäre nicht auch einen Sonnenschutz hätten.

Pro Sekunde setzt die Sonne mehr Energie frei als alle im Jahr 2011 vorhandenen Kernkraftwerke der Erde es in 750 000 Jahren.getan hätten. Angesichts solcher Dimensionen kommt einem die Rede vom „Anthropozän“ einigermaßen lächerlich vor. Ein Hymnus auf die Sonne, das Feiern ihrer Kraft, scheint zwar nicht weniger hilflos, aber er adressiert doch die wirkliche Macht des Systems, in dem wir leben.

Ich bin weit abgekommen vom „Sonntag“ als Feiertag. Vielleicht aber nutzt jemand die Zeit und liest den Sonnengesang des Heiligen Franziskus, des Vorbilds des derzeitigen Papstes. Es ist ein schöner, ein freundlicher Text, in dem es zum Beispiel heißt:

„Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, / besonders dem Herrn Bruder Sonne, / der uns den Tag schenkt und durch den du uns leuchtest. / Und schön ist er und strahlend in großem Glanz: / von dir, Höchster, ein Sinnbild… / Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester, den leiblichen Tod; / kein lebender Mensch kann ihm entrinnen…”

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