Google Drive bietet 5 GB Speicherplatz kostenfrei.
+
Google Drive bietet 5 GB Speicherplatz kostenfrei.

Google Drive

Datenmonster Google Drive - wie gierig ist es?

  • Jonas Rest
    vonJonas Rest
    schließen

Der US-Internetkonzern Google bietet den Cloud-Dienst Drive – doch wie ist es um den Datenschutz bestellt? Wir beantworten Fragen rund um den neuen Speicher-Dienst.

Der US-Internetkonzern Google bietet den Cloud-Dienst Drive – doch wie ist es um den Datenschutz bestellt? Wir beantworten Fragen rund um den neuen Speicher-Dienst.

Mit dem Ungeheuer aus Loch Ness hat der US-Internetkonzern Google seine neue Datenwolke namens Drive verglichen. Gerüchte über den Dienst hatten sich seit Jahren ebenso hartnäckig gehalten wie jene über das schottische Seeungeheuer. Diese Woche ist Googles Datenmonster nun endgültig aufgetaucht. Wir erklären, wie Drive funktioniert – und worauf beim Datenschutz zu achten ist.

Was ist dieses Google Drive und wieso reden alle darüber?

Google Drive soll den USB-Stick obsolet machen. Der Dienst ermöglicht es, Daten auf einer virtuellen Festplatte abzulegen, in der „Wolke“. Konkret heißt das: auf den Servern von Google. Auf diese Daten können Nutzer dann von jedem Gerät mit einer Internetverbindung zugreifen – vom Desktop-Rechner, dem Smartphone oder einem Tablet aus. Schiebt man etwa ein Word-Dokument in den Google Drive-Ordner, so steht es einem sofort auch auf den anderen Geräten zur Verfügung. Wenn der Laptop kaputt geht, sind wichtige Dokumente immer noch vorhanden.

Das gibt es doch schon. Worüber sind alle so aufgeregt?

Stimmt, es gibt Dutzende Anbieter für Online-Speicher. Alle Internetgiganten sind dabei, Microsoft, Apple oder Amazon. Das Start-up Dropbox bietet wohl den beliebtesten Dienst an, auf ihn greifen mehr als 50 Millionen Nutzer zu. Google Drive bietet allerdings einige wesentliche Neuerungen: Der Dienst kann etwa abfotografierte oder eingescannte Dokumente wie einen Brief durchsuchen und direkt in Text umwandeln. Dieses Dokument kann dann wiederum direkt in einer Textverarbeitung bearbeitet werden, außerdem erleichtert die Texterkennung das Suchen nach Dateien. Auch die Bilderkennungstechnologie ist Konkurrenten überlegen: Googles Suche erkennt schon länger etwa selbstständig ein Bild des Brandenburger Tors. Wird dieses nun in Drive hochgeladen, versieht Google die Datei automatisch mit dem entsprechenden Schlagwort.

Ist das alles?

Google Drive unterscheidet sich von anderen Diensten vor allem dadurch, dass es quasi eine ganze Office-Suite mitliefert. Hochgeladene Word-Dokumente, Tabellen oder Präsentationen können direkt in Google Drive bearbeitet werden – und zwar von mehreren Nutzern gleichzeitig. Diese Funktion gab es bisher bereits bei Google Docs, ein Produkt, das nun in Google Drive integriert wurde. Es ist zudem möglich, zusätzlich Apps von anderen Dienstleistern zu installieren – etwa eine, mit der sich Dokumente auch faxen lassen. Bald soll es noch mehr solcher Apps geben.

Aber sind die Daten denn sicher, wenn sie im Web gespeichert werden?

Die Serverfarmen von Google und anderen großen Internetkonzernen gehören nach Einschätzung vieler IT-Experten zu den am besten abgesicherten Datenspeichern – und sind sicherer als der private Laptop, wenn man ihn mit dem Netz verbindet. Denn auch dann können sich Hacker Zugang zu der eigenen Festplatte verschaffen. Google hingegen investiert viel Geld in die Abwehr von Angreifern.

Dafür kann Google aber auch auf meine Daten zugreifen, oder?

Richtig. Google ist bekannt dafür, die Daten seiner Kunden zu durchsuchen und diese für zielgerichtete Werbung zu benutzen. So durchforstet Google etwa die Mails von Googlemail nach Stichworten, um seinen Nutzern passende Reklameangebote zeigen zu können.

Durchforstet Google dann auch die Dateien, die ich auf Google Drive ablege?

Google sagt: Nein. Ein Sprecher erläuterte der Berliner Zeitung, die Dateien würden derzeit nicht zu Werbezwecken analysiert und dies sei auch nicht in Zukunft beabsichtigt. Allerdings: Die Geschäftsbedingungen schließen dies auch nicht aus. Tatsächlich ist es jedoch eher unwahrscheinlich, dass Google an seiner Praxis etwas ändert. Drive ist Teil der Geschäftseinheit Google Apps, die sich an Geschäftsanwender richtet. Im Gegensatz zu anderen Diensten von Google ist dieser Zweig nicht werbefinanziert, die Leistungen müssen von den Kunden gekauft werden. Auch bei Google Drive sind nur die ersten 5 Gigabyte kostenfrei. Datenschützer warnen trotzdem davor, alle Daten einem Anbieter anzuvertrauen.

Gibt es weitere Haken?

Leider ja. Nicht nur Google, auch Apple, Microsoft, Dropbox und nahezu alle anderen Online-Speicher-Anbieter sind in den USA beheimatet und unterliegen US-Recht. Dieses räumt in Folge des 11. Septembers 2001 US-Ermittlungsbehörden sehr weitläufige Rechte ein, Daten abzufragen – selbst dann, wenn die Daten in Rechenzentren in Europa liegen. Viel zu oft ist dazu nicht einmal ein richterlicher Beschluss notwendig – und die Nutzer erfahren teils nicht einmal im Nachhinein, das US-Behörden ihre Daten durchforstet haben. Zudem kritisiert Greenpeace, dass vor allem Apple, Amazon und Microsoft ihre hochmodernen Cloud-Server vornehmlich ganz altmodisch mit klimaschädlichem Kohle-Strom betreiben.

Gibt es denn gar keine Alternativen zu den US-Konzernen?

Doch. Beliebt ist etwa das Schweizer Unternehmen Wuala (spricht sich wie das französische „voilà“ ). Dessen Server liegen in der EU. Zudem bietet der Dienst eine automatische Verschlüsselung an, die noch auf dem Rechner des Anwenders geschieht – so dass nach eigenen Angaben auch die Schweizer Firma selbst nicht kontrollieren kann, welche Daten die Kunden in die Cloud schieben.

Kommentare