Museum für Kommunikation

In Burschis Welt

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„Acht Visionen“: Frankfurter Reihe startet mit Katharina Adler und Daniel Wisser.

Seine vielfältigen Kooperationen mit Museen der Stadt setzt das Frankfurter Literaturhaus mit „Acht Visionen“ zu „Zukunft. Arbeit. Literatur.“ im Museum für Kommunikation fort. Wie bei den „Acht Begegnungen“ im MMK stellen acht Autorinnen und Autoren in vier Paaren Texte zur Sache vor. War das Spektrum mit Blick auf Kunstobjekte unendlich breit und wurde auch in dieser unendlichen Breite genutzt, wird diesmal dezent kanalisiert, durch den Untertitel, aber auch durch eine thematisch orientierte Umgebung. Das ist einerseits bedauerlich, andererseits boten Katharina Adler, Autorin des vielbeachteten historischen (!) Romans „Ida“, und Daniel Wisser, österreichischer Buchpreisträger 2018 mit „Königin der Berge“, einen fulminanten Sci-Fi-Auftakt. Man konnte wieder nur melancholisch zurückdenken, an die Zeit, in der das Jahr 2000 unerreichbar erschien. Alles, was Adler und Wisser sich mustergültig ausgedacht hatten, wurde vom kichernden Publikum nun offenbar problemlos als bloß wenige Meter entfernter Irrwitz erkannt.

Die Großmutter in Adlers Text „Die Behandlung“ erinnert sich noch an die Zeit, in der weitgehend so gearbeitet wurde, wie wir es kennen. Man muss halt arbeiten, um Geld zu verdienen, will aber schon auch, dass es einen ein bisschen erfüllt und so. Die Enkeltochter lebt hingegen längst in einer Welt mit bedingungslosem Grundeinkommen. „Basic-Coins“ sind eine fade Angelegenheit, die Enkeltochter jobbt eifrig, aber unambitioniert, um sich andere, schickere E-Währungen zu beschaffen. Während Adler anregend und mit einem sehr lebenszugewandten Interesse in Frage stellt, ob die Abschaffung ihrer Notwendigkeit die Arbeit, überhaupt die Beschäftigung von Menschen tatsächlich interessanter macht, lernt man zum Beispiel Doc Dent kennen. Und fühlt sich äußerst großmütterlich. 

Acht Visionen im Frankfurter Museum für Kommunikation: Isabelle Lehn und Jochen Schmidt lesen am 27. November.

www.literaturhaus-frankfurt.de

Daniel Wisser teilte seinen Text in zehn auswendig vorgetragene Minigeschichten auf: mit etwas vielen Erklärungen (im geplanten „Acht Visionen“-Buch wird man probieren können, ob sie nicht auch so wunderbar funktionieren), mit Pointen und Antipointen, mit einem durchsetzungsfähigen Pflegeroboter namens Burschi, aber auch mit Irritationen, die keineswegs von morgen sind. Wenn die Googletreffer von „Separatisten“ und „Seperatisten“ bei 870 000 und 24 000 liegen, ist es dann so fundamental falsch „Seperatisten“ geschrieben zu haben? Im Zuge der allgemeinen Beschleunigung ist auch die Zukunft immer schon da.

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