„Game of Clones“

Danke, Menschenverstand

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RTL II hatte nach zwei Wochen eine Einsicht und „Game of Clones“ eingestellt.

Nach zwei Wochen war Schluss. Der Privatsender RTL II hat eingesehen, dass selbst schlechter Geschmack Grenzen und manch treuer Trash-TV-Gucker anscheinend noch einen Rest an Qualitätsansprüchen hat: Das Format „Game of Clones“ wurde nach der Ausstrahlung von zwei Folgen abgesetzt, weil die Quoten miserabel waren (4,3 und 2,6 Prozent Marktanteil). Anscheinend hat man im Sender geglaubt, nach anderen gruseligen Dating-Formaten wie „Naked Attraction“ oder „Take Me Out“ sei noch Luft nach unten.

Bei „Game of Clones“ durfte sich der männliche Kandidat („Picker“ genannt) am Computer mit Hilfe eines Programmierers seine „Traumfrau“ basteln (Kommentar des Erzählers aus dem Off: „Fast so, wie man es vom Autokauf kennt“). Dann sucht RTL II sechs Frauen, die diesem Bild entsprechen, zieht sie gleich an und heftet ihnen riesige Namensschilder an die Outfits. Ansage ist anscheinend, dass man sich in dem Format nur mit dem Vornamen ansprechen darf, wenn unbedingt nötig, ansonsten reden der Kandidat und die Frauen untereinander lieber über „die Klone“. Der Plot in der Kurzfassung: Der Typ zieht mit den Frauen für vier Tage in ein Haus, verbringt Zeit mit ihnen (vorwiegend in Duschen, Saunen oder Whirlpools), stellt ihnen Aufgaben, die einzig dazu dienen, die Kandidatinnen lächerlich zu machen und in knappen Outfits zu zeigen, damit der „Picker“ gucken kann, was er da kauft. Jeden Tag fliegt eine raus, an Tag vier wählt er zwischen zwei verbliebenen Klonen „seine Traumfrau“ aus. Und wenn sie nicht gestorben sind…

Geredet wird eher nicht so viel, mehr geknutscht und was man noch so für das hält, was Menschen bei einer Fleischbeschau sehen wollen. Der gelangweilt-angewiderte Zuschauer hat während des ganzen Gefummels und Gestöhnes genügend Zeit, sich den Ort des Geschehens (die „Klonvilla“) anzuschauen und zu merken, dass anscheinend noch nicht mal die Leute von der Produktionsfirma richtig Lust auf ihre Arbeit hatten. Kabel liegen im Hintergrund herum, die Beleuchtung fällt fast um und selbst die Computeranimationen sehen so aus, als wollte RTL II lieber nicht zu viel Geld für teure Designer ausgeben – als hätte man geahnt, dass es sich nicht lohnt.

Was für die ganze Sendung spricht: Eine Idee, abgekupfert aus dem englischen Fernsehen, die wohl einen Hauch von Zukunft versprühen sollte (Klone, Avatare, ultimative Optimierung und so weiter…), billig umgesetzt und dabei so menschenverachtend, wie man es selbst dem Trash-TV-Sender RTL II nicht zugetraut hätte.

Ob die offensichtliche Geringschätzung von Individualität oder schlicht die schlechte handwerkliche Qualität der Produktion die Menschen abgeschreckt haben, ist nicht bekannt. So oder so kann man den Zuschauern danken, dass sie zumindest hier eine Grenze zwischen schlechtem und abgrundtief schlechtem Geschmack gezogen haben.

Danke, Menschenverstand!

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