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Wirtschaftlicher Schaden

Corona-Karneval bringt Verluste in Milliardenhöhe – Verbände suchen nach Alternativen

  • vonSebastian Richter
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Karneval ist nicht nur eine deutsche Tradition und ein riesiges Fest, sondern auch ein riesiges Geschäft. Die Corona-Pandemie schadet den Verbänden und der Wirtschaft.

  • Wegen der Corona-Pandemie findet Karneval dieses Jahr sehr ungewöhnlich statt.
  • Die Verbände geben sich Mühe, trotz der widrigen Bedingungen das Traditionsfest irgendwie zu verwirklichen.
  • Der Wirtschaft stehen dennoch gewaltige Verluste durch den Ausfall des Karneval bevor.

Corona ist weiterhin Thema in Deutschland. Der Lockdown zwingt das Land zum Stillstand. Doch der Kampf gegen das Virus geht weiter. Allmählich werden ersten Erfolge sichtbar, die Corona-Fallzahlen sinken – wenn auch langsam. Und außerdem haben die Impfungen begonnen, 2,7 Prozent der Bevölkerung haben sich laut dem RKI bereits die erste der beiden Corona-Impfungen verabreichen lassen (Stand 05.02.2021). Doch alle Anstrengungen werden nicht reichen, um nach „Weihnachten light“ ein anderes höchst traditionelles Fest in Deutschland regulär stattfinden zu lassen: Karneval. Die Feierwütigen werden also kreativ.

Karneval 2021 wird wegen Corona ungewöhnlich stattfinden

Karneval 2020 konnte nur knapp dem Lockdown entgehen. Wenige Wochen später war Deutschland dicht. Das damalige Narrenfest ließ sich von der noch sehr jungen Corona-Pandemie nicht zurückhalten. Es wusste ja auch niemand so wirklich, was da auf uns zukommt. Holger Kirsch, Leiter des Kölner Rosenmontagszugs, erklärte damals, er sehe keinen Grund dafür, warum man an den Karnevalstagen nicht „bützen“ könne, „bis der Arzt kommt“. Bekanntheit erlangte auch die Kappensitzung von Gangelt. Der kleine Ort an der niederländischen Grenze wurde einer der ersten deutschen Corona-Hotspots.

Dieses Jahr weiß man dagegen, was auf dem Spiel steht. Die Karnevalsverbände zeigen sich vorbereitet und einsichtig. Im Sommer wurden monatelang Pläne für einen coronakonformen Karneval geschmiedet, angesichts des neuen Lockdowns kann vermutlich keiner davon umgesetzt werden. Die Stadt Köln hat sogar für ihre Beamten die Karnevalstage zu regulären Arbeitstagen erklärt – ein kleiner Skandal für die „Narren“. Alternativen müssen her, um Sitzungen und Umzüge zu ersetzen.

Um die Corona-Regeln einzuhalten, müssen die Karnevalisten kreativ werden.

Karneval und Corona: Alternativen für ausgefallene Umzüge und Sitzungen

Der berühmte Kölner Karnevalsumzug am Rosenmontag wird beispielsweise im Miniaturformat des Stockpuppentheaters Hänneschen nachgebaut. So können zumindest die klassischen Motivwagen präsentiert werden. In Köln und Bonn werden außerdem Autokonzerte bekannter Karnevalsbands organisiert, in Monheim am Rhein auf diese Weise die Sitzungen abgehalten. „Altweiber-Drive-in“ nennt sich das ganze, auch die Autos sollen Kostüme tragen. Unter Jeckstream.de kann man gegen Bezahlung Sitzungen verfolgen.

In Mainz bleibt die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ erhalten, wenn auch mit kleineren Änderungen. Die Show wird nicht live sein, sondern stattdessen ohne Saalpublikum aufgezeichnet. Gemessen an dem Ernst der Lage entfällt beim Titel der Sendung der Zusatz „wie es singt und lacht“.

In der Corona-Krise brauchen die Menschen Karneval

Karneval ist bekanntlich das Gegenteil von Abstandhalten. Auch Hygienestandards werden beim „Bützchen“ verteilen jedes Jahr gerne gesenkt. Trotzdem ist es wichtig, Karneval auch in der Corona-Zeit für die Menschen Spürbar zu machen, sagt Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn. Für ihn ergeben sich Parallelen zu den ersten Jahren nach dem Krieg: „Die Botschaft war, dass das Leben irgendwie weitergeht. Und auch jetzt ist der Karneval eine wichtige Konstante.“

Teuer wird das Ausbleiben der Festlichkeiten trotzdem. Einer Studie zufolge verliert die Stadt Köln durch die Absage knapp 600 Millionen Euro. Nach einer Analyse der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) blieben dieses Mal wohl nur etwa 9 Millionen Euro. Das entspricht einem Einbruch um mehr als 98 Prozent. Bundesweit beziffert das Institut der deutschen Wirtschaft laut t-online den wirtschaftlichen Schaden auf 1,5 Milliarden Euro. Dazu gehören Verluste im Einzelhandel, dem Hotelgewerbe, der Gastronomie und im Transportsektor. (Sebastian Richter)

Rubriklistenbild: © Henning Kaiser/dpa

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