+
Sänger Scott McKenzie (r) bei einem Auftritt in den Messehallen in Bremen (links Ian Anderson von Jethro Tull)

One-Hit-Wonder

Danke, Scott McKenzie!

  • schließen

Der Schöpfer eines großen Liedes ist tot: Scott McKenzie gab der Welt und San Francisco den passenden Song zu einem bestimmten Lebensgefühl.

Der Schöpfer eines großen Liedes ist tot: Scott McKenzie gab der Welt und San Francisco den passenden Song zu einem bestimmten Lebensgefühl.

Er hatte nur einen Hit, aber was für einen! Alle werden ihren Text so oder ähnlich beginnen lassen, alle, die heute vermelden müssen, dass Scott McKenzie gestorben ist, der Mann, der einen der bekanntesten Songs der Popgeschichte veröffentlichte: „San Francisco“. Wer kann diese Zeilen nicht mitsummen: „If you’re going to San Francisco, be sure to wear some flowers in your hair“ ?

Scott McKenzie war es, der damit 1967 dem Soundtrack der Hippies den entscheidenden Ohrwurm lieferte. Der den Deich zum Mainstream knackte, sich ins Hirn der Milliarden spülte und mit seiner hymnischen Ballade bis heute im kollektiven Gedächtnis parat ist. „San Francisco“ war ein Song, der den damals 15- bis 20-Jährigen Papa und Mama ersetzte, ihren Trost und ihren Ansporn.

Das übrigens wortwörtlich. Denn diese Generation schien für einen historischen Moment überzeugt zu sein, alles zu können, sie buk sich sogar die eigenen Eltern neu: The Mamas & The Papas hieß die Band, aus der der Schreiber des Songs, John Phillips, stammte und in die Sänger Scott McKenzie später aufgenommen wurde.

Unwahrscheinlich, dass McKenzie, ein angemessen weichlicher Typ mit Knopfaugen, damals wusste, was er anrichtete, als er „San Francisco“ aufnahm, ein Lied, das ursprünglich nur als Werbemaßnahme für das Monterey-Festival gedacht war, in dessen Leitungsteam John Philips arbeitete.

In Wahrheit hatte „San Francisco“ aber alles, um im Nu über den Globus zu fegen. Das Lied ist von einer heiter-melancholischen, geradezu mitreißenden Sanftheit – ein Paradox natürlich. Dass beides zusammengeht, die Sanftheit und das Agitierende, ist ein Kunststück ohnegleichen.

Ein Triumph bis heute

In dieser widersprüchlichen Gefühlsspannung wird ein Glücksversprechen nach dem anderen aneinander gereiht: Du wirst herrliche, freundliche Leute treffen („you’re gonna meet some gentle people there“), eine ganze Generation in Bewegung mit einer eigenen Art sich auszudrücken ? („There’s a whole generation with a new explanation“). Und der Sommer wird deine Liebe sein ? („summertime will be a love-in there“). Die Welt wird eure sein.

In der Praxis sah das so aus: Man knallte die Tür zu, ließ dahinter die krakeelende Mutter stehen, drückte den Lautsprecher ans Ohr ? und ab ging’s, translove airways to San Francisco. Ein Triumph bis heute.

Scott McKenzie, dem wir all das verdanken, starb am Samstag im Alter von 73 Jahren an den Folgen eines schweren Nervenleidens, dem Guillain-Barré-Syndrom, an dem er seit vielen Jahren litt. Seine Krankheit mache ihn schwach, ängstlich und unsicher, bekannte er 2003 gegenüber dem „Stern“. Dennoch wolle er nicht mit starken Medikamenten für sein Wohlbefinden sorgen. Den Kampf gegen die Depressionen mit Pillen aufzunehmen, habe er bereits als Jugendlicher eingestellt.

Wie man seiner von Freunden bis zuletzt gepflegten Homepage entnehmen kann, lebte Scott McKenzie zusammen mit einer Katze namens Spider. Eine Nachbarin hat den Toten gefunden.

Eine youtube-Video, das den 28-jährigen Sänger beim Auftritt mit „San Francisco“ zeigt, wurde bis gestern Mittag 7,26 Millionen Mal geklickt. Trotz eines weiteren, kleineren Hits („Like an Old Time Movie“) hat er nie wieder „San Francisco“ einholen können. Wie auch? – Es ist ein Jahrhundertsong.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion